Ohne Nachhilfe kein Erfolg in der Schule?

Jeder fünfte Acht- und Neuntklässler nimmt regelmässig Nachhilfeunterricht. Dies nicht nur, um gezielt auf eine Prüfung zu lernen, sondern um sein Image als guter Schüler zu verbessern. Wer regelmässig gute Noten liefert, hat bessere Chancen, für eine weiterführende Schule empfohlen zu werden.

Der Besuch von Nachhilfe-Unterricht ist häufig.

Viele erhoffen sich von Nachhilfeunterricht bessere Noten. Foto:Stockbyte, Thinkstock

Zu diesen überraschenden Resultaten kommt eine Studie der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF), wie der Tages-Anzeiger heute berichtete. Viele Kinder gehen über Jahre regelmässig in den Nachhilfe-Unterricht. Dreissig Prozent der befragten Acht- und Neuntklässler, die regelmässig in den Nachhilfe-Unterricht gehen, tun dies seit der fünften Klasse. Beat Zemp, der Präsident des Lehrerverbandes ist der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, wenn Kinder über längere Zeit regelmässig in die Nachhilfe gehen. Kinder, die nur durch diese Unterstützung von aussen eine höhere Bildungsstufe erreichen, können später in Beruf und Studium überfordert sein. Wer nur über Nachhilfe weiter kommt, hat möglicherweise das Potential für die höhere Bildungsstufe nicht. Stress und Überforderung in der Ausbildung können die Folge sein.

Ein Grund, wieso so viele der Schüler sich regelmässig ausserhalb der Schule Unterstützung holen müssen, sieht  er in den grossen Klassen und den grossen Pensen der Lehrer und Lehrerinnen. Diese haben oftmals zu wenig Zeit, während des Unterrichtes auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler einzugehen. Deshalb versuchen viele Eltern den Lernerfolg des eigenen Kindes zu verbessern, indem sie bezahlten Nachhilfeunterricht organisieren.

Französisch büffeln fällt mit Unterstützung leichter

Besonders oft wird Unterstützung in den oftmals ungeliebten Fremdsprachen und der Mathematik geholt. Die Noten in diesen Fächern entscheiden über die Empfehlung für eine Mittelschule. Viele Kinder aus gebildeten Familien werden in den Nachhilfe-Unterricht geschickt. In den Kantonen, in denen nicht viele Kinder ins Gymnasium gehen, werden besonders viele in den Nachhilfeunterricht geschickt. Der Direktor der SKBF Stefan Wolter spricht denn auch von einem «Trend in Richtung Verschaffung eines individuellen Wettbewerbsvorteils.» Es besteht die Befürchtung, dass nicht alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildungserfolg haben. Beat Zemp meint dazu: «Die Chancengleichheit war noch nie voll gewährleistet.» Es könne jedoch auf keinen Fall dazu kommen, dass nur noch Kinder, die in den Nachhilfeunterricht gehen, erfolgreich durch die Schulzeit gehen.

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