Zu viel Sauberkeit schadet Kindern

Die hygienischen Bedingungen sind heute viel besser als noch vor einem Jahrhundert. Die immer weiter fortschreitenden Verbesserungen der Hygiene haben allerdings auch ihre Schattenseiten. Denn seit Krankheitserreger immer mehr verschwinden, erhöhen sich dagegen die Fälle von Allergien.

Wo vor ungefähr 80 Jahren noch nur jeder Hundertste an einer Pollenallergie litt, ist es heute bereits jeder Fünfte Schweizer. Insgesamt betrachte, stieg die Zahl der Allergien in der Schweiz im letzten Jahrhundert um das Hundertfache.

Eine mögliche Erklärung für diesen enormen Anstieg könnte die verbesserte Hygiene sein. So wurde unter anderem herausgefunden, dass auf Bauernhöfen aufwachsende Kinder und solche, die mehrere Geschwister haben oder schon früh in eine Kindertagesstätte kommen, wesentlich weniger von Allergien betroffen sind. Ebenso selten trifft es Kinder, die in Ländern mit schlechten, hygienischen Verhältnissen leben.

Der Nachteil der guten Hygienebedingungen ist anscheinend, dass sich die Kinder dadurch nicht mehr frühzeitig mit einer Vielzahl an Erregern auseinandersetzen müssen. Das brauchen sie aber, damit ihr Immunsystem sich aufbauen kann. Die Hygiene deshalb insgesamt herabzusetzen ist natürlich keine Option, da dadurch noch wesentlich schlimmere Krankheiten auf die Kinder zukommen könnten, als ein Heuschnupfen.

Trotzdem sollten Eltern die Kleinen bewusst ab und zu im Dreck spielen lassen. Schliesslich kann man den später wieder abwaschen und die positive Wirkung auf die Abwehrkräfte der Kinder ist nicht zu unterschätzen. Denn nur im Kindesalter werden die Grundlagen für das spätere Abwehrsystem geschaffen. Wenn man erwachsen ist, ist es bereits zu spät.

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