Gesundheit > AbnehmenGesund und nachhaltig abnehmen: Mit diesen 6 Tipps purzeln die Pfunde Laura Müdespacher Du möchtest ein paar Kilos verlieren, hast schon vieles probiert – und trotzdem klappt es nicht dauerhaft? Oder du nimmst nach einer Diät sogar wieder zu? Das ist frustrierend, aber sehr häufig: Strenge Regeln und «alles oder nichts» führen oft in die Jojo-Falle. Ernährungsexpertin Laura Müdespacher erklärt dir, wie du gesund, alltagstauglich und nachhaltig abnehmen kannst – mit Fokus auf realistische Ziele, sinnvolle Messgrössen und medizinische Sicherheit. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Sport treiben, ausgewogen essen, viel trinken: Gesund und nachhaltig abnehmen ist keine Hexerei! Bild: Wand_Prapan, Getty Images Fühlst du dich unwohl in deiner Haut und würdest gerne ein paar Pfunde verlieren? Schnell ein paar Kilos zu verlieren ist oft möglich – aber genau hier lauert das Risiko: Je radikaler du isst, desto eher reagiert der Körper mit starkem Hunger, weniger Energieverbrauch und späterem Überessen. Nachhaltig bedeutet deshalb: langsam, machbar und so, dass es zu deinem Familienalltag passt. Kurz vorweg: Was ist ein realistisches Ziel? Für die meisten Erwachsenen ist ein moderates Tempo sinnvoll: lieber stetig als extrem. Ein realistisches Ziel ist nicht nur eine Zahl auf der Waage, sondern auch, dass du dich fitter fühlst, besser schläfst, weniger Heisshunger hast und deine Kleidung angenehmer sitzt. Hilfreich sind drei Messgrössen: Gewicht (maximal 1× pro Woche, immer unter ähnlichen Bedingungen) Taillenumfang (1× pro Monat; zeigt Veränderungen am Bauch oft besser als die Waage) Alltagsmarker wie Energie, Hunger-Sättigungsgefühl, Leistungsfähigkeit beim Treppensteigen Wichtig: Wenn du nach Schwangerschaft, in der Stillzeit, bei Schlafmangel oder starkem Stress abnehmen möchtest, gelten teilweise andere Prioritäten (z.B. genügend Energie und Nährstoffe). Weiter unten findest du dazu Sicherheits-Hinweise. 6 Tipps für nachhaltiges und gesundes Abnehmen 1. Kalorien zählen als Einstieg Du musst nicht dein ganzes Leben Kalorien zählen. Aber als Start kann es sehr hilfreich sein, um ein realistisches Gefühl für Portionsgrössen, Energiedichte und «Kalorienfallen» zu bekommen. Sinnvoll ist oft diese Vorgehensweise: 1 Woche tracken, ohne alles sofort umzustellen: Was isst du wirklich – inklusive Snacks, Getränken, Öl beim Kochen, «Probierhäppchen»? Dann 1–2 Stellschrauben wählen statt alles auf einmal zu ändern (z.B. süsse Getränke ersetzen, Protein beim Frühstück erhöhen). Damit du weisst, welche Kalorienanzahl für dich ungefähr passt, ist der tägliche Bedarf entscheidend. Online-Rechner können eine grobe Orientierung sein, sind aber nicht perfekt. In diesem Artikel erkläre ich, wie du deinen Umsatz selbst ganz einfach berechnen kannst und worauf zu achten ist beim Kalorienbedarf. Ganz wichtig: Tracken funktioniert nur, wenn du ehrlich einträgst. Sieh es nicht als Kontrolle, sondern als Lernphase. Und: Ein einzelner Tag sagt wenig aus – entscheidend ist der Wochendurchschnitt. 2. Nie mehr verzichten Wenn du nachhaltig abnehmen möchtest, ist «verbieten» meist keine gute Strategie. Pasta, Schokolade oder Pizza dürfen Platz haben – die Frage ist wie oft und in welchem Rahmen. Ein moderates Kaloriendefizit erreichst du eher, wenn du Genuss bewusst einplanst, statt zwei Wochen streng zu sein und dann in ein «Jetzt ist sowieso alles egal»-Essen zu rutschen. Genuss ist hier zentral: Sobald Essen nur noch mit schlechtem Gewissen verbunden ist, wird es langfristig schwierig. Hilfreich kann sein: Portion bewusst wählen (z.B. Lieblingsschokolade, aber in einer Menge, die sich gut anfühlt). Langsam essen und ohne Ablenkung starten (das erleichtert Sättigung). «Alles oder nichts» ersetzen durch «Was ist heute der nächste gute Schritt?» Wenn du regelmässig starke Kontrollverluste beim Essen erlebst, lies gern zusätzlich den Artikel zu Fressanfällen. In solchen Situationen ist es besonders wichtig, früh Unterstützung zu holen (siehe Abschnitt «Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist»). 3. Kochen: der grösste Hebel im Familienalltag Wenn du öfter selbst kochst, kannst du Zutaten, Portionen und Sättigung viel besser steuern – ohne «Diätgefühl». Setze auf möglichst naturbelassene, abwechslungsreiche Mahlzeiten. Eine einfache, alltagstaugliche Orientierung: Protein zu jeder Hauptmahlzeit (macht satt, hilft beim Muskelerhalt): z.B. Eier, Quark/Joghurt, Hülsenfrüchte, Tofu, Fisch, mageres Fleisch oder pflanzliche Proteinquellen. Gemüse als «Volumen»: sättigt bei relativ wenig Energie und liefert Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Kohlenhydrate passend zur Aktivität: Kartoffeln, Reis, Brot, Vollkornpasta geben Energie und helfen, Heisshunger zu reduzieren – sie müssen nicht «verboten» werden. Fette in guter Qualität: wichtig für Sättigung und Nährstoffaufnahme. Wenn du Mühe hast, auf genug Eiweiss zu kommen (z.B. mit wenig Zeit oder wenig Appetit), können Proteinpuddings oder Pulver in Smoothies eine pragmatische Ergänzung sein. Sie ersetzen aber keine ausgewogene Ernährung. Wichtig: Wähle bevorzugt ungesättigte Fette wie Avocados, Mandeln, Mandelmus, Walnüsse, Leinöl, Chiasamen, Olivenöl oder Fische wie Lachs, Thunfisch, Hering oder Makrelen, die allesamt Omega3-Fette enthalten. Eher die Finger lassen solltest du von vielen gesättigten Fettsäuren aus Wurst, fettem Fleisch und Käse, Butter, Kokos- oder Palmfett oder auch gekauften Backwaren und Süssigkeiten. Typische Stolpersteine in Familien: «Kinder essen anders» oder «für mich lohnt es sich nicht extra». Oft hilft es, eine Basis zu kochen, die alle essen können (z.B. Gemüse, Kartoffeln/Reis), und Protein/Extras individuell zu ergänzen (z.B. zusätzlich Tofu, Fisch oder Hülsenfrüchte). 4. Genug trinken (und Kalorien trinken vermeiden) Trinken ist keine Magie, aber eine wichtige Routine. Als grobe Basis gilt für Erwachsene: mindestens 1,5 Liter pro Tag – bei Hitze, Stillen oder Sport entsprechend mehr. Wenn dir Wasser langweilig ist: Zitronensaft, ungesüsste Tees oder Wasser mit Kräutern/Beeren machen es leichter. Praktisch im Alltag: Stell dir morgens eine Flasche bereit, die du bis Mittag leer trinken möchtest, und eine zweite bis zum Abend. So musst du nicht ständig «mitzählen». Ein grosser Hebel beim Abnehmen sind ausserdem Getränke mit viel Energie: gesüsste Softdrinks, Säfte, gesüsster Eistee, aber auch Alkohol. Viele merken erst beim Tracken, wie stark Getränke das Kaloriendefizit verhindern können. 5. Sinnvolles Training: Kraft plus Alltagbewegung Wähle eine Sportart, die dir wirklich Freude macht – das erhöht die Chance, dass du dranbleibst. Für nachhaltiges Abnehmen ist eine Kombination aus Krafttraining und Ausdauer sinnvoll. Der Fokus darf gern auf Kraft liegen: Mehr Muskelmasse erhöht den Energieverbrauch in Ruhe und hilft, beim Abnehmen nicht «nur» Muskelmasse zu verlieren. So kann eine realistische Woche für Eltern aussehen: 2 kurze Kraft-Einheiten (je 20–40 Minuten, auch zu Hause möglich) 1 Ausdauer-Einheit (z.B. zügiges Gehen, Velo, Schwimmen) tägliche Alltagsbewegung: Treppen, Wege zu Fuss, Spielplatz-Runden, Spaziergänge nach dem Abendessen Plane ausserdem 1–2 Ruhetage zwischen intensiven Krafttrainings ein. Schlaf und Regeneration sind Teil des Plans – gerade in Familien mit wenig Zeit. Schweizer Kontext: Für die allgemeine Gesundheit empfehlen Schweizer Stellen (z.B. Bundesamt für Gesundheit, BAG) regelmässige Bewegung im Alltag und ergänzend muskelkräftigende Aktivitäten. Wenn du dir unsicher bist, starte niedrigschwellig und steigere langsam. 6. Tschüss, Waage! Wenn du dich täglich wiegst, schwanken die Zahlen oft stark – durch Wasserhaushalt, Zyklus, Salz, Muskelkater oder Verdauung. Das kann extrem demotivieren. Sinnvoller ist: 1× pro Woche wiegen, immer am gleichen Wochentag und zur ähnlichen Uhrzeit Trend statt Tageszahl: Zähle Erfolge über mehrere Wochen Wichtig: Muskelmasse ist dichter als Fett. Wenn du neu mit Krafttraining beginnst und gleichzeitig besser isst, kann das Gewicht anfangs gleich bleiben oder sogar steigen, obwohl du Körperfett verlierst. Darum sind Fotos und Masse oft motivierender. Viel besser ist es daher, wenn du Vorher-Nachher Fotos von dir erstellst: immer im gleichen Winkel, in der gleichen Unterwäsche, vor dem gleichen Hintergrund. So wirst du mit den neuen Gewohnheiten schon nach ein bis zwei Wochen einen Unterschied feststellen. Zudem kannst du auch ein Massprotokoll führen, indem du alle ein bis zwei Monate deine Werte von Brust, Taille, Bauch, Po und Beinumfang misst. Alltag, Stress und Schlaf: der unterschätzte Faktor Viele Eltern scheitern nicht an «zu wenig Wissen», sondern an Erschöpfung. Schlafmangel und Dauerstress erhöhen bei vielen Menschen Appetit und Heisshunger, und sie senken die Hemmschwelle für schnelle Snacks. Darum gilt: Nicht noch mehr Druck – sondern bessere Rahmenbedingungen. Mini-Routinen statt Perfektion: z.B. jeden Tag eine eiweissreiche Frühstücksoption, jeden Abend ein kurzer Spaziergang. Notfall-Plan für stressige Tage: 2–3 einfache, schnelle Mahlzeiten, die du immer kannst (z.B. Vollkornbrot + Hüttenkäse + Tomaten; Tiefkühlgemüse + Reis + Eier; Linsensalat). Rückfälle normalisieren: Ein «Ausreisser-Tag» ist kein Grund aufzugeben. Entscheidend ist, was du beim nächsten Essen machst. Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist Abnehmen ist nicht in jeder Situation reine «Willenskraft». Manchmal stecken medizinische Ursachen, Nebenwirkungen oder eine behandlungsbedürftige Essstörung dahinter. Lass dich ärztlich abklären, wenn du eines oder mehrere dieser Zeichen bemerkst: starke Tagesmüdigkeit, lautes Schnarchen oder Atemaussetzer (Verdacht auf Schlafapnoe) Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte oder andere bekannte Stoffwechselprobleme ungewollter, schneller Gewichtsverlust oder starke Beschwerden (z.B. Herzrasen, Zittern, anhaltender Durchfall) Essanfälle, Erbrechen, Laxantien-Missbrauch oder starke Angst vor Essen/ Gewicht depressive Symptome, starker Leidensdruck oder wenn Essen zur Hauptstrategie gegen Stress wird Schwangerschaft und Stillzeit: Hier steht die Nährstoffversorgung im Vordergrund. Ein moderater, gesunder Lebensstil ist sinnvoll, aber radikale Defizite oder strenge Diäten sind keine gute Idee. Sprich bei Unsicherheit mit deiner Ärzt:in oder einer anerkannten Ernährungsberater:in. Jugendliche: Bei Jugendlichen sollte Gewichtsreduktion grundsätzlich nicht ohne Fachperson geplant werden, weil Wachstum, Pubertät, Körperbild und Essstörungsrisiko besondere Aufmerksamkeit brauchen. Medikamente zur Gewichtsreduktion: Es gibt heute wirksame medikamentöse Optionen, aber sie gehören in ärztliche Hand, sind nicht für alle geeignet und ersetzen keine Lebensstilveränderung. Wenn du darüber nachdenkst, lass dich individuell zu Nutzen, Risiken und Voraussetzungen beraten. Schweizer Unterstützung: so findest du passende Begleitung Du musst das nicht allein schaffen. Gute Anlaufstellen sind deine Hausärzt:in, deine Kinderärzt:in (wenn Familiengewohnheiten im Fokus stehen) oder eine anerkannte Ernährungsberater:in. In der Schweiz kann je nach Situation eine ärztlich verordnete Ernährungsberatung sinnvoll sein – kläre die Kostenübernahme am besten direkt bei deiner Krankenkasse (Grundversicherung/Zusatzversicherung unterscheiden sich). Wenn du merkst, dass Essen stark mit Stress, Kontrolle oder Schuldgefühlen verbunden ist, lohnt sich zusätzlich psychologische Unterstützung. Das ist kein «Scheitern», sondern ein wirksamer Schritt zu nachhaltiger Veränderung. Laura Müdespacher hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Die Inhaberin von Goldenbody hilft anderen dabei, ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln. Die Personaltrainerin setzt dabei auf Bewegung und die richtige Ernährung. In Sachen Gesundheit kann ihr so schnell keiner was vormachen: Sie ist nicht nur Ernährungsberaterin, sondern auch Expertin für Präventiv- und Sporternährung, zertifizierte Gesundheitstrainierin und ausgebildete Fachfrau Gesundheit. Mehr zu Goldenbody und weitere Artikel von Laura Müdespacher.