Geburtshaus im Spital: Hebammen warnen vor Etikettenschwindel

Sich bei der Geburt wohl und gleichzeitig sicher fühlen: Das ist vielen Müttern wichtig. Diesem Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit will beispielsweise das Kantonsspital Nidwalden in Stans mit seiner Kombination von Geburtshaus und Spital nachkommen. Hebammen warnen jetzt aber vor einem Etikettenschwindel.

Spitäler werden mit der Kombination von Geburtshaus und Spital.

Auch im Spital sollen sich Frauen nach der Geburt wohlfühlen. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Verschiedene Spitäler bieten werdenden Müttern bereits Einzel- und Familienzimmer an. Das Kantonsspital Nidwalden wirbt beispielsweise seit dem 1. April mit einer schweizweit einzigartigen Kombination von Geburtshaus und Spital. «Für jedes Mami, das ein Kind im Spital in Stans zur Welt bringt, hält das Spital per sofort ein Einzelzimmer bereit – ohne Aufpreis», heisst es in einer Mitteilung des Spitals vom 29. März. Die Familie soll möglichst ungestört sein. Eine Arztvisite nach der Geburt findet nur auf Wunsch der Familie statt.

Die Geburtshäuser und ihre Hebammen halten das Modell «Geburtshaus im Spital» aber für höchst unseriös. «Denn der ganzheitliche Ansatz der Geburtshilfe im Geburtshaus unterscheidet sich grundlegend von der risikobezogenen Arbeitsweise in Spitälern», schreiben die Hebammen der Interessengemeinschaft Geburtshäuser Schweiz in einer Mitteilung von heute. Deshalb fordern sie die Verantwortlichen der Spitäler auf, auf den Namen «Geburtshaus» zu verzichten, damit keine Missverständnisse aufkämen.

«Im Ansatz ist die Idee ‚Geburtshaus im Spital’ eine gute Sache und schmeichelhaft für uns»,  sagen Barblina Ley und Renate Ruckstuhl, Hebammen und Vorstandsmitglieder der Interessengemeinschaft. Aber «ein Geburtshaus im Spital ist ein Etikettenschwindel. Spital bleibt Spital.»  In Geburtshäusern würden die Hebammen nur intervenieren, wenn es einen Nutzen für die Gesundheit von Mutter und Kind bringe. Im Gegensatz dazu seien viele in Spitälern routinemässig durchgeführten Interventionen wie die kontinuierliche Überwachung der kindlichen Herztöne über CTG nur beschränkt von Nutzen für Mutter und Kind, noch hätten sie einen gesundheitsfördernden Aspekt.

Weitere Informationen zu den Geburtshäusern gibt es unter www.geburtshaus.ch

Was ist Ihnen lieber: eine Geburt im Spital oder im Geburtshaus? Schreiben Sie uns! Hier geht es zum Kommentarbereich.

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter