Hochbegabte haben's schwer, kluge Frauen um so mehr

Hochbegabte Kinder haben es oft nicht leicht im Leben. Vor allem für Mädchen bedeutet ein hoher IQ, sich zwischen Selbstverwirklichung und den Vorstellungen ihrer Mitmenschen verbiegen zu müssen. Dabei müssen die eigenen Träume oft hinten anstehen.

Hochbegabte Mädchen: Wenn der IQ zum Hindernis wird

«Sei schlau, stell dich dumm!» Ist das die Devise nach der intelligente Mädchen und Frauen leben müssen? Foto: iStockphoto, Thinkstock

«Männer mögen es nicht, wenn Frauen intelligenter sind als sie selbst», sagt die amerikanische Schauspielerin Mayim Bialik alias Dr. Amy Farrah Fowler aus der TV-Serie «The Big Bang Theory». Wie recht sie damit hat, zeigt das wahre Leben, in dem vor allem hochbegabte Mädchen viele Steinen in den Weg gelegt bekommen.

«Sei schlau, stell dich dumm?»

Aus Angst vor sozialer Ablehnung wollen oder müssen sich kluge Frauen dumm stellen, weil sie meinen, durch ihre Intelligenz unattraktiv zu wirken, berichtet tagesanzeiger.ch. «Sei schlau, stell dich dumm», mit diesem Motto erzielt das deutsche TV-Sternchen Daniela Katzenberger eine Erfolgslaufbahn. Bereits 2009 stellte Maria Shriver, die Kennedy-Nichte und Ex-Frau von Arnold Schwarzenegger, in ihrem Report «A Woman’s Nation» fest, dass 69 Prozent der Frauen tatsächlich glauben, dass Männer ihnen zu viel Intelligenz übel nehmen. Knapp 50 Prozent der dazu befragten Männer bestätigten die Ansicht dieser Frauen.

Wenn Intelligenz ein Dilemma ist

Für ihr 1998 erschienenes Buch «Where have all the smart women gone?» sprach Alice Rowe mit vielen hochbegabten Frauen. Dabei musste sie feststellen, dass diese in einem Dilemma steckten: Sie wissen nicht, wie sie ihre eigenen Träume mit den Vorstellungen ihres Umfelds verknüpfen sollen. Zudem fürchteten sie, aufgrund ihrer Intelligenz unattraktiv auf Männer zu wirken und entschieden sich deshalb meist gegen die Möglichkeit, ihr Wissen zu fördern. Denn Wissen ist Macht und Männer wollen ungern eine Frau haben, die klüger und damit mächtiger ist als sie selbst.

Die Kluft zwischen hochbegabten Knaben und Mädchen

Ein zehnjähriges hochbegabtes Mädchen schildert im Mamablog von Tagesanzeiger.ch Anfang des Jahres ihre Sichtweise bezüglich ihrer Hochbegabung mit den Worten: «Ich mag es nicht, wenn Leute zu mir sagen, ich sei so gescheit, oder mit mir darüber reden wollen, dass ich zwei Klassen übersprungen habe. Ich möchte dann lieber das Thema wechseln.» Sie besucht die Zürcher Hochbegabtenschule Talenta. Der Anteil der Mädchen macht nur ein Drittel der Hochbegabten an dieser Schule aus. Das erstaunt, denn repräsentative Statistiken zeigen, dass deutlich mehr Mädchen als Jungen den Übergang ins Gymnasium schaffen und auch bessere Maturaergebnisse erzielen. Dennoch werden doppelt so viele Jungen wie Mädchen an Hochbegabtenschulen gefördert.

Gibt es also mehr hochbegabte Knaben als Mädchen? Die Frage kann verneint werden, denn Jungen und Mädchen gehen mit ihrer Hochbegabung unterschiedlich um. «Jungs langweilen sich deutlicher und stören den Unterricht. So wird ihre Begabung öfter erkannt und sie werden gefördert. Mädchen langweilen sich ebenso, wollen aber nicht auffallen und vermeiden es, sich bemerkbar zu machen», erklärt Jean-Jaques Bertschi, ehemaliger Politiker und Präsident der Hochbegabtenschule Talenta. Aus diesem Grund bleibe die Hochbegabung der Mädchen öfter unerkannt als bei Jungen.

Welche Rolle die Eltern bei Hochbegabten spielen

Die allgemeinen Gefühle, die Hochbegabten generell entgegengebracht werden, fallen vornehmlich negativ aus, bei Mädchen sogar eher als bei Jungen, erklärt Bertschi gegenüber tagesanzeiger.ch. Auch im Zuhause sehe dies meist nicht besser aus. «Für ein Mädchen ist ein hoher IQ immer noch etwas, das bereits im Elternhaus als Hindernis angesehen wird», sagt Bertschi.

Wolfgang Schmidbauer, der Autor von «Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau» ist ähnlicher Ansicht. Er bezeichnet Eltern in dieser Hinsicht sogar als «narzisstisch». Sie würden zwar wollen, dass ihre Kinder es einmal besser haben als sie selbst und sie dürften auch schlauer sein, um ihre Ziele zu erreichen, aber nur, solange diese Ziele den Vorstellungen der Eltern entsprächen.

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