Streng geheim: Welche Puppen enthalten Schadstoffe?

Vor kurzem war es Holzspielzeug, heute sind es Puppen, die in Schweizer Laboren auf Schadstoffe wie Weichmacher getestet wurden. In jeder Zehnten konnten diese nachgewiesen werden. Doch die Testlabore unterliegen einer Schweigepflicht, sodass Verbraucher ihre Kinder vor den gefährlichen Puppen nicht schützen können.

Streng geheim: Welche Puppen enthalten Schadstoffe?

Puppen machen viele kleine Mädchen glücklich. Doch jede Zehnte enthält Schadstoffe. Foto: iStock, Volodina, Thinkstock

Jetzt, kurz vor Weihnachten, sind Spielsachen das Thema Nummer Eins bei Eltern. Doch damit Kinder langfristig Freude an ihren Spielsachen haben ohne daran Schaden zu nehmen, sollten Eltern auf gesundheitlich unbedenkliche Spielzeuge achten. Dumm nur, wenn diese in der Schweiz nicht deklariert werden, so wie die aktuelle Untersuchung zu 30 Puppen zeigt. Laut beobachter.ch fanden die Labore in Basel-Stadt und Aargau in jeder zehnten Puppe den Weichmacher Phthalate, der unter Verdacht steht, die Leber, Nieren und Fruchtbarkeit zu schädigen. Teils wurde auch eine Konzentration von bis zu 40 Prozent des gefährlichen Weichmachers DEHP in den Puppen gefunden. Um welche Puppenhersteller es sich dabei handelt, dürfen die Labore nicht verlauten, denn sie unterliegen einer Schweigepflicht.

Lockerung der Schweigepflicht gefordert


Schon seit längerem fordert die Stiftung für Konsumentenschutz in der Schweiz eine Lockerung der Schweigepflicht. Ob es diese geben wird, obliegt dem Parlament, welches derzeit heftig über das Thema diskutiert. In der Europäischen Union werden schädliche Spielsachen längst in der Datenbank Rapex aufgelistet. Auch hierzulande würde eine solche Liste Sinn machen, denn schliesslich wollen Eltern ihre Kinder vor schädlichen Substanzen in Spielsachen schützen.

 

Puppen im Test: Bedenkliche Produkte werden nicht zurückgerufen

Der Verkauf der schädlichen Puppen wird zwar verboten, doch trotz der verheerenden Ergebnisse werden die belasteten Puppen nicht zurückgerufen. Die Begründung: «Einen Rückruf sprechen wir nur bei einer akuten Gesundheitsgefährdung aus», erklärt Untersuchungsleiter Urs Hauri vom kantonalen Labor Basel-Stadt gegenüber beobachter.ch. Denn die in den Puppen enthaltenen Schadstoffe führen nicht sofort zu Schäden, sondern treten erst nach längerer Zeit auf. Ob das besorgte Eltern beruhigen soll?

Roman Goll, Spezialist für Schadstoffe in Spielwaren beim deutschen Verbrauchermagazin «Ökotest» kritisiert die Schweizer Einstellung, denn «die Phthalat-Weichmacher wie DEHP sind in Spielzeug verboten, weil sie wirklich gefährlich sind. Zwar wird kein Kind sofort krank, aber langfristig sind diese Stoffe extrem schädlich».

Puppen im Test: Die Folgen verseuchter Produkte

Kinder nehmen die schädlichen Substanzen, die sich in Puppen und anderen Spielsachen befinden, über den Mund, die Haut und die Atemwege auf. Ende November 2013 berichtete 20min.ch über die Auswirkungen, die Weichmacher wie Phthalate haben können. «Besonders problematisch ist, dass sie bei Föten und Kindern bis drei Jahren die Ausschüttung von Testosteron hemmen», erklärte Rex FitzGerald vom Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie gegenüber 20min.ch. Bei Jungen könne dies zur Zeugungsunfähigkeit führen. Bei erst zweijährigen Mädchen aus Puerto Rico bewirkte die erhöhte Konzentration des Weichmachers laut 20min.ch eine frühzeitige Entwicklung des Busens.

Puppen im Test: Sicherheit geht vor

Trotz Verbot und der nachgewiesenen Nebenwirkungen werden immer noch Weichmacher in Kinderspielzeug verarbeitet. Damit Sie Ihren Kinder zu Weihnachten kein gefährliches Spielzeug schenken, achten Sie auf Gütesiegel wie CS, Ökotex Standard 100, VDE, TÜV-Proof, Spiel gut und Blauer Engel. Das geringste Risiko bei Puppen bergen laut Experten Stoffpuppen mit dem Bio- und Soziallabel Global Organic Standards (Gots) und Puppen, die vollständig aus hartem Kunststoff bestehen.

Unter www.testberichte.de finden Sie Testberichte und Bewertungen zu diversen Puppen, die auf dem Markt erhältlich sind. Eine Liste mit zwischen 2007 und 2010 getesteten Puppen finden Sie unter www.eu-info.de. Mehr Informationen zu den Gütesiegeln erhalten Sie hier.



 

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter