Primarschüler: Der Zugang zum Internet ist kinderleicht

Wie oft surfen Ihre Kinder im Internet? Welche Seiten rufen sie auf, welchen Gefahren werden sie ausgesetzt? Viele Eltern wissen das nicht und kaufen ihren Kindern oft schon im Primarschulalter einen eigenen Computer. Das ergab eine Studie von «zischtig.ch».

Die meisten befragten Kinder haben keine feste Internet-Zeit.

Viele der befragten Kinder brauchen für die Internetnutzung keine Erlaubnis der Eltern.  Foto: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

620 Primarschüler im Kanton Zürich wurden von der Schweizer Präventionsstelle für neue Medien «zischtig.ch» zu ihrem Internetgebrauch befragt. Die Macher der Studie kamen auf eher alarmierende Ergebnisse, wie der Tages Anzeiger vor kurzem berichtete. Jedes vierte Kind in der ersten Primarschulklasse besitzt bereits einen eigenen Computer, vor dem es täglich sitzt. Für jeden dritten Drittklässler ist ein Computer im Kinderzimmer selbstverständlich, bei den Sechstklässlern sind es schon über die Hälfte.

Eltern mit höherer Bildung seien beim Kauf eines eigenen Rechners für ihre Kinder des öfteren skeptisch, in ärmeren Zürcher Familien werde beim Status Symbol «eigener Computer» öfters nachgegeben.

«Das Gift liegt in einer hohen Verfügbarkeit des Internets kombiniert mit einer eingeschränkten Betreuung der Kinder», stellt der Studienleiter Joachim Zahn im Gespräch mit dem Online-Portal des Tages Anzeigers fest. 62 Prozent der Erstklässler, die einen Computer besitzen, benutzen ihn nie unter Betreuung der Eltern. In Familien mit hohem sozioökonomischen Status darf nur ein Viertel der Kinder an den Computer gehen, ohne um Erlaubnis zu fragen. In ärmeren Familien, besonders wenn beide Elternteile erwerbstätig sind, bestehen oft kaum Einschränkungen zur Internetnutzung.

Während eine Studie des Institutes für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) kürzlich aufzeigte, dass etwa 70 Prozent der Eltern oft mit ihren Kindern über ihren Medienkonsum sprechen («Medienerziehung ist Eltern wichtig»), kamen die Studienleiter von «zischtig.ch» auf andere Ergebnisse. Nur eine schwindend kleine Minderheit der Kinder sei sich über die Nachteile des Internets im Klaren. Lediglich 10 Prozent der Befragten nennen sexuelle Belästigung, Gewalt und Suchtpotential als mögliche Gefahren. Die allerwenigsten wissen, was ihre Eltern vom Internet halten. Die meisten geben zu, nie im Familienverband über das Surfen im World Wide Web zu sprechen.

Ratschläge zur Medienerziehung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Zum Tag der Medienkompetenz, der Ende Oktober schweizweit stattfand, veröffentlichte eine Forschergruppe des Institutes für Angewandte Psychologie der ZHAW einen Eltern-Leitfaden für den Umgang mit neuen Medien. Die wichtigsten Ratschläge haben wir für Sie zusammengefasst:

  • PC und Spielkonsolen haben im Kinderzimmer nichts zu suchen.
  • Kinder unter 13 Jahren sollten kein Facebook-Profil haben. Soziale Netzwerke sollten nur nach einer Absprache mit den Eltern genutzt werden.
  • Surf-Zeit klar limitieren, Prioritäten setzen. Zuerst Hausaufgaben erledigen, dann höchstens für eine klar definierte Zeitspanne Surfen auf dem Netz.
  • Miteinander reden, miteinander surfen. Zeigen Sie Interesse an den Internet-Aktivitäten Ihres Kindes und erklären Sie ihm Gefahrpotentiale.

 

Quelle: ZHAW, Tages Anzeiger

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