Deins und Meins: Wie Kinder lernen zu teilen

Welche Umstände bewirken, dass ein Kind grosszügig wird und sein Spielzeug mit Spielkameraden teilt? Muss man als Eltern darauf drängen, helfen kleine Bestechungsversuche in Form von Belohnungen oder sollte man warten bis ein Kind von sich aus teilt? Eine Studie gibt Aufschluss zu diesem Thema.

Deins und Meins: Wie Kinder lernen zu teilen

Am besten lernt Ihr Kind zu teilen, wenn es nicht unter Druck gesetzt oder dazu genötigt wird. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Wenn Sie Ihren Nachwuchs dabei beobachten, wie er seinen Teddy einem traurigen Kind gibt oder wie es Mitmenschen voller Mitgefühl ansieht oder gar tröstet, erfüllt Sie das mit Stolz. Sie freuen sich darüber, dass er sozial handelt. Aber wie lernt ein Kind überhaupt zu teilen? Die amerikanischen Psychologinnen Nadia Chernyak und Tamar Kushnir führten dazu eine Studie durch.

Wie Kinder am besten lernen zu teilen

Die beiden Psychologinnen testeten 72 Kinder im Alter zwischen drei und vier Jahren. Die Kinder wurden in drei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt, um zu testen, wie  und unter welchen Umständen Kinder lernen, Spielzeug zu teilen. Alle Kinder erhielten vorab dieselbe Anzahl an Aufklebern. Dann stellten die Psychologinnen den Kindern den traurigen Stoffhund Doggie vor und verwiesen darauf, dass er möglicherweise glücklicher werde, wenn er ein paar Sticker haben könnte.

In der ersten Testgruppe erhielten die Kinder zusätzlich die Aufforderung, Doggie die Aufkleber zu schenken – zu vergleichen ist dies mit einer elterlichen Ermahnung, etwas zu tun oder abzugeben. Mit Ausnahme von einem Kind folgten alle der Anweisung und gaben Doggie die Aufkleber. 

In der zweiten Gruppe wurden die Kinder vor die Wahl gestellt, ob sie die Aufkleber mit Doggie teilen oder sie lieber wegwerfen wollen. Auch in dieser Gruppe weigerte sich nur ein Kind Doggie die Sticker zu geben.

Die Kinder der dritte Gruppe durfte ohne Druck entscheiden, ob sie die Aufkleber behalten oder einige davon Doggie schenken wollen. Von den 24 Kindern entschieden sich 19 dafür, ihre Sticker mit Doggie zu teilen.

Teilen ohne Druck fördern

Als die Psychologinnen die 72 Kinder noch einmal einluden und den Versuch erneut mit dem Stoffelefant Ellie durchführten, konnten sie feststellen, dass die Kinder, die beim ersten Versuch selbst entscheiden durften, ob sie teilen wollten oder nicht, grosszügiger waren als die Kinder der anderen beiden Gruppen. «Wenn sich die Kinder einmal zum Teilen durchgerungen hatten, zeigten sie sich später grosszügiger», zitiert sueddeutsche.de die Forscherin Nadia Chernyak.

Die Expertinnen raten, Kinder nicht mit Anweisungen, Mahnungen oder Belohnungen dazu zu bringen, ihr Spielzeug zu teilen. Denn das fördert nur das eigennützige Denken eines Kindes. Es teilt dann nur mit anderen, weil es seine Eltern nicht verstimmen will, oder weil es hofft, dafür etwas zu bekommen. Im Bezug auf die Belohnung als Motivation fürs Teilen würde die Bereitschaft dazu schnell Nebensache, sofern diese einmal ausbliebe.

Kinder lernen Grösszügigkeit eher, wenn sie sich von selbst dafür entscheiden zu teilen. Wichtig dabei ist, dass ihnen diese Entscheidung schwer fällt. So werden Kinder nachhaltig zum Teilen motiviert.

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