Jobsharing: Karriere und Familie besser vereint?

Heute müssen sich viele Männer und Frauen entscheiden, ob Sie Karriere oder Familie hinten anstehen lassen. Doch mit Hilfe des Arbeitsmodells Jobsharing soll keiner der beiden Bereiche mehr vernachlässig werden.

Jobsharing: Karriere und Familie besser vereint?

Jobsharing könnte sich vor allem für Eltern rentieren. Foto: iStock, moneybusinessimage, Thinkstock

In der Schweiz gibt es viele Menschen, die, wenn sie könnten, Teilzeit arbeiten würden. Doch Teilzeitstellen zu finden ist bisher vor allem in Branchen wie der Industrie, im Baugewerbe oder auch in Kaderpositionen sehr schwer. Am vergangenen Freitag stellte der Verein Part Time Optimisation (PTO) eine Studie zu dem Arbeitsmodell vor, das Arbeitnehmern ermöglichen solle, Karriere und Familie besser unter einen Hut zu bringen: Jobsharing. Hierbei handelt es sich um eine Vollzeitstelle, für die sich zwei oder mehr Mitarbeiter die Verantwortung teilen. «Im Gegensatz zu herkömmlichen Teilzeitstellen entsteht so in einem Betrieb fast nie die Situation, dass die zuständige Person an einem Tag nicht da ist – die Stelle ist zu 100 Prozent besetzt», erklärt Irenka Krone-Germann, Co-Direktorin des PTO gestern gegenüber 20 Minuten.

Zur Jobsharing-Studie

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz erstellte der Verein PTO eine umfassende Erhebung zum Stellenteilen in der Schweiz. Dafür wurden im November und Dezember 2013 384 Arbeitsstätten mit insgesamt 180'000 Angestellten befragt. Das Ergebnis: Bei etwa 27 Prozent der Arbeitgeber in der Schweiz sei Jobsharing möglich. Der Rest biete diese Möglichkeit aus verschiedenen Gründen noch nicht an. Auf der Website des PTO finden Sie einen Jobsharing-Ratgeber mit Tipps für Arbeitnehmer und –geber.

 

Jobsharing: Vor allem Eltern könnten profitieren

In Zukunft könnten neben jungen Menschen, Kaderleuten und älteren Arbeitnehmern insbesondere Eltern vom Arbeitsmodell Jobsharing profitieren, erklärt Krone-Germann weiter. Bereits heute arbeiten 58 Prozent der Schweizer Frauen Teilzeit. Die meisten reduzieren das Arbeitspensum, nachdem sie Kinder bekommen haben und können deswegen oft keine Schlüsselposition besetzen. «Vor allem gut ausgebildete Frauen können so nach der Geburt ihrer Kinder besser in den Beruf zurückgeholt werden», bestätigt auch Roland A. Müller, Direktor des Arbeitgeberverbands. Auch viele Väter wollen weniger arbeiten, um mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Doch bislang überwog die Furcht davor, deswegen Einbüssungen im Hinblick auf die Karriere machen zu müssen. Das Jobsharing-Modell wäre laut Befürworterin Krone-Germann ideal für Eltern.

Jobsharing ist nicht für jedermann geeignet

Doch Müller gibt zu bedenken, dass das Modell nicht in jedem Unternehmen sinnvoll anwendbar sei. «Es lohnt sich nicht, eine Stelle zu teilen, wenn die Übergabe zwischen den beiden Partnern zu kompliziert wird.» Zudem sei das Jobsharing-Modell insgesamt teurer als die Vollzeitbeschäftigung eines Mitarbeiters, sagt er weiter. Auch Krone-Germann glaubt, dass Jobsharing nicht für jedermann geeignet sei, denn man müsse fähig sein, Macht und Erfolg zu teilen. Wenn das gegeben ist, glaubt sie, könnten selbst Bankchefs Jobsharing betreiben. Doch bevor sich das Modell durchsetzen könne, und darin sind sich beide Seiten einig, müsste das Thema erst einmal öffentlich diskutiert werden. Denn es brauche eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz, damit die Bereitschaft zum Jobteilen überhaupt da ist, sagt Müller. Dazu müssten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer besser über die Vor- und Nachteile von Jobsharing informiert werden.

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