Psychische Krankheiten bei Jugendlichen: Immer mehr beziehen IV-Rente

Immer mehr Jugendliche beziehen aufgrund psychischer Krankheiten die IV-Rente, weil sie sich nur teils oder gar nicht in die Arbeitswelt integrieren können. Aber warum steigt die Zahl der Betroffenen? Die Erklärungsansätze sind vielfältig.

Psychische Krankheiten bei Jugendlichen: Immer mehr beziehen IV-Rente

Warum leiden so viele Jugendliche in der Schweiz an psychischen Krankheiten? Foto: iStock, Jochen Schönfeld, Thinkstock

Auf die Frage, warum immer mehr Jugendliche wegen psychischer Erkrankungen unfähig sind, den Berufseinstieg zu schaffen und deswegen die IV-Rente beziehen, gehen die Meinungen auseinander. Offensichtlich sei laut einer Medienmitteilung der Organisation Pro Juventute aber, dass die Zahl der Betroffenen in den letzten 15 Jahren um ein Dreifaches zugenommen habe, schreibt 20min.ch heute.

Psychische Krankheiten bei Jugendlichen: Die Gründe

Pro Juventute zufolge sei die Zunahme von psychischen Problemen bei Jugendlichen eine «Folge des massiven Leistungsdrucks». Psychische Krankheiten seien Ausdruck dafür, dass Jugendliche heute einfach überfordert werden. FDP-Nationalrat Felix Gutzwiller ist da anderer Ansicht. «Die Jugendlichen von heute sind weniger resistent als früher», erklärt er gegenüber 20min.ch. Deswegen seien sie nicht fähig, sich in die Arbeitswelt zu integrieren.

Niklas Baer, Psychologe und Leiter der Fachstelle für psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland sieht das Problem an einer anderen Stelle. Denn es würden auch Jugendliche in der IV landen, die theoretisch in die Arbeitswelt integriert werden könnten. Der Grund: Man traue Jugendlichen heute weniger zu als früher. «Die Ärzte sind pessimistischer als vor 15 Jahren, wenn es darum geht, wie arbeitsfähig der Patient wirklich ist.»

Verhaltensauffällige Jugendliche würden laut Baer heute auch seltener eine Arbeit in einer Firma bekommen. Früher sei das anderes gewesen, da sie mehr toleriert wurden. Heute wird viel Wert auf eine Ausbildung gelegt und auch die Anforderungen sind höher als noch vor 15 Jahren. Jugendliche ohne Ausbildung und bestimmte Sozialkompetenzen hätten schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, so Baer.

Psychische Krankheiten früh erkennen und beheben

Harald Sohns vom Bundesamt für Sozialversicherungen erklärt, dass viele junge Leute, die IV-Leistungen bezögen, schon als Schüler psychische Probleme gehabt hätten. «Würden sie als Schüler und vor allem nach dem Verlassen der Volksschule gezielt unterstützt, könnten viele IV-Fälle vermieden werden.» Dass all die jungen Menschen heute IV-Rente bezögen, liege seiner Meinung nach nur daran, dass man ihnen nicht schon früher geholfen habe, die psychischen Probleme zu beheben.

Auch wenn sich die Erklärungsversuche unterscheiden, sind sich alle darin einig, dass ein weiterer Anstieg vermieden werden muss. «Alle müssen am gleichen Strang ziehen», sagt Sohns im Einklang mit der OECD. Gemeint sind nicht nur IV-Stellen, sondern auch Ausbildungsstätten, Ärzte und Arbeitgeber.


 

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