Fremdsprachenunterricht in der Primarschule: Lehrer wehren sich

Der Fremsprachenunterricht in der Primarschule ist ein Diskussionsthema, das die Gemüter erregt. Besonders problematisch ist die kantonale Regelung des Fremdsprachenunterrichts, die eine Harmonisierung erschwert. Nun stellt der Dachverband für Lehrerinnen und Lehrer Forderungen.

Fremdsprachenunterricht: Jetzt wehren sich die Lehrer

Sind Schüler und Lehrer mit einer zweiten Fremdsprache überfordert? Foto: Brand X Pictures - Thinkstock

Für Kinder ist ein Schulwechsel nach dem Umzug nie leicht. Besonders schwierig wird er jedoch, wenn die beiden Kantone ihren Fremdsprachenunterricht unterschiedlich regeln. Im Extremfall kann es sogar sein, dass Kinder mehrere Jahre Englisch- oder Französischuntericht nachholen müssen. Zwar wurde dieses Problem auf der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) bereits vor Jahren erkannt, geändert hat sich jedoch kaum etwas. So darf es nicht mehr weitergehen, findet der Dachverband für Lehrerinnen und Lehrer. Welche Forderungen er an die EDK richtet, berichtete heute der Tages Anzeiger.

Fremdsprachenunterricht: Kinder und Lehrer sind überfordert

Seit fast zehn Jahren will die EDK den Fremdsprachenunterricht in den verschiedenen Kantonen vereinheitlichen. Spätestens ab dem dritten Schuljahr sollen die Primarschüler eine erste Fremdsprache lernen, zu welcher ab dem fünften Schuljahr eine zweite hinzukommt. In vielen Kantonen verläuft die Umsetzung dieser Strategie jedoch zäh: Erst zwölf Schweizer Kantone sind bereits so weit, die anderen arbeiten noch am Konzept. In einigen Kantonen, darunter Graubünden, Thurgau und Nidwalden, wehren sich Politiker entschieden gegen eine zweite Fremdsprache in der Primarschule. Auch Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, zweifelt an der Fremdsprachenstrategie. Er behauptet, dass das frühe Einführen der beiden Fremdsprachen nicht nur Kinder, sondern auch Lehrer überfordere: «Wenn es so weitergeht, wird die Fremdsprachenstrategie scheitern». Eine zusätzliche Hürde für die Vereinheitlichung stellt die Mehrsprachigkeit der Schweiz dar: In Kantonen an einer Sprachgrenze, beispielsweise Baselland oder Bern, lernen die Kinder zuerst Französisch oder Italienisch, in allen übrigen Kantonen ist Englisch die erste Fremdsprache.

Forderungen des Lehrerverbands: Was sich ändern muss

Die rund hundert Delegierten des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer haben eine Resolution mit acht Forderungen vorbereitet, die an einer Versammlung am 15. Juni verabschiedet werden soll. Unter anderem fordert der Dachverband für den Fremdsprachenunterricht  zusätzliche Lehrkräfte, eine bessere Sprachförderung benachteiligter Kinder, eine angemessene Sprachausbildung mit Weiterbildungen für Lehrpersonen. Falls diese acht Forderungen in den nächsten zwei Jahren nicht erfüllt werden, will sich der Lehrerverband an den Bund wenden: «Dann müsste die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtfach eingeführt werden». In diesem Fall sollten die Eltern entscheiden können, ob ihr Kind die zweite Fremdsprache schon ab dem fünften Schuljahr erlernen soll oder erst später. Ziel ist es, dass am Ende der Sekundarstufe alle Kinder beide Fremdsprache während mindestens drei Jahren gelernt haben.

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