Der Ansturm auf den neuen Trisomie Test blieb aus

Die Einführung des umstrittenen Trisomie-21-Tests bei Schwangeren im Sommer 2012 setzte eine hitzige Ethik-Debatte in Gang. Gut ein halbes Jahr nach der Einführung bleibt der Ansturm auf den Trisomie Test aber immer noch aus, obwohl sich in verschiedenen Spitälern auch Frauen testen lassen können, die nicht zur Risikogruppe gehören.

Trisomie Test: Der Ansturm auf den Praenatest blieb aus.

Der Ansturm auf den neuen Trisomie Test blieb aus. Foto: iStockphoto, Thinkstock.

Es ist nicht neu, dass Schwangere im Rahmen einer Vorsorge-Untersuchung die Wahrscheinlichkeit ermitteln, ob das Ungeborene Trisomie 21, das Down-Syndrom, hat. Ein Erst-Trimester-Screening, bei dem unter anderen mittels Ultraschall die Nackenfalte des Ungeborenen gemessen wird, liefert erste Daten über das Risiko. Neu ist nur, dass bei einem erhöhten Risiko nach dem Erst-Trimester-Screening der Praenatest, ein risikofreier Bluttest, durchgeführt werden kann. Bisher wurde die Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21 über eine Fruchtwasserpunktion ermittelt. Diese kann jedoch eine Fehlgeburt zur Folge haben. «Mit dem Praenatest verhindern wir, dass zu viele unnötige Fruchtwasserpunktionen durchgeführt werden», sagte Tilo Burkhardt vom Universitätsspital Zürich heute gegenüber dem Tages-Anzeiger. «Wir gefährden weniger gesunde Kinder.»

Zürich führt am meisten Trisomie Tests durch

Eine Umfrage des Tages-Anzeigers bei verschiedenen Spitälern in der Schweiz zeigt, dass der Ansturm auf den Trisomie Test ausblieb. Die Umfrage fand in den Universitätsspitälern in Basel, Bern und Zürich sowie in den Kantonsspitälern Luzern und St. Gallen statt. Im Berner Inselspital wurden innert sechs Monaten rund 50 Tests durchgeführt, im Universitätsspital Basel lediglich 32. In Luzern wurden elf Tests durchgeführt, in St. Gallen, wo er seit Oktober angeboten wird, bisher nur zwei. Einzig in Zürich ist die Zahl mit 130 Trisomie Tests etwas höher, liegt aber trotzdem hinter den Erwartungen. «Die Befürchtungen der Gegner haben sich nicht bestätigt», sagte Tilo Burkhardt, Oberarzt an der Klinik für Geburtshilfe in Zürich.

Seit der Einführung des Praenatests, seien die Fruchtwasserpunktionen in den drei Unispitälern etwas zurückgegangen. Die Fruchtwassertests werden aber immer noch durchgeführt, nämlich dann, wenn der Praenatest positiv ausfällt. Schwangeren wird in diesem Fall empfohlen, den Fruchtwassertest zur Absicherung des Resultates durchzuführen.

Nicht alle Schwangeren dürfen den Trisomie Test durchführen lassen

Den Praenatest empfiehlt die SGGG, die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, nur Schwangeren, denen im Erst-Trimester-Screening ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 attestiert wurde. Das Inselspital Bern und die Kantonsspital Luzern orientieren sich an dieser Empfehlung.

Welche Frauen den Trisomie Test durchführen lassen dürfen, hängt vom Spital ab. An den Universitätsspitälern Basel und Zürich sowie am Kantonsspital St. Gallen dürfen sich alle schwangeren Frauen testen lassen. Tilo Burkhardt, Oberarzt an der Klinik für Geburtshilfe in Zürich, sagte gegenüber dem Tages-Anzeiger, dass sie allen ihren Patientinnen diesen Test anbieten wollen. Er ergänzt, dass es sowieso falsch sei, zu glauben, ein positives Ergebnis führe in jedem Fall zu einer Abtreibung. «Es gibt auch Frauen, die die Diagnose schlicht wissen und sich auf ein Leben mit einem Down-Syndrom-Kind vorbereiten wollen.»

 

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