Ausserfamiliäre Kinderbetreuung darf kein Stressfaktor sein

Die Bindungen, welche ein Kind in den ersten drei Lebensjahren eingeht, prägen seine Entwicklung entscheidend. Ausserfamiliäre Kinderbetreuung kann laut Studien jedoch zu Stress bei Kindern führen. Heute berichtete die NZZ, wie dieser Stress zu vermeiden ist und wie eine Betreuung im Sinne des Kindes aussieht.

Ausserfamiliäre Kinderbetreuung sollte keinen Stress auslösen

Viele Eltern geben ihre Kinder in ausserfamiliäre Kinderbetreuung. Um Stress beim Kind zu vermeiden, sollte dabei einiges beachtet werden. Foto: iStockphoto - Thinkstock

Da es in der Schweiz keine gesetzliche Elternzeit gibt, geben viele Eltern ihre Kinder bereits in den ersten drei Jahren in Fremdbetreuung. Diese wird jedoch zunehmend kritisiert: Verschiedene Studien kamen zum Ergebnis, dass ausserfamiliäre Kinderbetreuung den Wert des Stresshormons Cortisol bei Kindern erhöhen kann.

Wie gross die Herausforderung für ein Kind ausfällt, kann laut Guy Bodenmann vom Psychologischen Institut an der Universität Zürich jedoch nicht allgemein gesagt werden. Stress könne von verschiedenen Faktoren wie der Anzahl der Betreuungsstunden pro Tag, der Gesamtdauer pro Woche, der Qualität der Einrichtung, dem Betreuungsverhältnis, der Persönlichkeit des Kindes und der familiären Beziehung abhängen, erklärte er der NZZ. Doch wie können Eltern vermeiden, dass Bezugspersonen ausserhalb der Familie zum Stressfaktor werden?

Nicht mehr als 30 Betreuungsstunden pro Woche

Eine Studie aus den USA begleitete 1'000 Kinder vom Betreuungsbeginn seit Anfang der neunziger Jahre bis ins Teenageralter. Verhaltensauffällig zeigten sich diejenigen Kinder, die im ersten Lebensjahr mehr als 30 Stunden ausserhalb der Familie betreut wurden. Je nach der familiären Situation können laut Serge Brand, Depressions- und Schlafforscher der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel, auch bei weniger Betreuungsstunden Verhaltensauffälligkeiten auftreten. Die Krippe könne eindeutig ein drückender Faktor sein, wenn es nicht genügend unbelastete Stunden zwischen Eltern und Kind gebe. Stimmt das Verhältnis in der Familie, ist ein Kind auch bei fremden Betreuungspersonen weniger gestresst.

Einfühlsame Bezugspersonen wichtig

Beziehungen, welche ein Kind in den ersten drei Jahren seines Lebens macht, sind entscheidend und prägen seine Persönlichkeit. Da das Kind auf dieser Entwicklungsstufe nur zu drei oder vier Personen eine tragfähige Bindung aufbauen kann, sind einfühlsame Bezugspersonen besonders wichtig. Mütter sind meist die wichtigsten Bezugspersonen, da ein Kind bereits im Mutterleib den Tagesrhythmus und die psychologischen Eigenheiten seiner Mutter miterlebt. Die Experten sind sich einig, dass eine ausserfamiliäre Bezugsperson mit Bedacht gewählt werden sollte. Professionell ausgebildete Fachkräfte haben die Fähigkeit, die Innenwelt der Kinder zu lesen und entsprechend darauf zu reagieren. Strikte Fronten zwischen familiärer und ausserfamiliärer Kinderbetreuung sollten vermieden werden: Liselotte Ahnert vom Institut für Angewandte Psychologie an der Universität Wien fand heraus, dass die Cortisolwerte von Krippenkindern geringer waren, wenn die Mutter während der ersten Tage im Gruppenraum anwesend war.

Wie wird Ihr Kind betreut und worauf haben Sie bei der Suche nach einer Betreuungsperson geachtet? Schreiben Sie einen Kommentar!

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