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Der umgekehrte Adventskalender: Teilen und Solidarität statt Überfluss

In der Schweiz gehört der Adventskalender fast selbstverständlich zur Vorweihnachtszeit. Gleichzeitig leben in der Schweiz mehrere Hunderttausend Menschen, darunter viele Kinder und Alleinerziehende, in Armut oder sind armutsgefährdet. Hier setzt der umgekehrte Adventskalender an.

Adventskalender aus roten Stoffbeuteln
Rote Socken, die gefüllt werden – aber für andere: Eine starke Idee gegen den Überfluss in der Adventszeit und für mehr Solidarität. © LiliGraphie / Getty Images

Was ist ein umgekehrter Adventskalender?

Beim klassischen Adventskalender bekommt dein Kind jeden Tag etwas. Beim umgekehrten Adventskalender gebt ihr jeden Tag etwas: Ihr legt während der Adventszeit Produkte in eine Kiste, die am Ende an Menschen in einer schwierigen Lage gehen. Geeignet sind haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Schreibwaren oder kleine Wärmespender wie Mütze und Socken.

Entscheidend ist nicht, wie viel zusammenkommt. Im Zentrum steht die Erfahrung, dass Teilen möglich ist und anderen gut tut.

Warum Teilen Kinder stärkt

Fachleute aus der Entwicklungspsychologie zeigen, dass Kinder schon im Vorschulalter spontan teilen, trösten und helfen. Solches prosoziale Verhalten stärkt Empathie, Rücksichtnahme und moralisches Denken. Kinder, die erleben, dass ihr Handeln anderen nützt, entwickeln eher Vertrauen in sich selbst und fühlen sich mit ihrer Gemeinschaft verbunden.

Für deine Familie heisst das:

  • Dein Kind erlebt Selbstwirksamkeit
  • Ihr sprecht über unterschiedliche Lebenslagen in der Schweiz
  • Wünsche werden reflektiert, ohne Freude zu verbieten

So setzt du den umgekehrten Adventskalender um

  1. Ziel wählen
    Überlege dir, an wen eure Kiste gehen soll. In Frage kommen z.B. regionale Caritas-Stellen, die Winterhilfe, Sozialdienste deiner Gemeinde oder Abgabestellen von Organisationen wie Schweizer Tafel oder Tischlein deck dich. Viele veröffentlichen im Herbst einfache Wunschlisten.
  2. Kiste vorbereiten
    Sucht eine stabile Schachtel und gestaltet sie kurz gemeinsam. Ein Satz wie „Wir teilen“ reicht. Die Kiste erinnert euch sichtbar an eure Aktion.
  3. Rahmen festlegen
    Berspreche mit deinem Kind:
    • Wie oft ihr etwas hineinlegt: täglich, alle zwei Tage oder nur an den Adventssonntagen
    • Wie hoch euer Gesamtbudget ist
    • Welche Produkte sinnvoll und gut lagerbar sind
  4. Gemeinsam einkaufen
    Beziehe dein Kind bewusst ein. Du kannst sagen: „Heute haben wir fünf Franken für unsere Kiste. Was wäre für eine andere Familie hilfreich?“ Häufig gefragt sind Teigwaren, Reis, Konserven, Duschgel, Zahnpasta, Stifte oder Notizbücher. Frische Produkte sind meist ungeeignet.
  5. Übergabe organisieren
    Klärt frühzeitig, wo und wann ihr die Kiste abgeben könnt, und nimm dein Kind möglichst mit. So wird sichtbar, dass hinter eurer Kiste echte Menschen und Einrichtungen stehen.

Altersgerechte Begleitung

Vorschulkinder verstehen Armut nur begrenzt. Einfache Sätze genügen: „Es gibt Familien, die haben weniger Geld. Wir teilen ein bisschen mit ihnen.“ Wichtig ist, deinem Kind Sicherheit zu geben, damit keine Angst um die eigene Familie entsteht.

Mit Schulkindern kannst du konkreter werden:

  • Unterschiede bei Ferien, Hobbys oder Wohnsituation ansprechen
  • Gemeinsam überlegen, was ein Kind brauchen könnte
  • Dein Kind Ideen für den Inhalt der Kiste sammeln lassen

Bei Jugendlichen kann der umgekehrte Adventskalender der Start für eigenes Engagement sein, etwa eine Sammelaktion der Klasse oder im Jugendtreff.

Chancen und Grenzen

Ein umgekehrter Adventskalender kann das Wir-Gefühl stärken, Gespräche über Gerechtigkeit und Dankbarkeit öffnen und helfen, Wunschlisten zu relativieren. Gleichzeitig darf die Aktion euch nicht überfordern. Wenn euer Budget knapp ist oder die Adventszeit ohnehin dicht ist, reduziert die Anzahl Tage, arbeitet mit kleinen Beträgen oder kombiniert Sachspenden mit Zeitspenden wie Karten für ein Altersheim.

Ein starkes Zeichen der Solidarität in der Adventszeit

Der umgekehrte Adventskalender hilft deiner Familie, die Adventszeit bewusster zu gestalten und einen Gegenpol zum Konsum zu setzen. Dein Kind erfährt, dass Teilen konkret möglich ist und dass Solidarität im Alltag beginnt. Schon eine einfach gefüllte Kiste und ehrliche Gespräche können eure Adventszeit verändern.

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