Mundart im «Chindsgi»: Deutsche Kindergärtnerinnen bangen

Das Zürcher Stimmvolk beschloss im vergangenen Mai, dass per Schuljahr 2012/13 nur noch «Schwiizerdütsch» im Kindergarten gesprochen werden soll. Jetzt, wo die Umsetzung konkret geplant wird, bangen deutsche Kindergärtnerinnen um ihren Arbeitsplatz.

Mundartgesetz: Was ist mit den Deutschen?

Das Mundartgesetz lässt deutsche Kindergärtnerinnen zittern. Foto: © BlueOrange Studio - Fotolia.com

Auf 53,9 Prozent der Wahlzettel im Kanton Zürich stand im vergangenen Mai ein JA zur Mundart-Initiative. Das bedeutet für den bevölkerungsreichen und multikulturellen Kanton, dass künftig im «Chindsgi» kein Hochdeutsch mehr gesprochen werden darf. Nur für vereinzelte Lieder oder Rollenspiele dürfe Schriftdeutsch noch zum Zuge kommen, berichtete 20 Minuten gestern. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund sollen Schweizerdeutsch möglichst früh lernen, damit deren Integration unproblematisch erfolgen könne, so die Begründung der Befürworter.

Für die rund 20 Kindergärtnerinnen aus dem Nachbarland Deutschland könnte dies das Aus bedeuten. Und das nur, weil sie kein Schweizerdeutsch sprechen? Die Sprecherin des Schulamts der Stadt Zürich entwarnt im Gespräch mit 20 Minuten: «Vorab wird es keine Kündigungen aufgrund mangelnder Dialektkenntnisse geben.» Eine vage Beschwerde seitens der Eltern könnte aber schon für eine Entlassung sorgen, so die Ustermer Schulpräsidentin Sabine Wettstein. «Solange die Eltern aber nicht darauf bestehen, dass die beliebte Kindergärtnerin Dialekt spricht, bleibt alles wie gehabt.»

Bei bereits angestellten Erzieherinnen drücke man im Schuldepartement ein Auge zu, erklärt Alt-Kantonsrat Thomas Ziegler (EVP) auf Anfrage von 20 Minuten. «Künftig dürfen Kindergärtnerinnen ohne Mundartkenntnisse jedoch nicht mehr eingestellt werden.» Ein weiteres Hindernis des Mundartgesetzes sei die umfassende Kontrolle bei der Umsetzung. Ziegler habe schon von Stadtzürcher Kindergärtnerinnen gehört, die aus Rücksicht auf Ausländerkinder weiterhin die hochdeutsche Sprache anwenden wollen. «Das ist eine Missachtung des Volkswillens», sagt er. Dass ausnahmslos alle ErzieherInnen zur Einhaltung der Mundartpflicht verpflichtet seien, habe man kantonsintern klar kommuniziert. «Wir werden allerdings nicht in jedem Kindergarten mithören können.»

«Mundart-Chindsgi» in den anderen Kantonen

Eine ähnliche Initiative scheiterte in Basel-Stadt nur knapp. Im Stadtkanton dürfen immer noch beide Sprachen rege genutzt werden. Im Kanton Luzern engagiert sich die Junge SVP für die Einführung des Mundartgesetzes. Die Direktive, mehr als die Hälfte des Unterrichts im Kindergarten auf Hochdeutsch zu halten, soll damit abgeschafft werden. Auch im Kanton Bern und Solothurn setzt sich die SVP für ein Hochdeutschverbot ein. Die beiden Mittellandkantone halten jedoch an ihren sprachquotenfreien Unterrichtsplänen fest. Der spielerische Umgang mit der hochdeutschen Sprache sei eine optimale Vorbereitung auf die Primarschule, so die Gegner der Initiativen.

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