Work-Life-Desaster

An der nationalen Tagung für Gesundheitsförderung letzten Donnerstag legte man Zahlen auf dem Tisch: In der Schweiz hat man keine Zeit für die Familie. Alle müssen arbeiten. Oder wenn schon nicht arbeiten, dann doch dauernd erreichbar sein. Arbeitsgesetz hin oder her, viele arbeiten mehr als erlaubt, länger als erlaubt und mit weniger Pausen als gesetzlich vorgeschrieben. Verschleiss und Selbstgefährdung allerorten? Und für die Frauen unterbezahlte Teilzeitjobs mit Karriereverzicht?

Sind das zumutbare Zustände? Gerade mal noch 5 Prozent der Schweizer haben Normalarbeitszeiten. Das Unnormale ist schon überall die Regel.

Kommt hinzu: Wer viel Arbeit hat und aber über 40 Stunden in der Woche arbeitet, spart nicht etwa sein Sportprogramm oder das Bierchen mit Kollegen weg. Nein. In der Schweiz wird die Familienzeit massiv heruntergefahren. Mehr als in den umliegenden Ländern und viel mehr als in Deutschland. Sind wir ein einig Volk von Egozentrikern? Von abwesenden Vätern? Von frustrierten und ihr Potenzial nicht ausschöpfenden Müttern?

Es wird Zeit, dass die Familienpolitik dieses Problem priorisiert. Zu wenig Familienzeit resultiert in schweren gesellschaftlichen Problemen. Denn wo sollen die Kinder lernen, dass Grenzen existieren, wenn nicht in der Familie. (kf, 13.7.)

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