Vaterschaftsurlaub: In einigen Schweizer Unternehmen gibt es bis zu 4 Wochen

Nach der Geburt beginnt für alle Eltern eine wichtige Phase. Viele Väter wollen die ersten Tage ihres Babys bewusst miterleben und wünschen sich mehr Vaterschafturlaub. Bisher gewähren Unternehmen Urlaubstage nach eigenem Ermessen. Nun will der Bundesrat über eine gesetzliche Regelung diskutieren.

Wird es bald neue Regeln für den Vaterschaftsurlaub geben

Wird der Vaterschaftsurlaub bald länger? Der Bundesrat will über eine gesetzliche Regelung beraten. Bild: iStockphoto, Thinkstock.

Am meisten Ferien nach der Geburt eines Kindes mit 20 freien Tagen gibt es zur Zeit bei der Alternative Bank und bei Mobility. Dies zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage des Tagesanzeigers unter 50 befragten Unternehmen. Die meisten Unternehmen gewähren zwischen drei und sechs freien Arbeitstagen. Allerdings gibt es grosse Unterschiede: Während die Stadt Zürich, die Swisscom oder die Migros ihren Angestellten zehn Tage zugesteht, müssen die Mitarbeiter des Mirgos-Tochterunternehmens Denner bisher mit zwei Urlaubstagen auskommen. Denner kann sich eine Anpassung «durchaus vorstellen, spruchreife Änderungspläne gibt es heute aber noch nicht», teilte Mediensprecherin Paloma Martino mit. Die gleichen Regelungen gelten bisher auch bei Ringier und der Post. Aber auch in diesen Unternehmen wird laut den Sprechern gerade über Änderungen für den Vaterschaftsurlaub diskutiert. Nur einen Tag gewähren Schindler und Ruag ihren Mitarbeitern, die gerade Vater geworden sind.

Väter wünschen sich mehr Vaterschaftsurlaub

Bereits 2007 hatte eine Umfrage des Westschweizer Magazins «L’Hebdo» gezeigt, dass sich 79 Prozent der Männer bezahlte Urlaubstage nach der Geburt wünschen. Bisher blieb der Stress mit einem Neugeborenen im Haus und eventuell noch anderen Kindern an der Mutter hängen. Viele Väter wollen hier helfen und auch gleich eine Bindung zu dem neuen Familienmitglied aufbauen. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Vaterschafturlaub nicht. Die Unternehmen müssen als üblich erachtete freie Stunden und Tage gewähren. Der Bundesrat hält hier ein bis zwei Tage für angebracht. Weitere Tage gewähren die Unternehmen, wenn überhaupt, bisher freiwillig. Die meisten tun dies, wie die Umfrage des Tagesanzeigers ebenfalls zeigt, seit dem Jahr 2000 oder später. 

Wie soll der Vaterschaftsurlaub finanziert werden?

Der Bund, der noch vor 2007 lediglich zwei Tage frei gab, erhöht ab dem 1. Juni den Vaterschaftsurlaub für seine Mitarbeiter nochmals von fünf auf zehn Tage. Dafür bekommen Frischverheiratete nur noch einen Tag anstatt bisher sechs frei. Dies soll die entstehenden Mehrkosten kompensieren.

Nach den Sommerferien will der Bundesrat auf Anstossen des Sozialministers Alain Berset (SP) hin über einen gesetzlich vorgeschriebenen Vaterschaftsurlaub diskutieren, der für alle Arbeitnehmer gleich sein soll. Bisher gibt es verschiedene Vorschläge zur Finanzierung: Zum Beispiel könnten Paare steuerbefreit für einen unbezahlten Vaterschaftsurlaub sparen. Oder es wird einfach nur eine vorgeschriebene Mindestdauer für den Vaterschaftsurlaub, ob bezahlt oder unbezahlt, geben. Der letzte Lösungsvorschlag ist, das benötigte Geld aus der Versicherung für die Erwerbsersatzordnung zu nehmen. So wird bisher auch der Mutterschaftsurlaub finanziert. Würde man einen Vaterschaftsurlaub von drei Wochen pro Jahr vorschreiben, würden zusätzliche 200 Millionen Franken pro Jahr benötigt. Entscheidet sich der Bundesrat für die Versicherungslösung, werden die Lohnabzüge deshalb leicht ansteigen. Ob die Abstimmung erfolgreich sein wird, ist fraglich. Die Unternehmen wünschen sich laut den Ergebnissen des Tagesanzeigers keine Neuregelung, da sie mit der freiwilligen Basis für den Vaterschaftsurlaub zufrieden sind.

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