Zweisprachige Kinder: Wie entwickeln sie sich wirklich?

Früher ertönten noch die Alarmglocken, wenn eine Familie den Nachwuchs mehrsprachig erzog. Heute kriegen Eltern von fremdsprachlicher Frühbildung nicht genug. Was Zweisprachigkeit aber wirklich zur Entwicklung eines Kindes beiträgt, sollen kanadische Forscher herausgefunden haben.

Zweisprachigkeit: Was bringt sie wirklich?

Kinder, die zweisprachig erzogen werden, haben ein besseres Sprachbewusstsein. Foto: © Christian Schwier - Fotolia.com

Kinder, die zuhause mehr als eine Sprache erlernen, haben ein ausgeprägteres Sprachbewusstsein als ihre einsprachigen Altersgenossen. Studien, welche diese Tatsache beweisen, gibt es schon zuhauf. Eine kanadische Forschergruppe der York University präzisiert laut der Nachrichtenplattform pressetext kürzlich diese bereits bestehenden Fakten und entschärft den Fremdsprachen-Trend.

Untersucht wurden 100 Sechsjährige, die entweder eine einsprachige Erziehung genossen oder aber neben der englischen Sprache auch noch die französische, chinesische oder spanische erlernten. Zweisprachige Kinder schnitten zwar bei verbalen und nonverbalen Denkaufgaben durchgehend besser ab, wie pressetext berichtet. Studienautorin Ellen Bialystok möchte deswegen aber keine voreiligen Schlüsse ziehen: «Es bestanden vor allem die Kinder die Tests sehr gut, deren zwei erlernte Sprachen eine ähnliche Struktur vorweisen.» Zudem sei die Studie lediglich in englischer Sprache durchgeführt worden – Erkenntnisse über die Fähigkeiten in den anderen Sprachen erlangten die Forscher so nicht.

Positive Beobachtungen zum Thema Zweisprachigkeit lösen bei vielen Eltern eine regelrechte Frühförderung-Hysterie aus. Fremdsprachenkurse für Vorschulkinder sind stark im Trend. Die deutsche Zweisprachigkeits-Forscherin Anja Leist-Villis warnt gegenüber pressetext vor diesem Spracherwerb im Überfluss. «Kinder lernen dabei meist bloss, dass es andere Sprachen gibt, vergessen das Gelernte aber meist wieder, wenn es für sie keine emotionale Bedeutung hat.» Auch zuhause sollten Eltern die Kinder und sich lieber nicht mit zu vielen Sprachen überfordern. «Man sollte als Elternteil mit dem Kind lieber die eigene Muttersprache sprechen. Nur wenige beherrschen eine Fremdsprache derart gut, dass sie dabei alle emotionalen Feinheiten abdecken.» Besser sei es, so Leist-Villis, dem Nachwuchs die Freude an der Sprache durch Lieder, zweisprachige Bilderbücher oder Spiele näherzubringen.

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