Freizeit > FesteDas erste Weihnachtsfest nach der Trennung Luisa Müller Weihnachten kann sich nach einer Trennung sehr anders anfühlen. Vielleicht hast du ein schlechtes Gewissen, weil dein Kind zwischen zwei Haushalten pendelt. Vielleicht gibt es Streit um den Heiligen Abend. Oder du fragst dich, wie ihr als Patchworkfamilie alle unter einen Hut bringen könnt. In der Schweiz erleben jedes Jahr über 12’000 Kinder die Scheidung ihrer Eltern. Für viele von ihnen sind gerade die Feiertage eine besondere Belastung. Wir zeigen dir, wie du Weihnachten so gestaltest, dass dein Kind Sicherheit und möglichst viel Geborgenheit erlebt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Auch nach der Trennung: Geborgenheit und Sicherheit für das Kind stehen im Zentrum, wenn das erste gemeinsame Weihnachtsfest in getrennten Haushalten gefeiert wird. © fotodrobik / Getty Images Das erste Weihnachten nach einer Trennung ist besonders sensibel. Kinder aus geschiedenen Familien haben ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen im Jugend- und Erwachsenenalter haben, zum Beispiel für Depressionen. Dies gilt insbesondere bei sehr konfliktgeladenen Trennungen. Entscheidend ist also weniger die Scheidung an sich, sondern wie du und dein Ex-Partner als Eltern miteinander umgehen. Feiertage verstärken Gefühle. Erwartungen an «harmonische Weihnachten» treffen auf Stress, Alleinsein, finanzielle Sorgen und ungelöste Konflikte. Loyalitätskonflikte von Kindern zeigen sich an Weihnachten besonders; Kinder haben das Gefühl, sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen. Für dich als Elternteil bedeutet das: Je klarer und ruhiger du planst, desto sicherer fühlt sich dein Kind. Je weniger Konflikte dein Kind erlebt, desto entspannter werden die Feiertage. Was Kinder an Weihnachten wirklich brauchen, sind: Vorhersehbare Abläufe Dein Kind möchte früh wissen, wo es wann feiert, wer dabei ist und wie die Tage ungefähr aussehen. Spontane Planänderungen stressen. Loyalitätsentlastung Dein Kind soll spüren dürfen: Es ist in Ordnung, beide Eltern zu lieben. Es muss sich nicht entscheiden. Sätze wie «Wenn du zu Papa gehst, bin ich allein» belasten. Emotionale Sicherheit Ein ruhiger Umgangston, keine abwertenden Bemerkungen über den anderen Elternteil und kein Streit bei der Übergabe. Kindgerechte Übergaben Übergaben sind für viele Kinder der schwierigste Moment. Fachartikel empfehlen kurze, sachliche Übergaben ohne Diskussionen über Streitpunkte. Mitsprache dem Alter entsprechend Ältere Kinder haben oft klare Vorstellungen, wo sie wann sein möchten. Nimm diese ernst und prüfe gemeinsam, was möglich ist. Wenn Du Dir dessen bewusst bist, hast Du schon einen grossen Schritt erreicht. Diese fünf konkrete Planungsschritte helfen Dir, trotz der schwierigen Situation der Scheidung ein schönes Weihnachtsfest zu schaffen. Schritt 1: Kläre deine eigenen Erwartungen Nimm dir kurz Zeit und schreibe dir auf: Was ist dir an Weihnachten wichtig Was war für dein Kind früher besonders schön Wo bist du flexibel, wo nicht So erkennst du, welche Punkte du in Gesprächen mit dem anderen Elternteil ansprechen solltest. Schritt 2: Frühzeitig planen Versuche, spätestens im Herbst mit dem anderen Elternteil zu sprechen; bei sehr angespannten Situationen ruhig noch früher. Hilfreiche Fragen sind u.a.: Wer ist wann im Urlaub oder beruflich eingespannt Gibt es familiäre Traditionen, die einem von euch sehr wichtig sind Wie viel Reisezeit ist für das Kind verkraftbar Halte eure Abmachung schriftlich fest, zum Beispiel in einer kurzen Mail. Das verhindert Missverständnisse und gibt dir Sicherheit. Schritt 3: Ein faires Modell für die Feiertage wählen Es gibt verschiedene Modelle. Wichtig ist, dass du dich am Wohl deines Kindes orientierst, nicht an «Rechten» oder dem Wunsch nach «Gerechtigkeit auf dem Papier». Mögliche Modelle: Jährlicher Wechsel Ein Jahr verbringt das Kind Heiligabend bei dir, das nächste Jahr beim anderen Elternteil. Die Feiertage danach werden entsprechend angepasst. Dieses Modell ist oft für Schulkinder und Jugendliche praktikabel. Aufteilung der Feiertage Heiligabend bei einem Elternteil, der erste Feiertag beim anderen. Achte darauf, dass Reisezeiten überschaubar bleiben. Für jüngere Kinder ist es oft besser, längere zusammenhängende Zeit bei einem Elternteil zu haben als viele kurze Wechsel. Zweites Weihnachten Du feierst mit deinem Kind an einem anderen Tag «euer» Weihnachten, zum Beispiel am 26. Dezember oder am Wochenende davor oder danach. Viele Kinder schätzen es, zweimal feiern zu dürfen, wenn der Rahmen ruhig und liebevoll ist. Gemeinsames Feiern Wenn ihr als Eltern respektvoll miteinander umgehen könnt, kann ein gemeinsames Weihnachtsessen eine gute Lösung sein. Das funktioniert aber nur, wenn dein Kind nicht in unausgesprochene Spannungen gerät und neue Partner damit einverstanden sind. Hier ist Ehrlichkeit wichtiger als der Wunsch, nach aussen «harmonisch» zu wirken. Schritt 4: Klare Regeln für Geschenke und Finanzen Um Stress zu vermeiden, hilft eine einfache Abmachung: Wer schenkt was Grober finanzieller Rahmen je Elternteil Viele kleine Geschenke oder ein grösseres pro Elternteil Wenn möglich, tauscht ihr eine kurze Geschenkliste aus. So vermeidet ihr Doppeltes und Konkurrenz. Für Kinder ist es entlastend, wenn du ihnen vermittelst: «Es geht nicht darum, wer dir mehr schenkt; wichtig ist, dass du dich freuen kannst.» Schritt 5: Übergaben bewusst gestalten Plane Übergaben so, dass sie für dein Kind möglichst angenehm sind: Neutrale Orte wählen, zum Beispiel vor der Haustür oder beim Bahnhof Zeitlich so legen, dass das Kind nicht mitten aus einem Spiel gerissen wird Gespräch an der Übergabe kurz und sachlich halten Konfliktthemen auf später verschieben, ohne Kind Generell ist in all diesen Schritten eine gute Kommunikation wichtig. Kinder spüren sehr genau, wie es ihren Eltern geht. Gleichzeitig brauchen sie klare, altersgerechte Informationen statt Andeutungen. Hilfreiche Grundsätze sind hier: Erkläre kurz und einfach, wie Weihnachten dieses Jahr abläuft. Wiederhole das bei Bedarf. Mach deutlich, dass die Trennung eine Entscheidung der Erwachsenen ist und dein Kind keine Schuld trägt. Erlaube gemischte Gefühle: Freude, Traurigkeit, Wut. Du kannst sagen: «Es ist ok, wenn du dich freust und gleichzeitig traurig bist.» Verbiete deinem Kind nicht, vom anderen Elternteil oder dessen Familie zu erzählen. Interessiere dich, ohne zu bohren. Wenn du selbst sehr belastet bist, hilft ein kurzer Satz wie: «Ich bin heute etwas angespannt, das hat nichts mit dir zu tun.» So schützt du dein Kind vor unnötigen Schuldgefühlen. Weihnachten nach einer Trennung muss nicht perfekt sein, damit es deinem Kind guttut. Entscheidend sind drei Punkte: Du nimmst die Perspektive deines Kindes ernst und planst entsprechend. Du hältst Konflikte so weit wie möglich von deinem Kind fern. Du achtest auch auf deine eigene Kraft und holst dir Hilfe, wenn es nötig ist. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Aber du kannst die kommenden Feiertage aktiv gestalten. Jeder kleine, bewusste Schritt in Richtung Klarheit und Ruhe hilft deinem Kind, Weihnachten als Zeit der Verbundenheit zu erleben.