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Kleine Hände, grosse Töne! So finden Kinder das richtige Musikinstrument

Ihr Kind möchte ein Musikinstrument lernen. Das ist schön! Nur welches ist das richtige? Die Antwort ist ganz einfach, glaubt Musikpädagogin Deborah Wolan - und gibt Tipps, wie die Freude daran lange anhält.

Musikinstrumente für Kinder: Die Begeisterung wählt! So finden Eltern mit Ihren Kindern das passende Instrument.

So schön das Klavier auch ist, wenn ein Kind sich abmüht, ist es immer das falsche Instrument. Bild: iStock

Schon Babys lieben Musik. Zu fröhlicher Musik strampeln sie kräftig mit, bei langsamer, ruhiger Musik beruhigen sie sich. Musik ist pure Emotion, sie geht direkt in Bauch und Herz und ist für alle Kinder, unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht, ob mit oder ohne Handicap eine wunderbare Art sich auszudrücken. 

«Denn wirklich unmusikalische Kinder gibt es nicht — es gibt höchstens Kinder, die musikalisch nicht gefördert wurden», glaubt die Schweizer Musikschule Kreuzlingen. Musik verbindet und kann grundsätzlich von jedem Kind erlernt werden.

Guter Anfang: Schnupperkurse zum Entdecken 

Bevor ein Kind lernt, mithilfe eines Musikinstruments seine Gefühle auszudrücken, kann es elementare Erfahrungen bei sogenannten Kursen der «Musikalischen Früherziehung» in einer Musikschule machen. Hier liegt das Einstiegsalter in der Regel bei drei Jahren. Kinder lernen, sich zur Musik zu bewegen, zu tanzen und zu singen, und bekommen ein erstes Gefühl für Rhythmus und Klang. Oft dürfen Kinder hier auch schon unterschiedliche Blas-, Streich-, Zupf-, Schlag- oder Tasteninstrumente ausprobieren und ihre Vorlieben entdecken. 

Alternativ sind Schnupperskurse in Musikschulen oder Musikfachgeschäften für die Wahl des richtigen Instruments zu empfehlen. Ein Verzeichnis aller Musikschulen in Ihrer Nähe finden Sie hier. Oft veranstalten diese regelmässig Instrumente-Vorstellungen für Kinder und Eltern. Auch Musikfachgeschäfte können gute Ratgeber sein. Beispielsweise Musik HUG bietet in Zürich und Luzern gegen eine Gebühr musikpädagogische Beratungen sowie Spielnachmittage zum Schnuppern an. So kann das Kind zusammen mit anderen Kindern oder in einer Einzelberatung mit diplomierten Musikpädagogen leicht und spielerisch sein Wunschinstrument finden.

Ab welchem Alter sollten Kinder ein Instrument erlernen?

Ab welchem Alter macht es Sinn Kinder ein Instrument lernen zu lassen? Eine Musikpädagogin gibt Auskunft.

Für Spass an der Musik ist es nie zu früh. Es muss ja nicht gleich das grosse Schlagzeug sein.  Bild: E+

Viele Instrumente gibt es in Kindergrössen und können Kinder bereits mit vier oder fünf Jahren erlernt werden. «Ein ideales Einstiegsalter gibt es aber nicht», betont Deborah Wolan, zuständig für die musikpädagogische Beratung im Musikfachgeschäft Musik HUG in Zürich. «Das wichtigste ist die Freude an der Musik.» So kommt es immer wieder vor, dass besonders musikalische Kinder schon mit drei oder vier ihr Lieblings-Instrument entdecken, aber auch das Kinder mit fünf oder sechs Jahren lieber Velo fahren als Klavier üben wollen und erst später den Weg zur Musik finden. Und das ist auch völlig in Ordnung. Wenn Kinder nicht aus eigenem Antrieb ein Instrument erlernen wollen, macht es Sinn das Thema auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. Druck und Zwang können den Spass am Musizieren ein Leben lang verleiden.

Das Warten und die Entscheidung zu vertagen, kann sich auch lohnen. Zwar gibt es inzwischen fast alle Instrumente in Kindergrössen, aber nicht in jedem Alter gelingt allen Kinder der Anfang gleich gut. Frühe Misserfolge können auf manche Kinder demotivierend wirken. Eine Violine verlangt beispielsweise viel Ausdauer, die noch nicht alle Vier- oder Fünfjährigen entwicklungsbedingt aufbringen können. Auch das Schlagzeug ist bei vielen Kindergartenkindern beliebt, die motorischen Voraussetzungen sind aber in der Regel erst ab etwa acht Jahren vorhanden. Als guter Einstieg in die Musik werden daher oft auch einfachere Instrumente wie Blockflöte, Melodica, Glockenspiel oder Percussions wie Triangel oder Tamburin, an denen sich schnell Fortschritte erzielen lassen. Anschliessend kann dann das gewünschte Herzinstrument ausgewählt werden.

Auch Klavier oder Gitarre sind beliebte Anfangs-Instrumente für Kinder. Hier können Kinder ab fünf in den Unterricht einsteigen. Mit Blechblasinstrumente wie Trompete oder Posaune sollten frühestens ab dem Primarschulalter begonnen werden, nach dem die Schneidezähne voll ausgebildet sind.

Welches Instrument passt zu Ihrem Kind?

Ein Kind sollte nicht Klavier spielen lernen, nur weil ein Klavier im Wohnzimmer steht. «Wenn das Kind selbst das Musikinstrument auswählen kann, ist die Motivation am grössten.», sagt Deborah Wolan. 
Das Kind muss ein Instrument spielen wollen und sich damit identifizieren können. Ein Instrument ist oft dann das richtige, wenn es das Kind begeistert – wenn es das Instrument gern in die Hand nimmt und es seinen Klang liebt. 

Welche Musik Ihr Kind begeistert, Klassik, Rock, Jazz oder Pop, ist bei der Wahl des Instruments ebenso entscheidend. Das Instrument sollte es dem Kind ermöglichen mittelfristig die Musik zu machen, die es auch gerne hört.

Die beliebtesten Musikinstrumente für Kinder 

Ab wann sich ein Start lohnt, wie viel Üben notwendig ist und was ein qualitativ hochwertiges Instrument kostet.

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Die Freude am Instrument ist das wichtigste Kriterium. Illustration: iStock

Blockflöte

Die Blockflöte wird besonders häufig als Einstiegsinstrument empfohlen, weil auch Kinder ihr ohne Vorwissen intuitiv Töne entlocken können und schon nach wenigen Wochen die richtige Fingertechnik erlernt haben, um ganze Lieder zu spielen. Die Blockflöte wird in der Gruppe unterrichtet. Ermutigend zum Anfang. Viele Kinder suchen sich erst nach dem Flötespielen ihr eigentliches Instrument aus. Haben Kinder Spass am Instrument ist der Übergang zu Querflöte oder Klarinette empfehlenswert.

Kosten: ab ca. 30 Franken 
Alter: ab 4-5 Jahren

Geige

Die Geige ebnet den Weg in die Haus- und Kammermusik sowie in Sinfonieorchester. Kinder, die sich bereits in frühen Jahren für klassische Musik begeistern und auch über genügend Durchhaltevermögen für technische Übungen verfügen, könnten Kandidaten für die Geige sein. Kinder können den Bogen heraushaben, wenn sie regelmässig unterrichtet werden und täglich zwei Mal 10 bis 15 Minuten üben. Ein Zusammenspiel im Orchester ist nach zwei bis drei Jahren Üben möglich. Ein Instrument, das man lernen wollen muss.

Kosten: ab ca. 800 Franken
Alter: ab ca. 4 Jahren

Klavier

Das Klavier gilt als die Mutter aller Instrumente, weil es so vielseitig als Solo- und Begleitinstrument für Klassik, Jazz, Pop oder Rockmusik geeignet ist. Am Klavier haben insbesondere Kinder mit einer guten Auffassungsgabe und motorischen Geschick Freude. Ab ca. fünf Jahren können Kinder erste Melodien spielen. Wer täglich 15 bis 30 Minuten übt und regelmässig Einzelunterricht erhält, macht schnell Fortschritte. Ein schönes, aber auch sehr teures und lautes Instrument und eine Anschaffung, die auch von Eltern gut überlegt werden muss.

Kosten: ab ca. 5’000 Franken 
Alter: ab 5 Jahren

Gitarre

Zum besonderen Reiz der Gitarre gehört, dass man schon mit wenigen Grundlagen komplette Songs begleiten kann. Schon nach einem Jahr kann das Kind mit anderen Musik machen, zum Beispiel im Bereich Pop, Rock, Folk, Jazz. Spezielle Kindergitarren sind auch für kleine Hände und damit für Kinder ab fünf bis neun Jahren geeignet. 15 bis 20 Minuten Übung am Tag macht den Meister. Ab 10 Jahren ist der Übergang zur E-Gitarre möglich.

Kosten: Gitarren gibt es in allen Preisklassen, bleibt das Kind dran, lohnt es sich in Qualität zu investieren
Alter: ab 5 Jahren

Trompete

Kräftig ist der Klang der Trompete, die sich wegen der Mundansatz-Technik in der Regel frühestens ab sieben bis neun Jahren erlernen lässt. Am Anfang reichen täglich zwei Mal 15 Minuten Trainingszeit. Die Trompete ist ein anpassungsfähiges Orchester-Instrument, denn sie lässt sich gut mit anderen Musikinstrumenten und Musikstilen wie Jazz, Blues, Volksmusik, Popmusik und Klassik kombinieren. Kinder haben häufig Spass in einer Big Band oder einem Posaunenchor mitzuspielen.

Kosten: ab ca. 800 Franken
Alter: ab 7 Jahren

Schlagzeug

Das Schlagzeig setzt eine sehr gutes Rhythmusgefühl und Koordinationsfähigkeit von Armen und Beinen voraus. Ab etwa acht Jahren ist ein Kind motorisch in der Lage, das Schlagzeugspiel zu erlernen. Vorher bieten einfache Perkussioninstrumente einen guten Einstieg in die rhythmische Musik. Üben sollten Schlagzeuganfänger am besten täglich 20 bis 40 Minuten. Nach ein bis zwei Jahren Unterricht ist es möglich, zusammen mit anderen zu Musik zu machen.

Kosten: um 1'500 Franken
Alter: ab 8 Jahren

10 Dinge, die Ihr Kind zum Üben motivieren

Instrument ist gekauft, das Kind ist bei der Musikschule angemeldet, aber nicht selten verliert das Kind schon sehr bald die Lust am Üben. Das heisst nicht unbedingt, dass Kind keine Freude am Musizieren hat, oft braucht es einfach mehr Unterstützung. Zehn Tipps, wie Musikinstrumente Kinder mehr Spass machen.

1 Gute Beziehung zur Lehrperson

Was ist wichtig, um die Freude am Instrument spielen zu erhalten? Ganz vorn liegt für die Musikpädagogin Deborah Wolan die gute Beziehung zur Lehrperson. «Die Schüler lernen am besten in einer Lernumgebung, in der sie sich wohl fühlen.» Das beste Zeichen dafür ist, wie sich das Kind vor und nach den Stunden verhält. «Der Unterricht ist dann gut, wenn das Kind gern hingeht und ihn mit einem positiven Gefühl wieder verlässt. Das Kind wird gefordert, ohne unter- oder überfordert zu werden.»

2 Fortschritte sichtbar machen

Grundlage dafür, dass das Kind lange und gern sein Instrument spielt, ist auch ein guter Unterricht, der dem Kind die eigenen Fortschritte immer wieder bewusst macht. Die Lehrperson solle von Anfang an kleine Ziele wie Vortragsübungen und Konzerte organisieren, rät Wolan. 
Auch bei der Stücke-Auswahl solle das Kind Wünsche einbringen dürfen. Ausserdem sei es wichtig, dass der Unterricht sowohl Technik als auch Improvisation beinhalte. 

3 Musizieren ist keine Pflicht

Manchmal fehlt die Disziplin, denn Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie wollen tun, was ihnen im Augenblick Spass macht. Typischen Eltern-Aussagen
Wie «Lena! Du musst heute noch Flöte üben!» oder «Jasper, das war doch keine Viertelstunde Gitarrenspiel!» entmutigen oft mehr als sie helfen. Wenn das Üben zur Pflicht oder zur Arbeit wird, beginnen Kinder zu schummeln und sich zu verweigern.

4 Genug Freizeit

Das Wichtigste beim Erlernen eines Instrumentes ist die Motivation. Aber auch Zeit spielt eine Rolle. Kinder, die bereits ein ausgefülltes Nachmittagsprogramm haben, wollen lieber spielen als üben. Wer also ein Kind ein Instrument lernen lässt, sollte darauf achten, dass es sowohl Zeit zum Üben und auch für Entspannung findet.

5 Wertschätzung 

Wenn ein Kind lernt, ein Instrument zu spielen, können Töne anfangs grässlich schräg klingen. Doch auch dann, wenn die Klänge an den Nerven sägen, ist es wichtig, alle Bemühungen des Kindes wertzuschätzen. Toll, dass es trotz  Frustrationen weiterübt! Wenn es Ihr Kind motiviert, sollten sie sich dazusetzen, zuhören oder mitsingen.

6 Wohlfühlort

Wenn es wegen des Schlagzeugs nicht der schallabgedichtete Keller sein muss, sollte Ihr Kind an einem Ort üben dürfen, an dem es sich wohl fühlt und nicht gestört wird.

7 Musikgenuss vom Sofa 

Am Abend auf dem Sofa kuscheln und die Musik der Helden des Kindes hören oder ihm neue Stücke vorstellen und sich darüber austauschen – das ist gemütlich und fördert die gemeinsame Freude an der Musik. 

8 Live-Erlebnisse

Musikauf Platte ist aber nie zu vergleichen mit einem Live-Erlebnis. Von HipHop bis Sinfonieorchester, Konzertbesuche in denen das Instrument des Kindes eine tragende Rolle spielt ist, sind oft besonders motivierend.

9 Band oder Orchester

Immer alleine vor sich hin spielen? Da kann einem schon mal die Puste ausgehen. Mit anderen Kindern Musikmachen, motiviert oft mehr. Informieren Sie sich, welche Angebote es gibt.

10 Ein bisschen Hausmusik

Wer selbst als Kind ein Instrument gelernt hat, sollte es spätestens jetzt hervorholen und sich wieder einstimmen. Lässt sich ein Stück mit dem Kind zusammen lernen und spielen? 

Wenn das Kind trotzdem die Lust am Spielen verliert

Eltern wünschen sich, dass das Kind lange sein Instrument spielt. Wenn es nach zwei Jahren oder später die Lust verliert, macht es allerdings wenig Sinn, darauf zu pochen, weitermachen zu müssen. Schon jetzt hat es eine musikalische Grundausbildung erhalten. Ein neues Hobby erweitert seinen Erfahrungsschatz. Und als Musikhörer und Konzertbesucher kann die Musik unbegrenzt Teil des Lebens bleiben. 

Tipp: Musikinstrumente mieten oder gebraucht kaufen

Eine sinnvolle Variante für den Anfang sind Miet-Instrumente, wie sie in vielen Musikfachgeschäften erhältlich sind. Auch gebrauchte Instrumente zaubern schöne Klänge. Die Musikschule Zürich und das Konservatorium Bern haben beispielsweise eine Börse für gebrauchte Instrumente zum Verkaufen und Kaufen eingerichtet.

 

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