Kampf gegen Masern geht in eine neue Runde

Eigentlich wollte der Bund die Masern bis Ende 2015 ausrotten. Stattdessen gab es wieder mehr Krankheitsfälle. Warum das Bundesamt für Gesundheit dennoch eine positive Bilanz aus der Strategie zur Masernelimination zieht.

Masernelimination

Mindestens 95 Prozent der Schweizer Bevölkerung hätten bis Ende 2015 vollständig gegen Masern geimpft sein sollen: Ein Kleinkind erhält eine Impfung. Bild: KatarzynaBialasiewicz, iStock, Thinkstock.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) blickt zufrieden auf die Nationale Strategie zur Masernelimination 2011 bis 2015 zurück. Die Strategie sei «sachdienlich» und «angemessen» gewesen, schreibt das BAG in seiner abschliessenden Evaluation von Mitte Februar. Doch schaut man sich die Zahlen im Detail an, zeigt sich ein anderes Bild: Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz 71 Masernfälle verzeichnet. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Vor diesem Hintergrund erscheint die Beurteilung der Strategie recht unpassend, sollten doch die Masern mit ihrer Umsetzung bis Ende 2015 gesamtschweizerisch ausgerottet sein.

Gescheitert ist die Strategie dennoch nicht: Entscheidend für das Fazit des BAGs war offensichtlich die Impfquote, und nicht die Zahl der neuen Masernerkrankungen. Wie die Gesundheitsbehörde bekannt gab, konnte die Durchimpfung überall in der Schweiz erhöht werden. In der kurzen Frist sei das ursprüngliche Ziel, die Mehrheit der Bevölkerung gegen Masern zu impfen, jedoch nicht zu erreichen gewesen. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen ist mit 4.2 Fällen pro Million Einwohner im 2015 zwar tief, kommt jedoch bei weitem nicht an das Ziel von einem Fall pro Million Einwohner pro Jahr heran.

«Europa masernfrei bis 2015!»

2010 hatte die Schweiz dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugestimmt, Europa bis Ende 2015 masernfrei zu machen. Damit dies gelingen kann, müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung eines Landes ab dem zweiten Lebensjahr gegen die Krankheit immun sein. Immun ist, wer mit zwei Impfdosen geimpft ist oder die Masern bereits hatte.

2011 verabschiedete der Bundesrat die Nationale Strategie zur Masernelimination. Angestrebt wurde in erster Linie die verbesserte Durchimpfung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die von Bund und Kantonen lancierte Informationskampagne forderte auch zu Nachholimpfungen auf: Erwachsenen bis 50 Jahre, die nicht oder unvollständig geimpft sind oder die Masern noch nie hatten, empfahl das BAG, ihre Impflücken zu schliessen. Bei Menschen mit Jahrgang 1963 oder älter gingen die Gesundheitsbehörden davon aus, dass sie die Masern bereits durchgemacht haben.

Durchimpfung nimmt schweizweit zu

Die Impfraten steigen in der ganzen Schweiz leicht an. Die schweizweite Durchimpfungsrate der Zweijährigen mit zwei Impfdosen konnte im Rahmen der Strategie auf aktuell 87 Prozent erhöht werden, wie das BAG mitteilt. 2012 lag die Rate noch bei 85 Prozent. Die positiven Auswirkungen der Strategie seien laut BAG aber vor allem bei den 22 – 29-jährigen festzustellen. So liegt die Durchimpfungsrate im Jahr 2015 bei 87 Prozent. Im Jahr 2012 war sie noch bei 77 Prozent. Dieser Anstieg sei bemerkenswert, da die jungen Erwachsenen eher selten zum Arzt gehen und darum eine schwer zu erreichende Zielgruppe darstellen. Doch auch hier hat die Schweiz noch Nachholbedarf, wenn sie ihr Ziel von 95 Prozent erreichen will.

Unterschiede zwischen den Kantonen verringern sich

Für das Engagement der Ärzteschaft und der Kantone gibt es vom BAG Lob. Die Fortschritte seien unter anderem den ergriffenen Massnahmen in der obligatorischen Schule und in den Betreuungsstätten für Kleinkinder zu verdanken. So sind in 19 Kantonen vermehrt Kontrollen des Impfstatus oder Ausschlussmassnahmen bei einem Masernfall eingeführt worden. «Die Unterschiede zwischen den Kantonen hinsichtlich der Durchimpfung nehmen tendenziell ab», heisst es im Schlussbericht des BAG. Appenzell Innerrhoden, einer der Sorgenkantone, sei ein gutes Beispiel: Dort stieg die Rate der vollständigen Impfungen im Alter von zwei Jahren zwischen 2008 und 2014 von 50 auf 84 Prozent.

Den Zielwert von 95 Prozent erreicht hat nur der Kanton Genf. Auch die Kantone Aargau, Jura, Neuenburg und Waadt kämen den Zielen der Strategie sehr nahe. Kantone, die 2011 eine tiefe Durchimpfung aufwiesen, bekundeten besonders Mühe mit der Umsetzung der Massnahmen. Manchen fehlte es an personellen und finanziellen Ressourcen. In Zukunft wolle man deshalb den Erfahrungsaustausch zwischen den Kantonen fördern.

Bundesrat verabschiedet neue Strategie

Damit die Masern ganz eliminiert werden können, sei eine weitere Mobilisierung erforderlich, wie das BAG mitteilt. Es sei wichtig, dass Ärzte den Impfstatus ihrer Patienten systematischer kontrollieren, damit Nachholimpfungen verabreicht werden könnten. Im Januar hat der Bundesrat erneut die nationale Strategie zu Impfungen verabschiedet. Sie knüpft an die Maserneliminierungsstrategie an und setzt unter anderem auf einen besseren Zugang zu den Impfungen für Erwachsene.

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