Sprachentwicklung bei Kindern: Je früher, desto besser

Wenn Eltern mit ihren Kleinkindern früh und gewählt kommunizieren, helfen sie, die Intelligenz ihres Kindes aufzubauen. Warum sozial besser gestellte Kinder mit ihrer Sprachentwicklung weniger Probleme haben, zeigen neue Studien.

Sprachentwicklung bei Kindern: Je früher, desto besser

Je früher Eltern viel und in komplexen Sätzen mit ihren Kindern reden, umso besser. Foto: iStock, Maya, Thinkstock

«Gugus-Dada», «Dutzidutzi» oder «Heiaheia» wirken sich nicht gerade förderlich auf die Sprachentwicklung eines Kleinkindes aus. Besser fahren Eltern mit langen und komplexen Sätzen. Zu dieser Erkenntnis gelangten laut 20 Minuten einige neue Studien, deren Ergebnisse bei einer Tagung der American Association for the Advancement of Science am Donnerstag und Freitag vorgelegt wurden. Anne Fernald, Psychologieprofessorin an der Stanford University und an den Studien beteiligte Forscherin, erklärt, dass Kinder über Sprache Intelligenz aufbauen.

Früh übt sich: Die Sprachentwicklung fördern

Die Sprachentwicklung und Lerngeschwindigkeit bei Kleinkindern könne laut der Wissenschaftler schon im Baby- und Krabbelalter gefördert werden. Je früher, desto besser, lautet ihre Devise. Bei der Sprachentwicklung gehe es zudem darum, Worte und deren Bedeutung so in einen Zusammenhang zu stellen, dass das Kind in seinem Gehirn entsprechende Verbindungen abspeichern könne. Ein Beispiel: «Komm, wir tun die Orange in die Schüssel mit der Banane und dem Apfel und den Trauben.» Auf diese Weise erkenne ein Kind die Zusammenhänge der Worte besser als wenn man ihm nur mit Hilfe von Karteikarten zeige, was eine Orange und was eine Schüssel ist.

Da Kinder bereits sehr früh lernfähig sind, diskutieren Experten derzeit, ob es nicht Sinn machen würde, ihnen bereits ab drei statt erst ab vier Jahren eine professionelle Frühförderung zukommen zu lassen und Kitas dahingehend qualitativ zu verbessern. Auch über Erziehungsprogramme für Eltern, die nach dem Motto «Redet mehr» aufgebaut sind, wird debattiert. Doch dies könne schwierig umzusetzen sein, da es Eltern gibt, die selbst nicht gut lesen können, den Sinn des Programms nicht erkennen oder schlichtweg zu wenig Zeit haben, weil sie gleich mehrere Jobs ausüben müssten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Erziehungsmassnahmen für Eltern

Dass sich Erziehungsmassnahmen für Eltern lohnen, konnten die Wissenschaftler anhand von vorläufigen Forschungsergebnissen bereits belegen. Fernald verweist auf das Projekt «Habla Conmigo» (dt. «Sprich mit mir»), bei dem spanischsprachige Mütter mit geringem Einkommen im kalifornischen San Jose einen achtwöchigen Kurs belegten, in dem sie lernten, mehr und gewählter mit ihren Kindern im Krabbelalter zu sprechen. Das Ergebnis: Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verfügten die Kinder der Kursteilnehmerinnen über einen grösseren Wortschatz und lernten schneller.

 

Soziale Unterschiede können sich auf die Sprachentwicklung auswirken

Grosse Unterschiede im Hinblick auf die Sprachentwicklung und Lerngeschwindigkeit liessen sich laut Fernald bei fünfjährigen Kindern aus ärmeren Familien feststellen. Diese hinkten in ihrer Entwicklung bis zu zwei Jahre hinter ihren besser gestellten Altergenossen her. Durch Hirnuntersuchungen liesse sich dies beweisen, bestätigt auch Kimberly Noble von der Columbia University. Bei Kindern, die unter besseren sozialen Bedingungen aufwuchsen, sei das Sprachzentrum im Gehirn besser ausgeprägt. Nach Fernalds Studie erreichten Kinder aus ärmeren Verhältnissen zudem erst mit zwei Jahren ein Sprachverständnis, das bessergestellte Kinder schon ein halbes Jahr zuvor erreichten.

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