Kindesmisshandlung: Jedes fünfte Opfer ist unter einem Jahr alt

Jedes fünfte misshandelte Kind in der Schweiz war letztes Jahr unter zwölf Monaten alt. Insgesamt verzeichneten Schweizer Kinderspitäler 1136 Fälle von Kindsmisshandlung, in 240 Fällen waren die Kinder nicht älter als 12 Monate. Täter sind am häufigsten die Eltern.

Kindesmisshandlung in der Schweiz: Immer noch 1136 Fälle in 2012

Im Jahr 2012 meldeten Schweizer Kinderspitäler 1136 Fälle von Kindesmisshandlung. Ein Grossteil der Opfer war unter einem Jahr alt. Bild: iStockphoto, Thinkstock.

Die Zahl der misshandelten Kinder ist laut der Erhebung von 18 Schweizer Kinderspitälern auf dem gleichen Niveau wie 2011 geblieben. Wie die Fachgruppe Kinderschutz der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie kürzlich bekannt gab, sind die Hälfte der misshandelten Kinder unter sechs Jahren alt. Mit einem Anteil von 53 Prozent sind etwas mehr Mädchen von Kindesmissbrauch betroffen als Jungen.

Während die Anzahl der Kinder, die körperlich misshandelt oder vernachlässigt wurden gleich blieb, gingen die Fälle psychischer Misshandlung im Vergleich zu 2011 zurück. Auch die Fälle von sexuellem Missbrauch sanken: Die 243 Meldungen im Jahr 2012 entsprechen einem Rückgang von 16 Prozent. Hier sind zu 80 Prozent Mädchen die Opfer, Täter sind zu 90 Prozent Männer. Frauen sind als Täterinnen nur bei den Vernachlässigungen in der Mehrheit. Bis auf 19 Fällen stammen alle Täter aus der Familie oder dem Bekanntenkreis der Kinder.

Die Fachgruppe beklagt aber auch, dass die Zahl der registrierten Kinderschutzfälle «unverändert hoch» bleibt. Gerade die kleinsten Kinder, die am meisten Fürsorge benötigen, seien den verschiedenen Formen von Gewalt am stärksten ausgesetzt. Nur 18 Prozent der Täter wurden strafrechtlich belangt, allerdings wurden bei rund der Hälfte der 1136 Fälle vormundschaftliche Massnahmen eingeleitet.

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