Neues Alkoholgesetz gegen das nächtliche Komasaufen

Gestern sprach sich der Ständerat laut einem Bericht des SRF für die Revision des Alkoholgesetzes aus. Mit den neuen Bestimmungen soll das nächtliche Rauschtrinken bei Jugendlichen gestoppt werden. Künftig soll der Detailhandel schweizweit keinen Alkohol mehr zwischen 22 und 6 Uhr morgens verkaufen.

Der Ständerat ist für ein neues Alkoholgesetz.

Ginge es nach dem Bundes- und dem Ständerat dürften nach der Revision des Alkoholgesetzes Jugendliche nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr kaufen. Foto: Hemera, Thinkstock

Nach einer sechsstündigen Debatte einigten sich sowohl rechte als auch linke Vertreter im Ständerat mit 30 zu zehn Gegenstimmen auf das nächtliche Verkaufsverbot. Sie folgten damit in den wesentlichen Punkten dem Vorschlag des Bundesrates zum Alkoholgesetz. «Das Nachtregime ist richtig, wenn man es mit dem Jugendschutz ernst meint», meinte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und nannte die guten Erfahrungen der SBB in Genf, wo entsprechende Massnahmen bei den besonders betroffenen Bahnhöfen Erfolge zeigten, als Beispiel. Die Happy Hour ist aber weiterhin erlaubt und somit ein Zugeständnis zur Wirtschaftsfreiheit.

Der Ständerat sprach sich zudem über den Vorschlag des Bundesrates hinaus mit knapp 19 zu 18 Gegenstimmen für einen Mindestpreis für Alkohol aus. Dies soll vor allem der Suchtprävention dienen, da Jugendliche mit einem geringen Lehrlingsgehalt sich so weniger Alkohol ausserhalb der Gaststätten leisten könnten.

Vertreter des Ständerats befürchteten allerdings, dass Jugendliche ihren Alkohol einfach vorher kaufen und lagern werden. Als nächste Instanz muss nun der Nationalrat die geplante Totalrevision beraten.

Suchtpräventionsstellen zufrieden mit dem neuen Alkoholgesetz

Die Suchtpräventionsstellen freuen sich über die Entscheidung, da sich der Jugendschutz durch das neue Alkoholgesetz verbessern würde. Das nächtliche Verbot verhindere den Kauf von weiterem Alkohol, wenn Jugendliche schon angetrunken seien.

Die Kinder- und Jugendorganisation Pro Juventute sprach sich am Montag für eine Alkoholpolitik, die auf Jugendschutz und Kompetenzvermittlung beruht, aus. Jugendliche, Experten und Eltern müssten hier in Präventionsprogrammen zusammenarbeiten. «Der Umgang mit Alkohol ist für Jugendliche ein grosses Thema. Gerade in Cliquen, so genannten peer groups, wirkt diesbezüglich ein enormer sozialer Druck», sagte Urs Kiener, Kinder- und Jugendpsychologe und Leiter Produkte. Junge müssen den Umgang mit Alkohol lernen können, damit sie auch Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. «Die Eltern möchten ihre Kinder vor den negativen Auswirkungen von Alkohol zu bewahren und wissen dabei aber oft nicht, wie sie sich am besten verhalten sollen. Im schlimmsten Fall fördern Eltern mit kontraproduktiven Verboten den Alkoholkonsum ihrer Schützlinge», so Kiener weiter. Deshalb müssen zusammen mit den Jugendlichen passende Richtlinien vereinbart werden.

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