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Nachhaltiger Adventskalender: Weniger Konsum, mehr gemeinsame Zeit

In vielen Familien gehört der Adventskalender fest dazu. Oft steckt hinter jedem Türchen ein kleines Spielzeug, eine Süssigkeit oder ein Beauty-Produkt. Für Kinder fühlt sich das aufregend an, für dich als Elternteil bedeutet es häufig zusätzlichen Konsum, mehr Abfall und Druck, alles rechtzeitig zu besorgen.

Adventskalender aus wiederverwendbaren Stoffbeuteln
Ein nachhaltiger Adventskalender aus Stoff und Naturmaterialien setzt den Fokus auf gemeinsame Zeit statt auf Konsum und Abfall © Muenz / Getty Images

Gleichzeitig wünschen sich viele Familien in der Schweiz eine bewusstere Adventszeit: Du möchtest deinem Kind etwas Spezielles bieten, ohne jeden Tag neue Dinge anzuhäufen. Ein nachhaltiger Adventskalender kann genau das leisten, wenn du den Fokus verschiebst: weg vom täglichen Mini-Kaufimpuls, hin zu Beziehung, Ritualen und ausgewählten, sinnvollen Inhalten.

Viele klassische Kalender bringen nicht nur 24 Inhalte, sondern auch 24 Verpackungen mit sich: Einweg-Schachteln, Plastikblister oder Folien summieren sich. Dazu kommen Produkte, die kurz spannend sind und danach herumliegen oder kaputtgehen. Ein Adventskalender darf Freude machen – entscheidend ist, dass er nicht zum Hauptmotor für Konsum wird, sondern euch als Familie stärkt.

Weniger Verpackung: So planst du den Kalender

Wenn du einen Adventskalender nachhaltiger gestalten willst, hilft eine gute Planung. So reduzierst du Stress, Spontankäufe und Abfall – und kannst die Adventszeit eher geniessen.

  • Einen Kalender zum Wiederbefüllen wählen
    Nimm einen Stoffkalender, kleine Säckli, Gläser oder Kistli, die ihr jedes Jahr wieder braucht. Du kannst sie im Brockenhaus finden oder selbst nähen. So fällt hauptsächlich Verpackung für die Inhalte weg – und dein Kalender wird zur wiederkehrenden Tradition.
  • Verpackung bewusst reduzieren
    Wenn du etwas einkaufst, wähle Produkte mit wenig oder Recyclingverpackung. Lose Schokolade, Nüsse oder Tee lassen sich in kleine Gläser oder Stoffbeutel abfüllen. Für Zettel mit Erlebnissen reichen Papierstreifen, die du aus Altpapier zuschneidest.
  • Regionale und fair produzierte Inhalte bevorzugen
    Achte bei Schokolade, Kakao oder Tee auf verlässliche Labels (z.B. Bio, Fairtrade/Max Havelaar). Das ist kein Perfektionsprojekt, aber ein Hebel, mit dem du Umweltbelastung und soziale Risiken in Lieferketten reduzieren kannst.
  • Inhalte im Voraus planen
    Überlege dir frühzeitig, welche Tage materielle Inhalte haben und welche immaterielle Türchen. Eine einfache Regel, die sich in vielen Familien bewährt: Pro Woche nur ein bis zwei «Dinge»-Türchen, der Rest sind Erlebnisse, Rituale oder kleine Aufgaben. So vermeidest du Last-Minute-Käufe.

Nachhaltig in der Schweiz: 5 Hebel mit grosser Wirkung

Nachhaltigkeit wird alltagstauglich, wenn du nicht alles auf einmal ändern willst, sondern die grössten Hebel nutzt. Die folgenden fünf Ansätze passen gut zur Schweiz und lassen sich mit wenig Aufwand umsetzen – ohne dass dein Kind auf Adventsfreude verzichten muss.

1. Wiederverwendbarer Kalender & Upcycling-Materialien 

Ein wiederverwendbarer Kalender spart jedes Jahr Zeit, Geld und Verpackung. Du kannst Materialien nutzen, die bereits da sind: kleine Konfitürengläser, Stoffsäckli, alte Briefumschläge, Papiersäckli oder Schachteln. Zahlen kannst du mit Klammern, selbst gemalten Etiketten oder wiederverwendbaren Anhängern lösen. Wenn dein Kind gerne bastelt, wird der Kalender selbst schon zum gemeinsamen Projekt.

Für Inspiration eignen sich auch Umweltbildungs-Inputs, wie sie in der Schweiz etwa vom WWF im Bereich Umweltbildung und Familienangebote aufgegriffen werden: Naturmaterialien sammeln, Dinge reparieren statt ersetzen und Rituale mit wenig Ressourcen gestalten.

2. Secondhand & Tauschen 

Wenn dein Kind sich «etwas Kleines» wünscht, ist Secondhand oft die nachhaltigste Wahl. In vielen Schweizer Gemeinden findest du Brockenhäuser (Brocki), Spielzeug- und Kinderkleiderbörsen oder Tauschbörsen. Für den Adventskalender eignen sich besonders gut:

  • Mini-Bücher, Pixi-ähnliche Hefte, kleine Rätselbücher
  • Ein einzelnes Puzzle oder Kartenspiel (komplett, gut erhalten)
  • Duplo-/Lego-Teile oder Figuren als Ergänzung statt Neu-Set

Praktisch: Du kannst vor dem Verpacken prüfen, ob alles vollständig ist – so bleibt die Freude gross und der Frust klein.

3. Consumables statt Plastik 

«Consumables» sind Dinge, die im Alltag oder beim Kreativsein wirklich aufgebraucht werden. Sie erzeugen weniger «Dauer-Kram» im Kinderzimmer als kurzlebige Plastikgadgets. Gute Beispiele:

  • Ein guter Klebestift, Washi-Tape aus Papier, ein schöner Bleistift
  • Ein kleines Set Trinkhalme aus Edelstahl für die ganze Familie oder ein wiederverwendbarer Znüni-Behälter als Wochenhighlight
  • Knetmasse oder Fingerfarben in sinnvoller Menge (nicht jeden Tag, sondern gezielt)
  • Samen oder kleine Anzuchtideen fürs Frühjahr (z.B. Kresse, Balkonkräuter)

Ein hilfreicher Kniff: Plane bewusst «Süssi-Tage» und kombiniere sie mit anderen Türchen (z.B. Geschichte, Bewegung, gemeinsames Backen), statt 24-mal Zucker als Standard zu setzen.

4. Regionale Erlebnisse

Erlebnisse sind oft das, woran sich Kinder am längsten erinnern. Und sie lassen sich regional und ressourcenschonend gestalten: zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem ÖV. Ideen, die in vielen Regionen der Schweiz funktionieren:

  • Laternen- oder Taschenlampenspaziergang im Quartier
  • Winter-Picknick im Wald mit warmem Tee (Thermosflasche)
  • Ein Besuch in Bibliothek oder Ludothek (ausleihen statt kaufen)
  • Ein «Museums-Minibesuch» oder ein kurzer Ausflug in ein nahegelegenes Naturzentrum (vorher Zeitfenster, Budget und Anreise klären)
  • Eine ÖV-Fahrt «einfach so» mit dem Ziel: Aussichtspunkt, Spielplatz, Seeufer

Für Kinder kann es hilfreich sein, wenn Erlebnisse konkret sind: «Heute 30 Minuten Schlittschuhlaufen» oder «Heute suchen wir drei Tierspuren» wirkt greifbarer als «Wir machen etwas Schönes».

5. Spenden & Teilen: Schweizer Anlaufstellen

Teilen kann im Advent ein starkes, verbindendes Thema sein – ohne moralischen Druck. Du kannst einzelne Türchen so gestalten, dass dein Kind aktiv mitentscheidet: «Wir wählen gemeinsam ein gut erhaltenes Spielzeug aus, das wir weitergeben.» Oder: «Wir spenden heute einen kleinen Betrag aus dem Adventsbudget.»

Wenn du Spenden einbauen möchtest, helfen dir in der Schweiz anerkannte Anlaufstellen und Transparenzstandards, zum Beispiel ZEWO (Spendenzertifizierung) sowie Organisationen wie Caritas Schweiz oder Winterhilfe Schweiz. Wichtig: Mach es kindgerecht. Ein kleines Ritual (gemeinsam auswählen, kurz darüber sprechen, Briefli schreiben) wirkt oft stärker als eine grosse Summe.

Mini-Checkliste: Nachhaltig ohne Verzicht

  • Plan: Welche 6–8 Tage sind «Dinge», welche 16–18 Tage sind «Erlebnis/Alltag/Teilen»?
  • Wiederverwenden: Kalender, Säckli, Gläser, Etiketten jedes Jahr erneut nutzen.
  • Qualität: Lieber weniger, dafür sinnvoll, langlebig oder verbrauchbar.
  • Regional: Erlebnisse in der Nähe, Anreise möglichst zu Fuss/ÖV.
  • Realistisch: Türchen so wählen, dass sie in euren Alltag passen (Zeit, Energie, Budget).

Ideen für nachhaltige Inhalte

Manchmal wünschen sich Kinder trotzdem etwas zum Anfassen. Du kannst das auf nachhaltige Weise gestalten, ohne dass sich bis Weihnachten ein Berg an neuem Zeug ansammelt.

Essbares und Verbrauchbares

Statt vieler Zuckerbomben eignen sich zum Beispiel:

  • Kleine Portionen hochwertiger Schokolade oder Trockenfrüchte
  • Teebeutel oder Mini-Gewürzmischungen für gemeinsames Kochen
  • Selbst gebackene Guetzli in einem Glas
  • Regionale Spezialitäten vom Markt

Wenn dein Kind sehr auf Süsses fokussiert ist, kann eine klare, ruhige Regel helfen: z.B. «Süsses gibt es an zwei bis drei fixen Tagen pro Woche». Kinder profitieren von verlässlichen Grenzen – vor allem dann, wenn du Alternativen anbietest, die ebenfalls «Belohnungsgefühl» auslösen (Zeit, Mitbestimmung, Nähe).

Sinnvolles und Wiederverwendbares

Wenige, durchdachte Kleinigkeiten können den Alltag deines Kindes bereichern:

  • Ein schöner Bleistift oder Radiergummi für die Schule
  • Ein Secondhand-Mini-Buch oder Hörspiel zum Ausleihen aus Bibliothek oder Ludothek
  • Samen für den Balkon oder das Hochbeet im Frühling
  • Ein Reflektor für den Schulweg im Dunkeln

Hier gilt: Qualität vor Menge. Lieber verteilst du einige dieser Dinge über den Advent, statt jeden Tag ein neues Spielzeug anzubieten.

Immaterielle Türchen: Zeit, Erlebnisse, Rituale

Immaterielle Türchen sind nachhaltig und verbrauchen kaum Ressourcen. Du kannst sie auf kleine Zettel schreiben und in den Kalender legen. Damit sie alltagstauglich bleiben, plane sie so, dass sie an einem normalen Wochentag machbar sind (10–30 Minuten reichen oft). Zum Beispiel:

  • Heute machen wir einen Spaziergang im Dunkeln mit Taschenlampen.
  • Du darfst das Abendessen für die Familie auswählen.
  • Wir lesen deine Lieblingsgeschichte bei Kerzenlicht.
  • Wir basteln zusammen einen Weihnachtsschmuck aus Naturmaterialien.
  • Wir besuchen die Bibliothek und suchen ein Winterbuch aus.
  • Wir machen zu Hause einen Spieleabend ohne Bildschirm.
  • Wir backen deine Lieblingsguetzli.
  • Wir besuchen den Weihnachtsmarkt im Quartier und setzen uns ein Budget.
  • Wir üben zusammen ein Lied, das wir Grosseltern vorsingen.
  • Wir planen einen Nachmittag im Wald mit Feuer und Punsch.

Solche Erlebnisse kosten wenig oder nichts, entlasten dein Budget und stärken gleichzeitig eure Beziehung. Aus entwicklungspsychologischer Sicht sind wiederkehrende Rituale und verlässliche gemeinsame Zeit für Kinder ein wichtiger Schutzfaktor im Alltag, weil sie Zugehörigkeit und Sicherheit vermitteln.

Erwartungen in der Familie klären

Viele Kinder kennen Adventskalender aus Kindergarten, Schule oder Werbung. Vielleicht erwartet dein Kind deshalb einen Kalender mit vielen Geschenken. Rede frühzeitig mit ihm darüber, was euch wichtig ist. So wird die Umstellung nicht als «Wegnehmen», sondern als gemeinsame Entscheidung erlebt.

Du kannst erklären, dass eure Familie dieses Jahr einen nachhaltigeren Adventskalender macht, damit weniger Abfall entsteht und mehr Zeit für euch bleibt. Frag dein Kind konkret, welche Erlebnisse es sich wünscht (z.B. «Backen, Vorlesen, Wald, Schlittschuhlaufen?») und lass es bei zwei bis drei Türchen mitbestimmen. Mitbestimmung erhöht die Akzeptanz deutlich – und reduziert Machtkämpfe am Morgen.

Wenn dein Kind vergleicht («Aber bei anderen gibt es jeden Tag Geschenke»), hilft Empathie plus Klarheit: «Ich verstehe, dass du das auch toll findest. Bei uns machen wir es anders, weil uns gemeinsame Zeit und weniger Abfall wichtig sind.» Kinder können solche Werte lernen, wenn sie wiederholt ruhig und nachvollziehbar erklärt werden.

Ein nachhaltiger Adventskalender hilft dir, den täglichen Mini-Konsumrausch zu bremsen und gleichzeitig echte Freude zu schenken. Im Zentrum stehen Beziehung, Zeit und gut überlegte Inhalte statt möglichst vieler Dinge. Wenn du dieses Jahr mit einigen immateriellen Türchen beginnst, kann sich daraus Schritt für Schritt eine Adventstradition entwickeln, die zu euren Werten, eurem Budget und der Umwelt passt.

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