Der Nachtschreck ist kein schlechter Traum! Was hilft

Wenn das Kind plötzlich schreiend aufwacht, nicht ansprechbar ist und wild um sich schlägt, handelt es sich wahrscheinlich um einen «Nachtschreck», eine Schlafstörung, die auch «Pavor Nocturnus» genannt wird. Was dann hilft, haben wir den Kinderazt Dr. Fengeler gefragt,

Der Nachtschreck: Eine Schlafstörung, unter der vor allem Kleinkinder leiden.

Was ist denn los? Der Nachtschreck ähnelt einem Wutanfall aus heiterem Himmel. Foto: iStock

Gerade hat das Kind noch friedlich geschlafen. Jetzt hockt es panisch schreiend im Bett, es ist völlig verschwitzt, das Herz rast und es will sich von nichts und niemanden beruhigen lassen. Der Nachtschreck («Pavor Nocturnus») löst bei Eltern grosse Sorge aus, vor allem wenn er zum ersten Mal auftritt. Natürlich wollen sie ihrem Kind jetzt helfen, es trösten. Aber schnell zeigt sich, dass sich das Kind sich aber nicht wie gewohnt in die Arme nehmen lässt, im Gegenteil: Trotz offener Augen scheint es die Eltern nicht zu erkennen. Es schlägt noch mehr um sich. Eltern fühlen sich machtlos. Was hat das Kind denn?

Der Nachtschreck ist kein Alptraum

Schnell drängt sich der Gedanke an einen bösen Traum auf. Im Gegensatz zum Albtraum, der ein Kind meist in der zweiten Hälfte der Nacht quält, tritt der Nachtschreck in der ersten Schlafhälfte, oft vor Mitternacht auf. Ein Kind, das einen Nachtschreck erleidet, ist kaum zu beruhigen, ein Kind, dass einen Albtraum hat, sich dagegen sanft wecken und wieder in den Schlaf wiegen lässt. Vielleicht kann sich das Kind am nächsten Morgen an seinen Albtraum erinnern – von seinem Nachtschreck dagegen wird es nichts mehr wissen.

Pavor Nocturnes ist eine harmlose Schlafstörung

Pavor Nocturnus (lat. Nachtangst), wie der Nachtschreck in der Fachsprache lautet, ist eine Schlafstörung, die vor allem bei Kleinkinder und Kinder im Kindergartenalter auftritt. Babys sind noch nicht betroffen. «Circa drei bis sechs Prozent der Kinder erleben regelmässig Nachtschrecke», informiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschland (BVKJ). Pavor Nocturnus tritt ein, wenn ein Kind aus einer traumlosen Tiefschlafphase tritt, dabei aber nicht richtig aufwacht. Es schläft also nicht mehr, ist aber auch nicht wach, so dass es völlig orientierungslos ist. Sorgen müssen sich Eltern aber nicht: «Der Nachtschreck gehört zum normalen Schlafverhalten eines Zwei- bis Fünfjährigen Kindes und ist keine Verhaltensauffälligkeit und kein Grund zur Sorge», erklärt die Mütter- und Väterberatung des Kantons Bern. Pavor Nocturnus ist kein Symptom einer psychischen Erkrankung.

Die Ursache des Nachtschrecks ist oft Erschöpfung

Wenn das Nervensystem des Kindes noch nicht vollständig ausgereift ist, kann es zum Nachtschreck kommen. Das Gehirn hat noch Mühe vom Tief- ind den Traumschlaf zu wechseln. Beim Nachtschreck ist sein Körper dann zwar schon wach. Es schaut, es bewegt sich, aber sein Bewusstsein befindet sich immer noch im Schlaf.

In manchen Familien gibt es darüber hinaus eine genetische Neigung zu Pavor Nocturnus. Auch Erschöpfung kann eine Ursache sein. «Übermüdete oder kranke Kinder neigen eher zu der Entwicklung eines Nachtschrecks. Auch neue Medikamente oder das Schlafen in einer fremden Umgebung können einen Nachtschreck provozieren», erklärt der Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler. Häufig tritt der Nachtschreck auch auf, wenn das Kind Stress hat. Zum Beispiel, wenn es in die Krippe, den Kindergarten oder die Vorschule kommt und sich erst an die neue Umgebung und Bezugspersonen gewöhnen muss. Auch feinfühlige und nachdenkliche Kinder neigen eher zum Nachtschreck.

Was Eltern tun können – und was zu lassen ist

Eltern, die bereits einen Nachtschreck bei ihrem Kind miterlebt haben, wissen dass es sich nicht unmittelbar beruhigen lässt. Dennoch ist es jetzt gut, ihm leise immer wieder zu sagen, dass seine Welt in Ordnung ist, Mama oder Papa da ist und es in Sicherheit ist. Versuchen Sie Ihr Kind aber nicht wachzurütteln, um es von seinem Nachtschreck zu befreien: «Ein Kind in dieser Phase aufzuwecken, ist kontraproduktiv da es dann orientierungslos sowie verwirrt ist und schwer wieder einschläft», so Dr. Ulrich Fegeler. Solange das Kind panisch ist, können Eltern es aber vor Verletzungen schützen. So sollten sie darauf achten, dass es nicht vom Bett stürzt oder sich beim Schlagen mit Händen und Kopf stösst.

Wie lange dauert der Nachrschreck?

Und obwohl der Nachtschreck sehr unheimlich wirkt, müssen Eltern sich nicht sorgen. Hilfreich ist zu wissen, dass der Spuk meist nach zwei bis zehn Minuten vorüber geht. «Das Aufwachen geschieht abrupt. Das Kind beruhigt sich schnell, fühlt sich müde und schläft bald wieder ein», erklärt die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern.

Wie oft tritt er auf?

Der Nachtschreck kann einmal und nie wieder auftreten. In Abstand von Jahren oder Monaten. Wenn er in einer kurzen Periode gehäuft und immer wieder bis ins junge Teenageralter auftritt, ist es sinnvoll sich von einem Kinderarzt beraten zu lassen und eine Nacht im Schlaflabor zu verbringen.

Ihr Kind neigt zum Nachtschreck? Was hilft

1 Dann ist es wichtig, auf regelmässigen und ausreichenden Schlaf zu achten. Gut, wenn sich das Kind im Tagesverlauf ausreichend ausgepowert hat! «Genügend Bewegung während des Tages ist für alle Kinder wichtig und macht sie auf gesunde Art müde», empfiehlt das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

2 Fernsehen vor dem Schlafengehen wühlt ein Kind stattdessen auf. Ein ruhiges, immer gleich ablaufendes Abendritual hilft, geborgen in den Schlaf zu finden. Erst Zähne putzen, dann Schlafanzug anziehen und im Bett eine Geschichte vorlesen oder erzählen oder den Tag Revue passieren lassen – so kann ein solches Einschlafritual aussehen.

3 Auch die Raumtemperatur trägt zu einem guten Schlaf bei. «Die Temperatur sollte im Schlafzimmer nicht zu warm sein (ca. 18°C)», so das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt. «Das Schlafen sollte in möglichst ruhigen und ungestörten Räumen stattfinden.»

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