Mediennutzung: WhatsApp und Facebook bei Jugendlichen angesagt

Smartphones mit Apps für soziale Netzwerke werden von Schweizer Jugendlichen rege genutzt. Dabei ist WhatsApp die beliebteste App, noch vor Facebook. Die ständige Präsenz der Freunde durch das Handy verdrängt den Einfluss der Eltern und wirft Erziehungsfragen auf.

Mediennutzung: Ohne Handy geht es bei Jugendlichen nicht mehr

Mediennutzung bei Jugendlichen: Das Handy steht bei jungen Menschen klar auf Platz 1. Am meisten nutzen sie damit den Instant-Messenger WhatsApp und Facebook. Bild: iStockphoto, Thinkstock.

90 Prozent der Deutschschweizer Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren besitzen mittlerweise ein Smartphone. Wie eine Studie über die Mediennutzung von Jugendlichen der Agentur «jim&jim» belegt, sind das im Gegensatz zu 2011 36 Prozent mehr. Insgesamt wurden 1'500 junge Menschen befragt, wie der Tages Anzeiger gestern berichtete. Deutlich wurde, dass die Jugendlichen vor allem mit dem Smartphone ins Internet gehen (45 Prozent). Dahinter rangieren der Laptop, den noch ein Drittel nutzt, der Desktopcomputer mit 16 Prozent und das Tablet, das nur vier Prozent der Jugendlichen nutzen, um im Internet zu surfen. Es gibt aber starke Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Die über 20-Jährigen und Studierende surfen deutlich mehr mit dem Laptop im Internet als mit dem Smartphone.

WhatsApp dominiert den Alltag der Jugendlichen

Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, den Instantmessagingdienst WhatsApp auf ihrem Handy zu nutzen. Diese App hat der SMS deutlich den Rang abgelaufen und hält die gleichaltrigen Freunde, die sogenannte Peer-Group, immer auf dem Laufenden. «Durch die ständige Verfügbarkeit von WhatsApp steigt der Einfluss der Peer-Group», meint Daniel Süss, Medienpsychologe der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gestern gegenüber 20 Minuten Online. Durch die ständige Präsenz der eigenen Kameraden sei es für die Jugendlichen heute dafür viel einfacher, sich vom unmittelbaren Umfeld abzugrenzen, sei es am Esstisch oder unterwegs.

Viele Schweizer Eltern sind aufgrund der ständigen Smartphone-Nutzung ihrer Kinder genervt und besorgt. Daniela Melone von Pro Juventute bestätigt, dass sich Eltern zunehmend wegen Fragen im Umgang mit neuen Medien wie Facebook, Handygebrauch, Chatten – und neu auch WhatsApp bei der Beratung des Elternclubs melden würden. Der ständige Kontakt mit der Peer Group könne laut der Meinung von Daniela Melone den Druck auf die Jugendlichen erhöhen, weil diese überall dabei sein wollten.

Dauerpräsenz hat auch positive Effekte

Eine Studie der Universität Zürich zum Einfluss von Peer Groups beim Berufseinstieg zeigt allerdings die positiven Effekte der Dauerpräsenz: «Wir konnten zeigen, dass Jugendliche in Peer-Groups beispielsweise einfacher über persönliche Probleme sprechen können als mit ihren Eltern», bestätigt Soziologin Emanuela Chiapparini. Dies helfe ihnen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und den Alltag zu bewältigen.

Facebook bleibt beliebt

Weitere Ergebnisse der «jim&jim»-Befragung zeigen, dass die zweitbeliebteste App Facebook ist. «Entgegen der gängigen Meinung, dass Jugendliche Facebook den Rücken kehren, ist das soziale Netzwerk auch dieses Jahr weiter auf dem Vormarsch», so die Autoren der Studie zur Mediennutzung. Trotzdem sind die Jugendlichen misstrauischer gegenüber dem sozialen Netzwerk: Aufgrund von Abhängigkeitsgefühlen, Ablenkung und banalen Inhalten haben 74 Prozent schon mal darüber nachgedacht, sich von Facebook abzumelden. Viele waren auch nicht mehr damit einverstanden, alles offen über das Netzwerk zu teilen.

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