Torben Kuhlmann im Interview

«Armstrong»

Die technischen Skizzen wirken so professionell, dass die fantastische Geschichte irgendwie plausibel wird. Bild: Torben Kuhlmann, ©2016 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz

Familienleben: In «Lindbergh» überquert eine Maus in einem selbstgebauten Flugzeug den Atlantik, in «Armstrong» fliegt eine Maus zum Mond. Sie sind unverkennbar begeistert von der Luft- und Raumfahrt. Woher kommt das?

Torben Kuhlmann: Diese Bewunderung für Ingenieurswesen und Erfindungsreichtum war immer schon da. Als Jugendlicher habe ich viele Motive aus der Luftfahrtgeschichte gezeichnet, teilweise auch über mein Bett. Und früher, als ich kleiner war, habe ich versucht, Flugzeuge in Lebensgrösse zu bauen, mit Schrott, den ich wie die Maus aus allen Ecken zusammengetragen habe. Mich fasziniert, dass sich der Mensch alles erarbeiten kann, selbst das Fliegen. Innerhalb von 60 oder 70 Jahren vom ersten Motorflug bis auf den Mond – das ist gewaltig! Meine Faszination habe ich dann in eine parallele Tierwelt versetzt.

Warum ist eine Maus die Sympathieträgerin Ihrer Erzählungen? Warum keine Katze oder ein Hund?

Das hat sich aus der ursprünglichen Idee zu «Lindbergh» ergeben. Ganz zu Anfang stand nur ein Wortspiel: nämlich, dass eine kleine Maus einer Fledermaus begegnet und auf sie eifersüchtig wird. Mit allerlei Ingenieurskunst und Einfallsreichtum will sie nun ebenfalls das Fliegen lernen. Damit war sie als Protagonistin festgesetzt. Zudem brauchte ich ein Tier, das bekannt dafür ist, Diebestouren in der Menschenwelt zu machen. Und der letzte Punkt ist, dass, wenn man eine «realistische» Geschichte machen möchte, es besser ist, wenn man ein Tier mit menschlichen Händen wählt. Nagetiere sind ja durchaus fähig, Sachen zu greifen, und man kann sich eher vorstellen, dass sie damit basteln können, als eine Katze oder ein Hund mit ihren klobigen Pfoten.

Was sollte ein Kind von der Erzählung mitnehmen?

Zum einen Begeisterung, hoffe ich. Armstrong zeigt, selbst die Kleinen können Grosses bewirken. Wenn Kinder sofort anfangen, eigene Sachen zu erfinden oder sich weitere Abenteuer auszudenken, sehe ich: Der Funke der Inspiration ist gesetzt. Andererseits ist in meiner Geschichte auch ein bisschen der Gedanke der Aufklärung zu finden: «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen» und darüberhinaus «Habe Mut, deine Überzeugungen selbst in die Tat umzusetzen».

Könnten Sie uns etwas mehr über Ihre Illustrationstechnik verraten?

Ich arbeite mit einer Mischtechnik. Auf strukturiert feinem Aquarellpapier, das ich auf einem Zeichenbrett aufspanne, fertige ich mit Bleistift und einem sehr feinen Stift eine Vorzeichnung an. Wenn diese steht, koloriere ich sie mit Aquarellfarben. Aquarell eignet sich extrem gut, um Lichtstimmungen zu malen. Ich kann sehr schön mit dem Weiss des Papiers arbeiten, dann begleitend Gelbtöne darüberlegen und damit ein Leuchten erzielen. Das ist zwar schwieriger, als mit den meisten anderen Farben, aber es ist eine Art zu malen, die mir sehr liegt.

Bilder von historischen Reklamebannern, auf Hochglanz polierte Autos oder Zeitungsausschnitte versetzen uns ins New York der 50er Jahre. Wie wichtig ist Ihnen historische Korrektheit?

Sehr wichtig, gerade, wenn man eine solch an den Haaren herbeigezogene Geschichte erzählt. Man entwickelt dadurch ein spannenderes erzählerisches Gesamtpaket, wenn die Welt, in der die Geschichte spielt, so realistisch wie möglich dargestellt ist. Auf dieser Bühne wird dann eine abwegige Story erzählt, die aber dadurch, dass die Kulisse darum herum so authentisch wie möglich ist, eine gewisse Glaubwürdigkeit erhält.

Stichwort Glaubwürdigkeit: Wie gestaltete sich Ihre Recherchearbeit, um die Farbwelt New Yorks glaubhaft einzufangen?

Hauptsächlich durch das Durchwälzen vieler Buchbände. Gerade bei «Armstrong» habe ich im Vorfeld viele Bücher über die US-Geschichte und Fotobände zu New York und zur Raumfahrt angeschaut, um ein Gefühl für die Farbstimmung und die Ästhetik dieser Zeit zu bekommen. Die Mitte der 50er Jahre habe ich eher unbewusst gewählt. Sie steht für eine paranoide Zeit in den USA, als man hinter allen Ecken sowjetische Verschwörungen vermutete. Das bot eine gute Erklärung dafür, warum die FBI-Agenten so bedacht darauf sind, die Maus zu finden. Man hält sie für eine neue Art der Spionage.

Viele Leser fragen sich bereits, wann Sie wohl das nächste Buch veröffentlichen. Was kommt nach dem Mond?

Ideen habe ich schon. Ich brüte gerade massiv darüber. Vor ein paar Monaten hätte ich noch gesagt, jetzt macht die Maus mal Pause. Aber nun kann ich schon sagen: «Ich bin mir ziemlich sicher!»

Torben Kuhlmann

Torben Kuhlmann 

Torben Kuhlmann, geb. 1982, studierte Illustration und Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg. Sein Studium schloss er 2012 mit dem Bilderbuch «Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus» ab. «Lindbergh» avancierte in kürzester Zeit zum Bestseller und ist mittlerweile in über 20 Sprachen erhältlich. 2014 folgte das Bilderbuch «Maulwurfstadt». 

Text und Interview: Fabienne Eisenring / Bilder: Torben Kuhlmann, ©2016 NordSüd Verlag AG, Zürich / Schweiz

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