Nationalrat fordert mehr Schutz für Kinder vor Porno-Pop-Ups

Sie ploppen plötzlich auf, wenn man arglos im Internet surft, und können vor allem auf Kinder verstörend wirken. Die Rede ist von sogenannte Porno-Pop-Ups. Um Kinder vor diesen obszönen Darstellungen zu schützen, verlangt der Nationalrat ein Qualitätslabel für Websites. Doch Medienministerin Leuthard sieht keinen Sinn in dieser Massnahme.

Mehr Schutz für Kinder vor Porno-Pop-Ups

Wie können Kinder besser vor plötzlich erscheindenen Porno-Pop-Ups geschützt werden? Der Nationalrat setzt auf ein Qualitätslabel. Foto: iStock, Thinkstock

Porno-Pop-Ups erscheinen immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Sie sind lästig und nehmen keine Rücksicht auf das Alter des Surfenden. So ist es nicht ausgeschlossen, dass Kinder beim Surfen im Internet ebenfalls auf die sexuellen Darstellungen stossen.

Laut Motionärin Viola Amherd (CVP/VS) zeige eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie, die in 33 europäischen Ländern durchgeführt würde, dass bereits jedes fünfte Kind zwischen neun und 16 Jahren mit sexuellen Darstellungen auf Webseiten in Berührung  gekommen sei. 60 Prozent der Kinder bekämen die obszönen Porno-Pop-Ups in Form von Werbung zu sehen. Der Studie zu Folge blieben Computerschutzvorrichtungen dabei weitestgehend wirkungslos. Nach Amherd liegt dies daran, dass Kinder das Internet nicht nur am heimischen Computer nutzten, sondern an mehreren Orten oder via Smartphone.

Um Kinder besser vor Porno-Pop-Ups zu schützen, fordert der Nationalrat, dass sich Webseiten-Betreiber freiwillig dazu verpflichten, ihre Seiten kinder- und jugendfreundlich zu gestalten, wie 20min.ch heute berichtete.

Qualitätslabel soll Kinder besser schützen

Eine entsprechende Massnahme gab es laut 20min.ch bereits vergangenen Donnerstag, als sich der Nationalrat mit 106 zu 80 Stimmen für das Qualitätssiegel aussprach. Der Nationalrat wünscht sich, dass der Bund dieses Vorhaben unterstützt. Die Genehmigung des Reglements und des Zertifzierungsprozesses obliege dem Staat, während das Label von den Branchen angewandt und reguliert werden müsse.

Gegenwind seitens der Medienministerin

Auch wenn der Grund für die Einführung eines Qualitätslabels für Seiten ohne sexuelle Darstellungen nachvollziehbar ist, spricht sich Medienministerin Doris Leuthard gegen die Massnahme aus. Ihrer Ansicht nach scheitere es an der Umsetzung, denn die meisten Websitenanbieter und Social-Media-Betreiber befinden sich im Ausland. Die Schweizer Gesetzgebung sei für sie irrelevant. In ihrem neuen Bericht «Rechtliche Basis für Social Media», der in den kommenden Wochen erscheinen soll, will die Medienministerin mögliche Lösungen für das Umsetzungsproblem vorschlagen.

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