Uni Zürich erforscht wie Babys Sprechen lernen

Was passiert im Gehirn eines Babys, wenn es Wortlaute und Wortbedeutungen zusammenbringt? Müssen Kinder erst Sprache haben, um Zusammenhänge zu verstehen oder ist es umgekehrt: Erst das Verstehen eines Zusammenhangs ermöglicht es, ihn auch in Sprache zu fassen. Im Babylabor der Universität Zürich ist man dem Rätsel auf der Spur.

Was im Gehirn der Kleinsten beim Sprechen lernen vorgeht, ist noch immer nicht abschliessend erforscht.

Die Augen spielen bei der Erforschung des Spracherwerbs eine zentrale Rolle. Foto: © Amelia Fox - Fotolia.com

Wenn das Brabbeln des Babys auf einmal Sinn ergibt, sind wir immer wieder erstaunt. Wie Kinder Sprechen lernen, scheint noch immer ein halbes Wunder zu sein. Die Universität Zürich versucht jetzt ein Puzzleteil des Rätsels zu entziffern. Rund 50 Babys im Alter von ca. 16 Monaten wollen die Psychologinnen der Universität Zürich mit der Kamera aufzeichnen, während sie sich eine Filmsequenz eines Cartoons anschauen. Dabei liegt das Forschungsinteresse vor allem auf der Augenbewegung der Kleinkinder. »Aus den Augenbewegungen lässt sich schliessen, ob ein Kind Ursache und Wirkung einer Handlung verstanden hat.«, erklärte Studienleiterin Miriam Dittmar gegenüber dem Beobachter.

Im gezeigten Cartoon schubst eine Comicfigur wiederholt eine andere. Wenn die Augen des Kindes nach einigen Wiederholungen die schubsende Figur deutlich länger fixiert und sich diese Beobachtung bei der Mehrzahl der Testpersonen bestätigt, wisse man, dass die Kinder das Gesehene kausal interpretieren, so Dittmar in einem Interview mit dem Schweizer Radio DRS. Damit sei der wissenschaftliche Beweis erbracht, dass die Kleinkinder im zweiten Lebensjahr aktive und passive Rollen sowie Ursache und Wirkung von Handlungen unterscheiden könnten. Damit ist aber nur ein Geheimnis von vielen, um die Wurzeln des menschlichen Denkens und Sprechens gelüftet.

Das Babylabor der Universität Zürich erforscht seit 4 Jahren die frühkindliche Entwicklung im eigens eingerichteten Babykino. Da die Kleinsten natürlich noch keine Fragebögen ausfüllen können, müssen sie geduldig beobachtet werden. Da es als wissenschaftlich bewiesen gilt, dass Babys Neues und Überraschendes länger anschauen, als Bekanntes oder Erwartetes, erhoffen sich Forscher durch die Beobachtung der Kopf- und Augenbewegungen neue Erkenntnisse.

Über den Blickfang erzielte auch kürzlich die Universität von Florida einen Durchbruch. Wie die SZ berichtete, beobachten 6-12 Monate alte Babys die Lippenbewegungen ihrer Bezugspersonen, um zu lernen wie sie ihren Mund beim Sprechen formen müssen. Ab rund einem Jahr schauen die Kleinkinder Ihren Dialogpartnern aber wieder in die Augen. Denn nur so erfassen sie auch die Stimmung des Gesagten. 

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