Velohelme erhöhen das Unfallrisiko

Der Bundesrat will Velohelme für Kinder und Jugendliche für obligatorisch erklären. Paradoxerweise macht der Velohelm das Velofahren aber gefährlicher. Gemäss einer Studie erhöhen die Helme das Unfallrisiko. Und die Angst der Eltern und damit auch der Kinder: Heute fahren 16-Jährige halb so viel Velo wie ihre Altersgenossen vor 15 Jahren.

Wer bisher nicht viel von Velohelmen gehalten hat, und schon gar nicht von einem Helmobligatorium, bekommt jetzt prominente Unterstützung. Christoph Merkli, Geograph, Vater von zwei Töchtern und Geschäftsführer von Pro Velo Schweiz ist sicher nicht gegen das Velofahren. Aber er ist gegen ein Obligatorium von Velohelmen für Kinder und Jugendliche. So sehr, dass er in der NZZ am Sonntag einen Artikel geschrieben hat.

Seine Argumente haben Hand und Fuss. Obwohl eine grosse Akzeptanz für Velohelme in der Bevölkerung besteht, ist laut Merkli ein Obligatorium für unsere Kinder und Jugendliche falsch. Die Gründe:

    • Der Helm ist keine Unfallverhütung, Velohelme können keinen einzigen Unfall verhindern. Eine englische Studie hat sogar ergeben, dass Automobilisten Helmträger näher überholen als Velofahrende ohne Helm.
    • Velohelme mindern nur oberflächliche Verletzungen am Kopf, nützen aber nichts bei Hals- und Hirnverletzungen. Und bei allen anderen Verletzungen am Körper nützen Helme auch nichts.
    • In Australien und Neuseland reduzierte sich die Nutzung des Velos um 20 bis 40 Prozent nach Einführung des Velohelm-Obligatoriums.

Ein Obligatorium animiert demnach nicht Velofahrer zum Tragen eines Helms, sondern schreckt vom Velofahren ab. Dazu tragen auch Helm-Kampagnen bei, die mit negativen Bildern die Angst der Eltern um ihre Kinder wachsen lassen. Bilder, die sich einprägen und Eltern dazu bringe, ihren Kindern das Velofahren zu verbieten.

Vielleicht brauchen wir in der Schweiz kein Helmobligatorium. Am sichersten sind Velofahrer nämlich nicht mit einem Helm, sondern in velofreundlichen Umgebungen. Was wir brauchen ist mehr gegenseitige Akzeptanz aller Verkehrsteilnehmer füreinander, mehr Velowege, mehr Verkehressicherheitsmassnahmen und mehr Verkehrsschulung.

Velohelm hin oder her, hier scheint verordneter Selbstschutz und Angstmacherei fehl am Platz. Also lieber mal das Auto in der Garage lassen und sein Kind mit dem Velo in die Schule begleiten.

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