Schweizer Kinderkrippen sind nur Mittelmass

Erstmals untersuchte eine Studie mittels international anerkannter Bewertungsskala die Qualität von Schweizer Kinderkrippen. Die Resultate sind enttäuschend: Keine Kinderkrippe erhielt das Qualitätsurteil gut oder besser. Durch den schnellen Ausbau von Krippenplätzen wurden pädagogische Konzepte und Qualitätsstandards offenbar bislang vernachlässigt.

Kinderkrippen fehlt es an gut ausgebildeten Personal

Vielen Kinderkrippen mangelt es an professionellem Personal und pädagogischen Konzept. © Diego Cervo - fotolia.com

Das Marie-Meierhofer-Institut für das Kind hat 38 Deutschschweizer Kinderkrippen hinsichtlich Qualität und Professionalisierung des Betreuungsangebots untersucht. Wie der Tages Anzeiger berichtet, sind die Ergebnisse der Studie allerdings viel schlechter als erwartet: Von 74 untersuchten Gruppen in den Kinderkrippen erhielt keine eine gute Abschlussbewertung. 54 Kinderkrippen-Gruppen gelten nach dem Masstab der international anerkannten Krips-Skala als mittelmässig, 20 Gruppen erhielten lediglich die Bewertung ausreichend.

Trotz des unbestrittenen pädagogischen Nachholbedarfs der Kinderkrippen, weist die Freiburger Professorin und Bildungsforscherin Margrit Stamm darauf hin, dass es fraglich sei, ob die Krips-Skala tasächlich messe, was sie messen solle. Der Blick zum Nachbarn zeigt, auch deutsche Kinderkrippen erhalten regelmässig nur durchschnittliche Bewertungen durch die von amerikanischen Kollegen entwickelte Qualitätsskala. Verschiedene pädagogische Konzepte in den USA und Europa könnten deshalb durchaus grossen Einfluss auf die schlechte Bewertung hierzulande haben.

Beispielsweise gelte es nach der amerikanischen Qualitätsskala schon als eine insgesamt «unzureichende» Hygiene, wenn nicht jedes Kind ein eigenes Handtuch zu Verfügung habe. Auch befürworten die amerikanischen Pädagogen eine 24h-Direktaufsicht der Kinder, während die Schweizer es für durchaus sinnvoll erachten, wenn Kinder sich auch mal alleine in einem Raum beschäftigen dürfen.

Trotz allgemeiner Zweifel an der Übertragbarkeit des amerikanischen Qualitätsmessers, konnten wichtige Erkenntnisse aus der Studie gewonnen werden. So sei die Annahme bestätigt worden, dass es vor allem hinsichtlich der pädagogischen Qualität zwischen den Krippen riesige Unterschiede gäbe. Die grossen Qualitätsunterschiede sind vermutlich eine Folge des zu späten und übereilten Ausbaus von Krippen- und Kitaplätzen in der Schweiz. So sagt beispielsweise die Geschäftsführerin des Krippenverbandes Kitas, Talin Stoffel, im Tagesspiegel: «Jahrelang ging es vor allem darum, genügend Plätze zu schaffen. Die pädagogische Qualität stand unter diesem Druck zu wenig im Fokus.»

Zudem diagnostizierte die Untersuchung einen Mangel an gut ausgebildetem Personal wie insgesamt fehlenden gesetzlichen Qualitätsstandards. Insofern sei es für Eltern unmöglich gute von schlechten Krippen zu unterscheiden. Derzeit arbeitet die Universität Freiburg an einem Leitfaden für Eltern sowie einem Qualitätslabel für Krippen und Kitas.

Quelle: Tages Anzeiger

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