Internetsucht macht junge Erwachsene zu Straftätern

Waren es in den 90ern vor allem Drogensüchtige, mit denen das Jugendmassnahmezentrum Arxhof im Baselbiet konfrontiert wurden, gibt es heute eine neue Gruppe von Delinquenten: junge Erwachsene mit einer verhängnisvollen Internetsucht.

Internetsucht macht junge Erwachsene zu Straftätern

Für Internetsüchtige wird die virtuelle Welt zur Realität. Foto: AbleStock.com, Hemera Technologies, Thinkstock

Bei einer Internetsucht handelt es sich um eine extreme Abhängigkeit vom Internet. Betroffene verhalten sich dabei ähnlich wie Drogensüchtige, nur dass bei ihnen nicht der Konsum von Drogen zum Lebensinhalt wird, sondern der Konsum des World Wide Web. Internetsüchtige entwickeln ebenso wie Drogenabhängige eine innere Leere, schotten sich vom Rest der Welt ab, gehen nicht mehr zur Schule und pflegen keine sozialen Kontakte mehr. Für sie wird die virtuelle Welt zur Realität, so berichtet 20min gestern abend.

Internetsucht fördert kriminelles Potenzial

Als wäre der Realitätsentzug nicht schlimm genug, verleitet die Spielsucht (Online-Poker und ähnliches) von Internetsüchten diese oft dazu, kriminell zu werden. «Die Geldbeschaffung steht im Vordergrund», erklärt Renato Rossi, der abtretende Leiter des Arxhofs, gegenüber 20min. Weil sie sich im Netz verzocken, kommen sie zu realen Schulden, die sie mithilfe von Diebstählen im realen Leben und Internetbetrügereien zu kompensieren versuchen.

Auch die Gewaltbereitschaft von Betroffenen werde laut Rossi durch die Internetsucht gesteigert, vor allem dann, wenn Familienmitglieder versuchten, den Internetsüchtigen durch das Ausschalten des Computers zurück ins reale Leben zu holen. Rossi schildert einen besonders extremen Fall, in dem der Internetsüchtige seinen Onkel mit dem Messer attackierte, nachdem dieser den Stecker gezogen hatte. In diesem Fall konnte der Jugendstrafvollzug aber nicht mehr helfen, so dass der Jugendluche in eine forensische Klinik eingeliefert wurde.

Internetsucht: Therapie im Jugendstrafvollzug

Sprechen Eltern ein Internetverbot aus, wirkt dies wenig therapeutisch. Damit Kinder nicht Gefahr laufen der Internetsucht zu verfallen, sollten Eltern ihnen beibringen, das Internet sinnvoll zu nutzen. Leider verfügen viele Eltern nicht über die notwendige Medienkompetenz.

Um die Internetsucht zu behandeln, gibt es noch keine eigens dafür vorgesehene Institution. An zwei jungen Internetsüchtigen leistet daher der Arxhof nun Pioniersarbeit. «Wir beginnen uns zurzeit intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen», sagt Rossi. Die Behandlung von Internetsüchtigen lehnt dabei an der von Drogenabhängigen an. Denn die einen wie die anderen müssten lernen ihre innere Leere wieder auffüllen und ihre Zeit ohne ihr Suchtmittel zu gestalten. Auch an der sozialen Wiedereingliederung werde gearbeitet und die Betroffenen erhielten im Arxhof die Möglichkeit, eine Lehre zu machen, damit sie später ein normales Leben führen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter