Schweizer Mundart und Hochdeutsch: Neues Projekt will vermitteln

In den letzten Jahren ist die Schweizer Mundart gerade in der Bildung zum Politikum geworden. Ein Projekt des Forum Helveticum versucht jetzt Vermittlungswege zwischen Dialekt und Hochdeutsch zu finden. Hochdeutsch dient dabei als nationale Verbindung und der Dialekt hilft dabei, Fremdsprachen zu erlernen.Schweizer Mundart vs. Hochdeutsch

Schweizer Mundart gewinnt an Bedeutung. Ein Projekt will jetzt zwischen den Sprachregionen vermitteln. Bild: iStockfoto, Thinkstock.

In den letzten Jahren hat die Beliebtheit der Schweizer Mundart zugenommen: Erst kürzlich erschien eine ganz Ausgabe des «Blick am Abend» in Dialekt und bekam ein sehr positives Echo. Von Plakaten tönt es sogar «Wotsch en Chlapf?» Die kantonalen SVP-Sektionen lancierten Initiativen für Mundart im Kindergarten. Die steigende Beliebtheit des Dialekts hat die sprachlichen Barrieren zwischen Deutschschweizern, Romands und Tessinern allerdings erhöht. Die Romands und Tessiner fühlen sich durch das mit dem Schweizerdeutschen verbundene Identitäts- und Einheitsgefühl der Deutschschweizer ausgeschlossen.

Schweizer Mundart besser verstehen, aber auch Hochdeutsch stärken

Ein Projekt des Forum Helveticum möchte nun zwischen Schweizer Mundart und Hochdeutsch vermitteln. Deshalb trafen sich gestern Vertreter von Bildungsinstitutionen, Lehrerverbänden, Erziehungsdirektionen und der SRG in Bern. Die Institutionen wollen sich künftig stärker für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern einsetzen, wie die Neue Zürcher Zeitung heute berichtete. Sie sollen Hochdeutsch lebendig und unverkrampfter unterrichten, auch durch einen Austausch mit deutschen Kollegen. In der Schule sollten nach Meinung der Konferenzteilnehmer französisch- und italienischsprachige Schweizer mehr über die Bedeutung des Dialekts für die Deutschschweizer lernen. Im Gegenzug sollten die Deutschschweizer Lehrer Hochdeutsch als einen Faktor herausstellen, der allen Schweizern in Zusammengehörigkeitsgefühl gibt. Laut Hans Ambühl, Generalsekretär der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz, könnten sich Hochdeutsch und Schweizer Mundart im Unterricht durch Vergleiche gegenseitig befruchten. Dies sei sinnvoller als gegeneinander zu arbeiten, da die Mundart den Erwerb von weiteren Fremdsprachen begünstige. Auch Lieder können Schüler dafür begeistern, sich mit Fremdsprachen auseinanderzusetzen.

Jugendliche schätzen ihre Sprachkenntnisse als schlecht ein

Mehr Begeisterung für Fremdsprachen im Unterricht zu vermitteln ist laut der Eidgenössischen Jugendbefragungen ch-x auch notwendig: Rund 42‘000 junge Schweizer gaben darin an, dass der Fremdsprachenunterricht ihr Interesse für die andere Sprache kaum geweckt habe. Die Werte lagen bei 1,76 (Deutschschweizer) und 1,86 (Romands), wobei die Bewertungsskala zwischen 1 (schlecht) und 4 (sehr gut) lag. Ebenso schlecht schätzen die jungen Menschen ihre eigenen Sprachkenntnisse in den jeweils anderen Landessprachen ein: Hier gaben die Deutschschweizer sich eine 2,6 und die Romands eine 2,5.

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