Zwei homosexuelle Frauen kämpfen gegen Verbot der Stiefkindadoption

Homosexuelle Paare dürfen nach dem Schweizer Gesetz keine Stiefkinder adoptieren. Zwei Frauen wollen das ändern und ziehen vor das Bundesgericht.

Maria von Känel und Martina Scheibling leben seit vier Jahren in einer eingetragenen Partnerschaft. Maria von Känel ist die leibliche Mutter eines Sohnes und ihre Partnerin Martina Scheibling ist die leibliche Mutter einer Tochter. Mithilfe von Samenspenden konnten sich die Frauen den Kinderwunsch erfüllen.

Doch was ihnen bisher verwehrt wird, ist die Adoption des jeweils nicht leiblichen Kindes. «Wenn eine von uns stirbt, bekommt die Partnerin nicht automatisch das Sorgerecht», sagte von Känel gestern dem Tagesanzeiger Online. «Sie muss sich einer Prüfung durch die Behörden unterziehen. Das ist eine Tragödie – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie nebenher noch den Verlust ihrer Partnerin verkraften muss.»

Nach dem Schweizer Gesetz dürfen homosexuelle Paare keine Stiefkinder adoptieren und auch gemeinschaftlich keine fremden Kinder adoptieren. Das darf nur, wer verheiratet oder Einzelperson ist. Im Jahr 2005 fand das Partnerschaftsgesetz beim Volk wohl nur deshalb eine Mehrheit, weil es explizit ein Adoptionsverbot beinhaltete, heisst es beim Tagesanzeiger.

Nun beantragt Maria von Känel am 5. Mai am Bundesgericht Lausanne die Stiefkindadoption für ihre nicht leibliche Tochter Sina. Bisher wurde ihr Antrag durch alle anderen Instanzen abgelehnt. Sollte auch das Bundesgericht den Antrag ablehnen, wollen die beiden Frauen vor den Europäischen Menschengerichtshof in Strassburg ziehen.

Neben dem juristischen setze das Paar auf den politischen Weg, heisst es im Bericht des Tagesanzeiger weiter. Im Nationalrat seien derzeit zwei Motionen hängig: Die grüne Zürcher Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber fordere die Aufhebung des Adoptionsverbots für Personen in eingetragenen Partnerschaften. Der Zürcher SP-Regierungsrat Mario Fehr wolle gleichgeschlechtlich orientierten Frauen und Männern in eingetragenen Partnerschaften die Stiefkindadoption erlauben. Zwar habe der Bundesrat die beiden Motionen im vergangenen September zur Ablehnung empfohlen. Doch die Behandlung stehe noch aus.

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