Lehrplan 21: Fordert er zu viel?

Vor kurzem wurde der Lehrplan 21 zur Konsultation freigegeben. Nun haben bereits erste Lehrerverbände Stellung bezogen. Die Reaktionen zeigen klar, dass der Lehrplan überarbeitet werden muss. Zu viel Stoff, zu hohe Kosten und zu grosse Anforderungen – nur das obere Drittel der Schüler könne diese Ansprüche bewältigen.

Lehrplan 21: Reaktionen und Kritik

Für viele Schüler werden die Ansprüche des Lehplans 21 zu hoch sein. Foto: Fuse, Thinkstock

Der Lehrplan 21 bleibt hinter den Erwartungen zurück, darin sind sich Lehrerverbände einig. Besonders mit der Menge und dem Schwierigkeitsgrad des Stoffs sind viele unzufrieden, wie der Tagesanzeiger heute berichtete. «Der Lehrplan stellt eine Überforderung für viele Kinder und Jugendliche dar», erklärt der Aargauer Lehrerverband.

Lehrplan 21: Überforderung vorprogrammiert

Der Lehrplan 21 orientiert sich an verschiedenen Kompetenzen, die im Unterricht vermittelt und dann aktiv von den Schülern angewendet werden sollen. Solche Kompetenzen wären zum Beispiel «bedeutsame Kerngedanken eines Gedichts erkennen» oder «einen Überblick zur Geschichte von Beginn der Neuzeit bis heute entwickeln».

Dabei gehören aber zu viele und zu hohe Kompetenzen zu den Grundanforderungen. Das zeigt beispielsweise das Fach Geschichte: Laut Tagesanzeiger sollten die siebten und neunten Klassen nach dem Lehrplan 21 innerhalb von 200 Lektionen rund 40 Kompetenzen erlangen. Für jede Kompetenz, könnte man also maximal fünf Lektionen aufwenden - für Lehrer wie Schüler ein Stress!

Was ist der Lehrplan 21?

Mit dem Lehrplan 21 erarbeiten alle 21 Erziehungsdirektionen der deutschsprachigen Kantone einen gemeinsamen und einheitlichen Lehrplan für die Volksschule. Der Lehrplan soll voraussichtlich im Herbst 2014 lanciert werden.

 

Und was passiert mit jenen, die nicht mithalten können? «Weder der Lehrplan noch die Bildungsdirektion geben darauf eine Antwort», sagt Franziska Schwab vom Berner Lehrerverband. Für lernschwache Schüler seien manche Anforderungen des Lehrplans 21 kaum zu erfüllen und für Kinder mit Migrationshintergrund seien gerade die hohen Ansprüche im Fach Deutsch schwierig zu bewältigen.

Anspruchsvolle Bewertung im Lehrplan 21

Die vorgesehene Bewertung der einzelnen Kompetenzen im Lehrplan 21 stellt vor allem für die Lehrer eine Herausforderung dar. Denn auch Themen wie die eigene Haltung bei Menschenrechten, Freundschaft und das Verhalten in Konfliktsituationen gehören dazu. Diese zu bewerten sei heikel und auch schwierig. Laut Jürg Brühlmann vom Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer sollten diese wichtigen Themen sicher in der Schule thematisiert werden, allerdings ohne nachträgliche Bewertung.

Lehrplan 21: Wie geht’s weiter?

Bis Ende Jahr dauert die öffentliche Konsultation des Lehrplans 21 an. Die Lehrerverbände lassen im November eine gemeinsame Stellungnahme verlauten, bevor der Lehrplan zurück in Bearbeitung an die Deutsche Erziehungsdirektorenkonferenz geht.

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