Präimplantationsdiagnostik: Ist die Selektion von Embryos bald legal?

Die Mehrheit der CVP stimmt nun doch der Untersuchung von künstlich befruchteten Embryonen zu. Dass die Präimplantationsdiagnostik bei der Abstimmung des Ständerats in der kommenden Woche durchkommt, ist daher wahrscheinlich.

Präimplantationsdiagnostik: Ist die Selektion von Emryonen bald legal?

Ist die Selektion von Emryonen bald auch in der Schweiz legal? Foto: iStock, shironosov, Thinkstock

Seit 1991 ist die Präimplantationsdiagnostik (PID) in der Schweiz verboten. Doch in letzter Zeit wird das Thema in den Medien stark diskutiert. Schon 2013 schlug der Bundesrat vor, die Präimplantationsdiagnostik bei genetisch vorbelasteten Paaren, deren Kinder von einer schweren Erbkrankheit betroffen sein könnten, zuzulassen. Auch die Mehrheit der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK) spricht sich für die Präimplantationsdiagnostik aus und sieht sie als Massnahme der Solidarität mit betroffenen Paaren an. Kommende Woche soll laut 20 Minuten der Ständerat nun darüber abstimmen, ob Untersuchungen an künstlich gezeugten Embryonen in der Schweiz erlaubt werden sollen oder nicht.

Präimplantationsdiagnostik (PID)

Das Verfahren gibt es seit 1990 und wurde ursprünglich nur in Einzelfällen angewandt. Heute werden mit der PID weltweit über 10'000 Kinder geboren. Bei der Präimplantationsdiagnostik werden künstlich befruchtete Embryonen vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter nach bestimmten Kriterien wie beispielsweise Erbkrankheiten untersucht.

 

Präimplantationsdiagnostik: Die Pro und Contra-Argumente

Das Thema ist ehtisch umstritten spaltet in zwei Lager: Gegner wie die konservativen CVP-Mitglieder bilden mittlerweile die Minderheit. Die CVP-Ständerätin Brigitte Häberli ist PID-Gegnerin und findet, dass nicht alles erlaubt werden sollte, was möglich ist. «Was machen wir mit diesen Embryos? Sind sie nur Material? Das sind hier die Grundsatzfragen», so Häberli gegenüber dem SRF. Auch FDP-Ständerat Hans Altherr lehnt die Methode ab. Ein Contra-Argument ist die Frage, wer entscheiden soll, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Präimplantationsdiagnostik-Kritiker befürchten zudem, dass das Aussortieren von Embryonen mit Erbkrankheiten nicht der letzte Schritt ist, denn in der Theorie sind der PID keine Grenzen gesetzt.

Peter Bieri, CVP-Ständerat und PID-Befürworter, hebt die Vorteile des Verfahrens hervor. Denn dank der Präimplantationsdiagnostik könne eine Abtreibung und damit auch die psychische wie physische Belastung bei Frauen, die wegen einer vorgeburtlichen Erbkrankheitsdiagnose ihr Kind abtreiben liessen, vermieden werden. Eine kleine Minderheit der CVP will sogar noch weitergehen und umfassendere Tests erlauben, so dass selbst Embryos mit Trisomie 21 im Labor aussortiert werden könnten. «Lieber eine Untersuchung im frühen Stadium als eine Abtreibung im dritten, vierten Monat», findet auch Bieri.

Da die Mehrheit der CVP-Fraktion für die Präimplantationsdiagnostik ist, liegt es nahe, dass der Ständerat diese in der kommenden Woche legalisiert.

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