Wutanfälle bei Kindern: Neue Trendkrankheit befürchtet

Wutanfälle bei Kindern sind bald nicht mehr einfach nur Wutanfälle: DMDD definiert ab Mai 2013 regelmässige Wutanfälle als psychische Krankheit. Experten befürchten, dass die Diagnose DMDD nach ADHS, dem Asperger Syndrom und der bipolaren Störung, in Zukunft zu den am häufigsten diagnostizierten Trendkrankheiten gehören wird.

Wutanfälle bei Kindern werden bald als DMDD diagnostiziert

Wutanfälle bei Kindern: Wird DMDD die nächste Trendkrankheit? Foto: iStockphoto, Thinkstock.

Die treibende Kraft hinter der neuen Krankheitsdefinition sind amerikanische Kinderpsychiater: Dank der Diagnose DMDD, der Stimmungsregulationsstörung, soll die Anzahl der Diagnosen von bipolaren Störungen verringert werden. Die Symptome können ausserdem genauer definiert werden. Bislang wurde bei regelmässigen Wutanfällen bei Kindern meistens eine bipolare Störung diagnostiziert.

Wutanfälle bei Kindern: Definition einer neuen Krankheit

Ab Mai 2013 wird DMDD, die Stimmungsregulationsstörung, offiziell in die Neuauflage des Katalogs für psychische Störungen, das DSM-5, aufgenommen, wie Spiegel Online am Montag berichtete. DMDD ist die Abkürzung für Disruptive Mood Dysregulation Disorder. Diese Diagnose bezeichnet das Verhalten von Kindern, die von einem Moment auf den anderen vor Wut kochen und um sich schlagen. Zwischen den Wutanfällen wirken diese Kinder gereizt und gleichzeitig betrübt und lustlos. Dieser abrupte Wechsel soll mindestens alle zwei Tage auftreten, damit das Krankheitsbild als erfüllt gilt.

DMDD als Diagnose für Wutanfälle bei Kindern polarisiert

Vielen Forschern und Medizinern bereitet der offizielle Eintrag in den Katalog für psychische Störungen, DSM, Kopfschmerzen. Normalerweise braucht es Hunderte von Studien, bis eine neue Diagnose ins Handbuch aufgenommen wird. DMDD ist erst seit sieben Jahren ein Thema. Als Vergleich: Internetsucht hat es nicht in die Neuauflage des Handbuches geschafft. Besonders lautstark kritisiert der amerikanische Psychiater Allen Frances seine Kollegen: «Statt die Epidemie von Bipolar-Diagnosen einzudämmen, erschafft das DSM-Komitee eine weitere Modekrankheit», schreibt er gemäss Spiegel Online in einem Fachmagazin. Stattdessen würden durch die neue Diagnose künftig noch mehr Kinder zu Unrecht als krank eingestuft und ihnen zu viele Medikamente verabreicht, erklärt der Experte die Problematik.

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