Ist Ihr Kind farbenblind?

Ist die Kirsche rot oder vielleicht doch grün? Wenn ein Kind Farben nicht richtig benennt, fragen sich Eltern, ob es vielleicht farbenblind ist. Doch farbenblind sind nur wenige Menschen, farbschwach dagegen acht Prozent aller Männer und jede hundertste Frau.

Ist mein Kind farbenblind oder farbschwach? - Am besten konsultieren Eltern einen Facharzt.

Die meisten Kinder und Erwachsenen, die farbschwach sind, finden sich im Leben gut zurecht. Foto: kmatija, iStock, Thinkstock.

Die kleine Natalie überlegt schon eine Weile, welche Farbe die Kirsche hat. Auch zur Farbe der Erdbeere will sie sich erst mal nicht äussern. Schliesslich entscheidet sie sich zu einer Antwort. «Grot», sagt sie. Ist Natalie farbenblind?

Farbenblind oder farbschwach?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Natalie farbenblind ist, ist gering. Denn nur sehr wenige Menschen nehmen die Welt ausschliesslich in Grautönen wahr, sodass sie einzelne Farbtöne nur nach Helligkeitswert unterscheiden können. Wesentlich mehr Menschen, etwa neun von hundert, sind dagegen farbschwach. Das heisst: Sie können Farben wahrnehmen, die Farben Rot und Grün mehr oder weniger schlecht unterscheiden. Deshalb spricht auch häufig von «Rot-Grün-Blindheit» oder von einer «Rot-Grün-Schwäche». Manche farbschwach Sehenden erkennen die Farbe Blau kaum und verwechseln sie mit Gelb.

So entstehen Farben im Gehirn

Auf der Netzhaut nehmen bestimmte Sinneszellen, Zapfen genannt, Lichtwellen wahr. Drei verschiedene Zapfentypen erkennen entweder kurzwellige, mittelwellige oder langwellige Lichtstrahlen. Sie informieren das Gehirn, das aus kurzwelligen Lichtstrahlen die Farbe Blau, aus mittelwelligen Lichtstrahlen Grün und aus langwelligen Lichtstrahlen Rot entstehen lässt. Aus verschieden langen Lichtwellen mixt das Gehirn Bilder aller anderen Farben.

Die Ursachen für Farbenfehlsichtigkeit

Die Ursache für Farbenblindheit oder Farbschwäche liegt in gestörten Sinneszellen auf der Netzhaut. Die Zapfen, die für das Farbensehen zuständig sind, funktionieren nur schlecht oder gar nicht. Sind die Zapfen für Rot und/oder Grün gestört, entsteht eine Rot-Grün-Schwäche. Als partiell farbenblind gilt jemand, bei dem ein oder zwei bestimmte Zapfentypen fehlen oder nicht funktionsfähig sind. Funktioniert keiner der drei Zapfentypen, bleibt die Welt grau.

Ein Gen macht farbenblind und farbschwach

Unter einer Farbfehlsichtigkeit leiden vor allem Männer durch Vererbung. Denn die veränderten Gene für die Zapfen auf der Netzhaut liegen auf dem Geschlechtschromosom X, von dem Männer nur eines haben. Die Schwäche kann also nicht – wie bei Frauen – durch ein zweites X-Chromosom kompensiert werden. Frauen werden also nur dann farbenblind oder farbschwach, wenn beide X-Chromosomen betroffen sind.

So wirkt sich die Farbenfehlsichtigkeit aus

Die meisten der Kinder und Erwachsenen, die mehr oder weniger farbenschwach sind, finden sich im Leben gut zurecht. Besondere Vorsicht ist allerdings im Verkehr geboten. Zwar lässt sich leicht merken, dass die Ampel oben rot leuchtet, unten dagegen grün, doch auch an Baustellen und Unfallstellen muss Rot als Signalfarbe wahr genommen werden. Darüber hinaus schränkt die Farbenfehlsichtigkeit die Berufswahl ein. Berufe aus den Feldern Kunst, Grafik und Mode, in denen Farben eine besondere Rolle spielt, sind für Menschen, die farbschwach sind, eher ungeeignet.

Farbenblind und lichtempfindlich

Viel gravierender ist es allerdings, farbenblind zu sein. Denn die meisten Farbenblinden leiden unter einer besonderen Sehunschärfe und darüber hinaus unter einer Überempfindlichkeit gegen helles Licht. «Wenn alle drei Zapfenarten ausfallen, können Betroffene keine Farben mehr wahrnehmen», erklärt das Augenzentrum Zug. Dabei sei die eigentliche Farbenblindheit meist das kleinste Problem. «Die Betroffenen leiden viel mehr unter der stark verminderten Sehschärfe (etwa 10-15 Prozent der normalen Sehschärfe) und einer starken Blend-Empfindlichkeit.»

Farbenblind oder farbschwach? Ein Sehtest beim Augenarzt hilft weiter

Eltern, die in Erwägung ziehen, dass ihr Kind farbenblind oder farbschwach ist, sollten einen Termin beim Augenarzt vereinbaren. Er kann zum Beispiel mit Hilfe von Bildtafeln, auf denen für normal sehende Menschen Symbole zu erkennen sind, herausfinden, ob und welche Farbenfehlsichtigkeit besteht. Bestärkt sich der Verdacht, gilt es allerdings, mit der Farbenfehlsichtigkeit zu leben. Denn sie ist nicht heilbar. Spezielle Brillen können helfen, Farbkontraste zu verstärken und leichter wahr zu nehmen.

Natalie ist zum Glück nicht farbenblind, wie sich bei einem Besuch beim Augenarzt herausstellt. Mit ihren zwei Jahren kann sie allerdings noch nicht alle Farben richtig benennen. Erst im Alter von drei Jahren kennen sich die meisten Kinder mit den Bezeichnungen der Grundfarben gut aus.

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