Aktive Sterbehilfe: Belgien beschliesst Euthanasie für Kinder

Seit dem 13. Februar 2014 ist die aktive Sterbehilfe für Kinder in Belgien gesetzlich beschlossen. Die Euthanasie bei Minderjährigen unterliegt aber strengen Regeln. Warum Sterbehilfe-Gegner die Legalisierung dennoch kritisieren.

Aktive Sterbehilfe: Belgien beschliesst Euthanasie für Kinder

Wenn ein Kind todkrank ist, wünschen sich viele Eltern, dass es nicht mehr leiden muss. Foto: Huntstock, Thinkstock

Bereits im Dezember 2013 hatte sich der belgische Senat für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe bei Kindern ausgesprochen. Mit 86 zu 44 Stimmen und 12 Enthaltungen stimmte auch die belgische Abgeordnetenkammer gestern für die Gesetzesänderung, wie die NZZ berichtet. Weltweit ist Belgien damit das erste Land, das die aktive Sterbehilfe für todkranke Kinder und Jugendliche einführt. In erster Linie waren Sozialisten, Liberale und die Grünen für das Gesetz. Sie argumentierten unter anderem damit, dass Leiden keine Altersgrenze kenne und auch Kinder das Recht dazu hätten, in Würde zu sterben.

Euthanasie in Europa

In Europa führen neben Belgien auch Luxemburg und die Niederlande die aktive Sterbehilfe für Erwachsene. In den Niederlanden können Kinder ab 12 Jahren die Euthanasie in Anspruch nehmen. In der Schweiz ist die Assistenz beim Suizid nur dann erlaubt, wenn der Patient noch in der Lage ist, seinen Tod selbst herbeizuführen.

 

Euthanasie für Kinder in Belgien: Regeln und Häufigkeit

Während Erwachsene in Belgien auch wegen psychischer Leiden Sterbehilfe in Anspruch nehmen dürfen, ist Kindern dies nicht erlaubt. Diesen darf ein tödliches Medikament nur dann verabreicht werden, wenn das Kind an einer unheilbaren Krankheit leidet und seine Schmerzen mithilfe von Medikamenten nicht mehr gelindert werden können. Zudem muss das Kind selbst dazu in der Lage sein, den Entschluss zum Sterben zu fassen. Ein Psychologe muss dabei die Urteilsfähigkeit des Kindes bezeugen. Des Weiteren braucht es die Einwilligung der Eltern.

Nach Schätzungen von belgischen Ärzten käme es in Belgien pro Jahr nur zu zwei bis drei Fällen, in welchen die Sterbehilfe für Kinder und Jugendliche in Anspruch genommen würde. Meist handle es sich dabei um 16- und 17-Jährige, wie focus gestern berichtete. Bei Erwachsenen sei die Zahl deutlich höher. Im Jahr 2012 nahmen 1‘432 Erwachsene die aktive Sterbehilfe in Anspruch.

Kritik an Euthanasie bei Kindern

Kritik an dem Gesetz hagelt es laut der NZZ vor allem aus kirchlichen Kreisen, Patientenverbänden und auch aus den Reihen der Kinderärzte. Ein Kritikpunkt sei, dass durch die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe für Kinder der gesellschaftliche Druck entstehe, sich seiner schwerkranken Kinder zu entledigen. Ein heikles Thema stelle auch die Urteilsfähigkeit der sterbewilligen Kinder dar. Nach Ansicht von Christlichdemokraten führe das Gesetz zu ethnischen und rechtlichen Problemen.

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