Frauenförderung statt Ausländer: Sommarugas Idee löst Kritik aus

Justizministerin Simonetta Sommaruga hat mit ihrer Idee die Zuwanderung über eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu steuern, Kritik ausgelöst. Ökonomen zweifeln an einem Zusammenhang.

Bundesrätin Sommaruga will Frauenförderung statt mehr Ausländer.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, damit mehr Frauen ins Erwerbsleben holen und so die Zuwanderung steuern. Foto: Creatas Images, Thinkstock

Die SP-Bundesrätin Sommaruga hatte in ihrer 1. Mai Rede gesagt, dass die Wirtschaft jährlich zehntausende Menschen in die Schweiz hole, wie verschiedene Medien berichteten. Gleichzeitig seien sehr viele gut ausgebildete Schweizerinnen nicht berufstätig. Es gehe ihr keinesfalls darum, ausländische Arbeitskräfte gegen Frauen auszuspielen, erklärte Sommaruga. «Aber indem wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, steuern wir auch die Zuwanderung». Dieser Zusammenhang sei bisher zu wenig erkannt worden.

Ökonomen äusserten allerdings Zweifel an diesem Zusammenhang. «Wenn noch mehr einheimische Frauen einer Arbeit nachgehen oder ihr Arbeitspensum erhöhen, führt das zu höheren Einkommen und dies zur stärkeren Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen», sagte Reiner Eichenberger, Wirtschaftsprofessor an der Uni Freiburg dem Tagesanzeiger. «Diese Nachfrage schafft wiederum neue Stellen, die mit ausländischen Arbeitskräften besetzt werden». Zudem müssten mehr Krippenplätze geschaffen werden, damit mehr Frauen Vollzeit arbeiten können. Das hätte zur Folge, dass das Personal in Krippen aus dem Ausland geholt werden müsste.

Der Arbeitsmarktexperte George Sheldon sagte aber zu Sommarugas Vorschlägen: «Grundsätzlich hat sie recht». In der Schweiz seien sehr viele Frauen erwerbstätig, aber meist mit Teilzeitpensen. Er schätzt, dass in einem höheren Beschäftigungsgrad der Frauen ein Potenzial liegen könnte. «Aber wie gross dieses ist und ob die Rechnung von Frau Sommaruga aufgeht, kann ich nicht sagen», sagte Sheldon dem Tagesanzeiger. Denn die von der Wirtschaft rekrutierten Ausländer seien zu über der Hälfte Akademiker. In der Schweiz verfügten erst 35 Prozent der Arbeitskräfte über einen Hochschulabschluss, weshalb die Firmen den Bedarf mit Ausländern deckten.

Die Journalistin und Mutter Michèle Binswanger äusserte ebenso Kritik. «Frauenförderung als Einwanderungsprävention zu verkaufen, um das Migrationsthema ein bisschen zu bewirtschaften, ist in dieser Frage definitiv der falsche Weg», schreibt sie in einem Beitrag für den Mamablog. Wolle man mit Frauenförderung Ernst machen, brauche es mehr als bloss Krippenplätze. Es brauche ein gründliches Umdenken in der Wirtschaft. Die Bloggerin und Mutter Nathalie Sassine-Hauptmann allerdings freut sich in einem Beitrag des Magazins clack, dass mit Sommarugas Aussage ein Thema auf dem politischen Tisch sei, das die Privathaushalte schon lange beschäftige.

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