Eltern werden von genervten Lehrern zum Nachsitzen verdonnert

Vielen Eltern mangelt es an Disziplin: So zum Beispiel, wenn sie einen günstigeren Rückflug aus den Ferien nehmen und ihre Kinder deswegen den ersten Schultag schwänzen lassen oder wenn sie ihnen ein ungesundes Znüni mitgeben. Die genervten Lehrer fordern nun einen Schulvertrag, um Eltern an ihre Pflichten zu erinnern. In Solothurn zeigt der Elternvertrag erste Erfolge.

Schulvertrag soll pflichtvergessene Eltern disziplinieren

Der Schulvertrag soll pflichtvergessene Eltern disziplinieren. Klar ist allerdings noch nicht, ob dieser Vertrag pauschalisiert wird. Foto: Creatas, Jupiterimages, Thinkstock

Zum Leidwesen von Schulen und Lehrern setzen sich viele Eltern über die Schulpflicht hinweg, so dass das Schwänzen des ersten Schultags schon fast zum Trend geworden ist. Der Grund: Der Rückflug aus den Ferien ist nach Schulbeginn günstiger. Weiter beschweren sich Schulleiter und Lehrer darüber, dass Eltern immer seltener Elternabende und Gespräche mit Lehrern wahrnehmen würden, berichtete 20min.ch am Sonntag. Auch sorgten sie nicht dafür, dass ihre Kinder ausgeschlafen und pünktlich zum Unterricht erschienen.

Eltern-Disziplinierung durch Schulverträge

Pflichtvergessene Eltern sollen nun durch einen Vertrag mit der Schule auf ihre Elternpflichten erinnert werden. Dies fordert zumindest Christian Amsler (FDP), Präsident der Konferenz der Erziehungsdirektoren in der Deutschschweiz, wie 20min.ch gestern schreibt. «Ich bin für mehr Verbindlichkeit. Ich bin dafür, dass wir solche Elternverträge in allen Kantonen einführen, wobei die Hohheit bei den Kantonen liegt», sagte Amsler gegenüber dem Sonntagsblick.

Schulvertrag im Kanton Solothurn erfolgreich

Im Kanton Solothurn sind diese speziellen Verträge für Eltern bereits bekannt. Demnach müssen Eltern in der Schulvereinbarung der Gemeinde Zuchwil (SO) beispielsweise versichern, dass ihre Kinder zuhause über einen ruhigen Arbeitsplatz verfügen. Des Weiteren verpflichten sie sich dazu, sich selbstständig über die Leistungen und Probleme ihrer Kinder zu informieren, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder pünktlich und regelmässig zur Schule erscheinen und dass sie an Elternveranstaltungen teilnehmen.

«Seit wir die Verträge haben, nehmen 80 Prozent der Eltern an den Veranstaltungen teil. Vorher waren es nur 60 Prozent», erklärt Stephan Hug, Schuldirektor in Zuchwil gegenüber 20min.ch. Er sieht den Elternvertrag auch als eine Massnahme der Integration, da viele Eltern Ausländer oder Analphabeten sind, die mit dem Schulalltag einfach überfordert und auf Unterstützung seitens der Schule angewiesen seien. Auch Andreas Walter, Chef des Solothurner Volksschulamtes, spricht sich für die Verträge aus, denn: «Wenn ein Streit eskaliert, haben die Lehrpersonen etwas Verbindliches in der Hand. Seit der Einführung der Verträge haben wir weniger Probleme.» Vor allem dienten sie aber zur Entlastung der Lehrer, die sich aufgrund der nachlässigen Eltern nicht mehr voll auf den Unterricht konzentrieren könnten, da sie stattdessen immer öfter mit Eltern stritten, die der Schule regelrecht den Kampf angesagt haben und ihre Methoden in Frage stellen.

Basel: Schulvertrag nur in schwierigen Fällen

Der Kanton Basel-Stadt hat einen Schulvertrag nur für schwierige Fälle eingeführt. Dazu zählen Eltern, die Lehrer wegen jeder Kleinigkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Beschwerdeanrufen terrorisieren oder mit einer Klage drohen. Erziehungsdirektor Christoph Eymann sieht aber davon ab, den Schulvertrag für alle Eltern zu pauschalisieren. «So verärgern wir nur die Eltern, die sich bereits Mühe geben.»


Wir wollen wissen, was Sie davon halten: Finden Sie einen Schulvertrag sinnvoll? Und sollte er in der ganzen Schweiz gelten?
 

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