SVP fordert Steuerabzüge für Eltern, die selbst betreuen

In der Schweiz können Fremdbetreuungskosten von den Steuern abgesetzt werden. Zwecks einer Familieninitiative fordert die SVP dasselbe Recht für Familien, die ihre Kinder selbst betreuen. Doch der Bundesrat spricht sich gegen die Initiative aus.

SVP fordert Steuerabzüge für Eltern, die selbst betreuen

Die SVP will eine Familieninitiative durchsetzen, durch die Eltern, welche ihre Kinder selbst betreuen, dies ebenfalls von den Steuern absetzen dürfen. Foto: Stockbyte, Jupiterimages, Thinkstock

Zweiverdiener-Familien können die Fremdbetreuung ihrer Kinder steuerlich absetzen. Dies findet die SVP Einverdiener-Familien gegenüber unfair und fordert in einer Familieninitiative, dass auch Familien, die ihre Kinder selbst betreuen, die Betreuungskosten von der Steuer absetzten dürfen. Der Bundesrat ist gegen die Familieninitiative der SVP, denn diese schaffe neue Ungerechtigkeiten, so berichtete bazonline.ch gestern.

Die (Un-)Gleichstellung der Familienmodelle

Die Kinderbetreuung in der Schweiz kann entweder durch die Eltern selbst oder durch Fremdbetreuungsangebote wie Horte, Krippen oder Tagesmüttern übernommen werden. Seit 2011 können Zweiverdiener-Familien die Fremdbetreuungskosten von der Steuer absetzen, Einverdiener-Familien mit Selbstbetreuung werden jedoch nicht berücksichtigt.

Nach Ansicht der Finanzministerin habe der Fremdbetreuungsabzug zu einer Gleichstellung der beiden Familienmodelle geführt. Die Familieninitiative der SVP würde demnach zurück zum alten System und zu einer erneuten Ungleichstellung der Familienmodelle führen. «Der Staat soll sich aber nicht in die Wahl des Familienmodells einmischen», so Widmer-Schlumpf. Peter Hegglin, Regierungsrat des Kantons Zug und Präsident der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren (FDK), ist derselben Ansicht, denn er findet, dass Familienpolitik nicht mit Steuerpolitik betrieben werden dürfe.

Zur Besteuerung des Fremdbetreuungsabzugs

Um einer Arbeit nachgehen zu können, greifen viele Familien auf Betreuungsangebote wie Kinderkrippen zurück. Bei den direkten Bundessteuern liegt der aktuelle Fremdbetreuungskostenabzug bei maximal 10'100 Franken jährlich. In jedem Kanton der Schweiz muss der Steuerabzug gegeben sein, die jeweilige Höhe darf aber vom Kanton selbst festgelegt werden.

Durchschnittlich zwischen 4800 und 6000 Franken jährlich werden derzeit von Familien mit Fremdbetreuungskostenabzug geltend gemacht. Das ist deutlich weniger, als der Bund erwartet hatte.

Steuerausfälle werden befürchtet

Obwohl der maximale Fremdbetreuungskostenabzug nicht ausgeschöpft ist, erwartet Finanzministerin Widmer-Schlumpf Steuerausfälle. Wie hoch diese letztendlich ausfallen, ist noch unklar. Würde die Familieninitiative der SVP durchkommen, wären die Steuerausfälle noch höher. Ohne die Fremdbetreuungsabzüge würde der Bund aber 60 Millionen Franken mehr im Jahr einnehmen. Aber der Bundesrat will an den Abzügen festhalten, da diese von über 50 Prozent der Familien in Anspruch genommen und sich auch rentieren würden.
 

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