Hochzeit: Das Jawort fällt immer seltener

«Ja, ich will» - mit dieser Parole werden Paare seit jeher zu lebenslangen Ehepartnern gemacht. Die Selbstverständlichkeit einer Hochzeit nimmt jedoch immer mehr ab. Soziologen sollen herausgefunden haben, dass die Bedenken gegenüber der Ehe mehrheitlich wegen Trennungsängsten entstehen.

Eine Hochzeit ist keine Selbstverständlichkeit mehr.

Der «Bund fürs Leben» werde aus Trennungsängsten nicht mehr so oft eingegangen, so eine US-amerikanische Studie. © MNStudio - Fotolia.com

Forscher der US-amerikanischen Cornell University und der University of Central Oklahoma befragten unverheiratete Paare zum Thema Ehe. Es stellte sich heraus, wie das Magazin «Family Relations» berichtete, dass zwei Drittel den «Bund fürs Leben» aufgrund der gesellschaftlichen, rechtlichen, seelischen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer möglichen Scheidung nicht eingehen. Warum hinterfragen heute viele die Ehe, die früher selbstverständlich war?

Die österreichische Sexualtherapeutin Gerti Senger vertritt die Theorie der «Unverbindlichkeit». Sie bemerkte kürzlich im Interview mit pressetext, dass unsere Gesellschaft vielen Traditionen nicht mehr den gleichen Wert gebe wie früher – eine davon die Ehe. «Charakteristisch für unsere Zeit ist die Unverbindlichkeit. Wenn es eine Hochzeit gibt, steht oft der Eventcharakter im Vordergrund, nicht die langfristige Bindung», so Senger. Diese Unverbindlichkeit führe zudem dazu, dass seltener an die Haltbarkeit einer Beziehung geglaubt werde. «Man einigt sich schnell auf den Kompromiss, auseinander zu gehen, wenn es nicht mehr klappt.»

Anders als Senger denkt die demografische Forscherin Michaela Kreyenfeld, der  Gesellschaftswandel sorge für die schwindende Bedeutung der Hochzeit. «Die Zwänge der Gesellschaft verschwinden in unseren Breitengraden, die konfessionelle Bindung verliert ihren Wert und die berufstätige Frau gehört zum Alltag. Es ist klar, dass so die Akzeptanz des nichtehelichen Zusammenlebens grösser wird», betont sie im Gespräch mit pressetext. Eine Hochzeit sei immer seltener eine Voraussetzung für  Familiengründung. «In Skandinavien und Deutschland liegt die Quote der Kinder, deren Eltern bei der Geburt nicht verheiratet waren, bei über 50 Prozent.»

Paare, die ihre Ängste überwinden und sich doch noch für eine Hochzeit entscheiden, tun das heute jedoch viel bewusster als früher. Der Wunsch nach einer schönen, besinnlichen Hochzeit sei dieser Tage sehr gross, so die Wiener Psychotherapeutin Gerti Senger. «Die Eheschliessung erhält mehr und mehr emotionalen Tiefgang. Wer sich trauen lässt, tut es nicht nur des Trauscheines wegen. Das Paar setzt ein Zeichen nach Aussen und schafft sich eine bestimmte Identität.»

Quelle: pressetext

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