Bundesrat empfiehlt «Nein» zu Ferien-Initiative

Geht es nach dem Bundesrat, soll das Volk  am 11. März 2012 die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» durchfallen lassen. Bundesrätin Simmonetta Sommaruga begründete die Nein-Empfehlung am gestrigen Dienstag mit der fehlenden Garantie für die tatsächliche Entlastung der Arbeitnehmer.

Ferien-Initiative: Das Vok entscheidet ob es mehr Ferien will.

Geht es nach dem Bundesrat, bleibt der Liegestuhl in der fünften und sechsten Ferienwoche für Schweizer leer. © Leandro Crespi - Fotolia.com

Bundesrat und Parlament bemängeln, dass die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» offen lasse, wer den Ferienausgleich zu tragen habe: Arbeitnehmer oder Arbeitgeber? Werde die verlängerte Ferienzeit nicht durch mehr Personal abgefangen, verfehle die Initiative ihr Ziel. «Mehr Ferien bringen nur etwas, wenn anschliessend die Arbeit auf mehr Köpfe verteilt wird, andernfalls droht die Arbeit für den Einzelnen wegen der längeren Ferien sogar zu einer noch grösseren Belastung zu werden.», erklärte Sommaruga auf der gestrigen Pressekonferenz.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sei ein höherer Personalaufwand kaum zu bewältigen.«Die wirtschaftlichen Folgen dieser Initiative sind nicht zu unterschätzen», mahnte Sommaruga im Interview mit der SF Tagesschau. Sie könne zum Anstieg der Lohnstückkosten führen und die Konkurrenzfähigkeit des Arbeitsstandorts Schweiz in Bedrängnis bringen. Jede Woche Ferien erhöhe die Lohnkosten um rund 2 Prozent.

Dennoch teile der Bundesrat das Anliegen der Initiative für Gesundheit und Stressabbau zu sorgen vollumfänglich, lies Sommaruga wissen. Schliesslich müsse man umgekehrt sagen: «kranke Mitarbeiter verursachen auch Kosten». Das Thema Stress und Belastung am Arbeitsplatz könne mit der negativen Abstimmungsempfehlung daher nicht einfach zu den Akten gelegt werden.

Der Haupt-Initiator der Ferien-Initiative, der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse, wirft den Gegnern der Initiative dagegen Achtlosigkeit und Kompromisslosigkeit vor. Nachdem das Parlament alle Alternativvorschläge für mehr Erholung und Ausgleich für die Arbeitnehmer abgeschmettert habe, sei die Volkabstimmung «der einzige Weg zu einer gesünderen Arbeitswelt mit leistungsfähigeren und glücklicheren Menschen».

Laut Travail.Suisse sei die Arbeitsproduktivität der Arbeitnehmenden zwischen 1992 und 2007 um 21 Prozent angestiegen, die Reallöhne seien dagegen aber nur um 4 Prozent erhöht worden. Deshalb seien mehr Ferien nicht nur positiv für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch «eine faire Beteiligung am starken wirtschaftlichen Fortschritt».

Gemäss der gültigen Ferienregelung (Art. 329a Obligationenrecht) stehen allen Arbeitnehmern mindestens vier Wochen Ferien pro Jahr zu. Arbeitnehmer unter 20 Jahren haben einen Anspruch auf fünf Ferienwochen. Arbeitgeber und Arbeitnehmende können sich vertraglich aber auch auf eine für den Arbeitnehmenden günstigere Regelung verständigen.

Im Internationalen Vergleich liegt die Schweiz mit 20 Tagen, was den gesetzlichen Ferienanspruch angeht im unteren Mittelfeld. Spitzenreiter sind Finnland, Brasilien und Frankreich mit je 30 Tagen, das Schlusslicht bilden China und Kanada mit je 10 gesetzlichen Ferientagen.  Die ganze Tabelle zur Ferienregelung im weltweiten Vergleich finden Sie unter: http://www.bildungsspiegel.de

Quellen: admin.ch, tagesschau.sf.tv, travailsuisse.ch

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