Bezahltes Stillen in der Arbeitszeit?

Die Rückkehr an den Arbeitsplatz wirft für viele stillende Mütter Fragen auf: Wie viel Zeit darf eine Mutter pro Tag fürs Stillen aufwenden und wie wird sie dabei entlohnt? Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat darauf reagiert und will den Müttern nun 90 Minuten bezahltes Stillen während der Arbeitszeit ermöglichen.

Stillen während der Arbeitszeit soll bezahlt werden

Das Stillen während der Arbeitszeit sollte laut dem Seco keine Lohnabzüge nach sich ziehen. Foto: Fuse, Thinkstock

Viele Frauen möchten auch nach dem Mutterschaftsurlaub weiterhin stillen – auch am Arbeitsplatz. Doch gibt es dafür bisher keine expliziten Regelungen was die Dauer und die Entlohnung angehen. Das  Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) möchte dies nun ändern: Zukünftig sollen Frauen ein ganzes Jahr lang bezahlt stillen oder abpumpen dürfen, wie 20 Minuten gestern berichtete.

Seco fordert bezahlte Stillzeit am Arbeitsplatz

Das Seco will klare Verhältnisse schaffen: Mütter sollen im ersten Lebensjahr ihres Kindes pro vollen Arbeitstag 90 Minuten bezahlte Stillzeit am Arbeitsplatz oder anderswo erhalten. Bei einem Arbeitspensum von mehr als vier Stunden soll die bezahlte Zeit 60 Minuten, bei einem Pensum von weniger als vier Stunden 30 Minuten betragen. Wie viel das den Bund kosten wird, ist noch unklar.

Lohnkürzung wegen Stillen während der Arbeitszeit

Viele Mütter hören früh nach der Geburt wieder mit dem Stillen auf. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch häufig spielt auch die Rückkehr an den Arbeitsplatz eine Rolle. Viele Unternehmen gewähren zwar eine bezahlte Stillzeit, doch die Lohnregelung für das Stillen während der Arbeitszeit ist nirgends gesetzlich verankert. So gebe es laut 20 Minuten auch Fälle, wo der Lohn wegen des Stillens gekürzt werde.

 

Der Arbeitgeberverband befürchtet sinkende Arbeitschancen für Mütter

Beim Schweizerischen Arbeitsverband wird der Vorschlag einer bezahlten Stillzeit begrüsst, er hält jedoch 60 Minuten pro Tag für ausreichend. Ausserdem wird kritisiert, dass die Mütter zum Stillen nicht am Arbeitsplatz bleiben müssen. So könne nicht überprüft werden, ob die Frauen tatsächlich noch stillen, oder nur früher gehen. Dies könne im schlimmsten Fall zu einer sinkende Attraktivität der Mütter auf dem Arbeitsmarkt führen.

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