Wickeltische im Herren-WC

Die Geburtenzahlen steigen und die neuen Väter reklamieren ihren Anteil an der Betreuungszeit und emotionalen Bindung zu den Kindern. Geht es endlich weg vom traditionellen Schema? Zumindest sind die alleinerziehenden Väter die am schnellsten wachsende Familienform in der Schweiz.

Seit 1970 ist die Anzahl der alleinerziehenden Väter um 300% gestiegen. 2008 waren es knapp 6000 Papis, die ihren Nachwuchs als Alleinerziehende aufzogen. Solche und andere Zahlen fördert die neue Väterforschung zu Tage, die für Soziologen endlich ein interessantes Gebiet geworden ist. So sieht es zumindest die Soziologin Margrit Stamm in der NZZ.

Endlich gibt es genügend Väter, die nicht mehr ins traditionelle Schema passen. Es gibt 68er, die im reifen Alter nochmals Vater werden, es gibt schwule Väter, Hausmänner, Samenspenderväter, Adoptiv- und Stiefväter und Pendelväter oder Wochenendväter.

Diese neue Vielfalt an Vatertypen lässt sich in drei Gattungen zusammenfassen: den Fassaden-Vater (traditionelles Modell, eher überfordert mit Erziehungsfragen, ca. 1/3 aller Väter), den randständigen Vater (wenig akzeptiert, dauernd kritisiert und wenig beteiligt, ca. 1/5) und den eigenständigen Vater (beteiligt und akzeptiert, ohne Klischees, ca. 2/5).

Es sei eben nicht die biologische Vaterschaft, sondern die soziale, die bedeutend ist für das Kind und die heute auch an Bedeutung gewinnt, folgert die Soziologin. Väter sind denn auch im Gebärsaal selbstverständlich geworden, sie gehen ins Va-Ki-Turnen und auf die Spielplätze. Bloss Wickeltische im Herren-WC sind derzeit noch kein öffentliches Thema. Aber vielleicht schon bald?

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