Das Spital Davos plant ein neues Babyfenster

Ein tot aufgefundener Säugling in Wimmis BE sorgte am vergangenen Montag für Aufregung. Nachdem am selben Tag auch im Babyfenster in Einsiedeln SZ ein Baby gefunden wurde, fordern Experten Massnahmen. Bald soll ein zweites Babyfenster in Davos entstehen.

Babyfenster Einsiedeln: Anlaufstelle für Mütter in Notsituationen

Das Babyfenster in Einsiedeln SZ (Symbolfoto) kommt gut an: Nach seinem Vorbild soll nun auch in Davos eine Anlaufstation für verzweifelte Mütter entstehen. Foto: Brebca - Fotolia.com

Am frühen Montagabend ertönte der Alarm des Babyfensters in Einsiedeln bereits zum siebten Mal seit dem Gründungsjahr 2001. Kurz zuvor hatte eine anonyme Mutter ihr schon im Januar geborenes Baby ins Bettchen hinter der Klappe gelegt. Das gesunde Mädchen bleibt vorläufig für Abklärungen im Spital und wird dann an eine Pflegefamilie weitergegeben. Für Aufregung sorgte auch ein Säugling, der am selben Tag tot auf der Mülldeponie in Wimmis aufgefunden wurde. Ob er schon tot zurückgelassen wurde oder auf der Mülldeponie starb, ist bisher ungeklärt. Experten sind sich einig: Es besteht dringend Handlungsbedarf!

Weitere Babyfenster in Planung

Dass das Babyfenster in Einsiedeln einen grossen Bekanntheitsgrad erreicht hat und gut ankommt, beweist eine 2011 im Auftrag der Stiftung «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK)» durchgeführte Meinungsumfrage. Das Fenster ist gut zwei Dritteln der Befragten ein Begriff und wird von 87 Prozent als sinnvoll beurteilt.

Der Wunsch nach weiteren Babyklappen stösst in Davos auf positives Echo: «Die Anfrage des Hilfswerk SHMK mit der Idee eines Babyfensters ist bei uns auf positives Echo gestossen», sagt Markus Hehli, Direktor des Spitals Davos, gegenüber 20 Minuten. Auch im Spital Zollikerberg ZH wird schon länger über eine Babyklappe diskutiert, eine Entscheidung steht aber noch aus.

Verhinderung von Kindstötung

Das Babyfenster in Einsiedeln ist als Hilfeangebot für Mütter in extremen Notsituationen bisher noch einmalig in der Schweiz. Das gemeinsame Projekt des Spitals Einsiedeln und der Stiftung «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK)» soll Kindstötung verhindern und Müttern in Not helfen.
Das System ist einfach: Drei Minuten nachdem die Mutter das Kind anonym in das Babyfenster gelegt und einen «Brief an die Mutter» an sich genommen hat, ertönt im Spital ein Alarm. Eine Hebamme wird  alarmiert und kümmert sich sofort um das ausgesetzte Baby. Nach gesundheitlichen Abklärungen wird es zuerst in eine Pflege-, später in eine Adoptivfamilie gegeben. Die Eltern des Babys haben bis zur erfolgten Adoption Gelegenheit, ihr Kind zurückzufordern und können weder verfolgt noch bestraft werden.

Wie beurteilen Sie das Babyfenster in Einsiedeln? Schreiben Sie einen Kommentar.

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