So sprechen Sie mit kleinen Kindern und Jugendlichen über Krebs

Sabine Jenny,  Leiterin des Krebsinformationsdienstes der Krebsliga Schweiz erklärt, warum es wichtig ist, mit Kindern über Krebs zu sprechen.

Sabine Jenny,  Leiterin des Krebsinformationsdienstes der Krebsliga Schweiz spricht mit Eltern über das Thema Krebs. Foto: Krebsliga

Über Krebs sprechen: Tipps für Eltern

Wichtig ist, dass Sie Ihre Kinder informieren, entlasten und begleiten.

  • Nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch.
  • Sie müssen nicht alles sagen, was Sie wissen. Aber alles, was Sie sagen, muss wahr sein.
  • Sagen Sie jüngeren Kindern, dass man Ihre Krankheit «Krebs» nennt. Erklären Sie, dass dies mit dem Tier nichts zu tun hat, sondern dass bestimmte Zellen im Körper krank sind.
  • Verwenden Sie gegenüber jüngeren Kindern einfache Worte und kurze Sätze: «Ich habe im Bauch einen Knoten. Man nennt das Krebs. Er macht mich krank. Darum muss der Arzt ihn herausnehmen. Deshalb gehe ich für ein paar Tage ins Spital. Ihr könnt mich dort besuchen.»
  • Entlasten Sie Ihr Kind indem Sie ihm sagen, dass es geliebt wird und keine Schuld an der Krankheit trägt.
  • Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Krebs in vielen Fällen geheilt werden kann, aber machen Sie keine Versprechungen. Statt «Ich werde sicher wieder gesund» können Sie sagen «Ich hoffe sehr, bald wieder gesund zu werden.»
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass Krebs nicht ansteckend ist.
  • Für Ihr Kind ist es wichtig zu wissen, was sich in seinem Alltag verändert. Es ist hilfreich, wenn Sie eine gewisse Routine beibehalten können.
  • Sagen Sie Ihren Kindern, wer sich in der Zeit Ihrer Behandlung um sie kümmert. Und dass es gut ist, wenn sie weiter Freunde treffen, spielen und lachen.
  • Unterdrücken Sie Ihre Gefühle nicht. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es normal ist, traurig oder auch wütend über die Krankheit zu sein.
  • Es kann hilfreich sein, wenn Lehrpersonen oder Lehrmeister über die Familiensituation Bescheid wissen. Als Eltern jüngerer Kinder sollten Sie die Lehrperson informieren. Sind die Kinder älter, besprechen Sie am bestem mit ihnen, ob und wie informiert werden sollen.

Über Krebs sprechen: Was bei Teenagern besonders zu beachten ist

Jugendliche ziehen sich oft zurück, wenn ein Elternteil ernsthalt erkrankt. Oder sie stürzen sich zur Ablenkung in Freizeitaktivitäten, sie fragen selten nach, können aggressiver reagieren als sonst und in der Schule weniger Interesse zeigen. Legen Sie wie bisher Regeln fest und setzen Sie Grenzen.

Besonders Töchter von erkrankten Müttern übernehmen häufig eine Erwachsenenrolle, die sie überfordert. Dann ist es wichtig, dass Sie klar festlegen, was Ihnen hilft. Dass es zum Beispiel prima ist, wenn Ihre Tochter die Einkäufe erledigt, Sie aber auch möchten, dass sie weiterhin etwas mit Freundinnen und Freunden unternimmt.

Anders als jüngere Kinder machen sich Jugendliche oft Sorgen um einen möglichen Tod. Wenn es Ihnen möglich ist, reden Sie über Ihre Situation und Ihre eigenen Gedanken über das Sterben. Akzeptieren Sie aber, wenn Ihr «Kind» seinerseits lieber Ihnen zuhört anstatt selber zu reden.

Pubertierende entwickeln nicht selten Ängste, selber krank zu werden. Wie gross oder wie klein für sie die Wahrscheinlichkeit ist, zu erkranken, kann in einer fachärztlichen Beratung besprochen werden.

Hier finden Eltern und Kinder krebskranker Eltern Unterstützung:

  • Kostenloses Krebstelefon: 0800 11 88 11, werktags, 9-19 Uhr
  • Kantonale Krebsligen: www.krebsliga.ch
  • Die  Broschüre «Wenn Eltern an Krebs erkranken» zeigt, wie der Familienalltag und der gegenseitige Austausch weitergehen könnte – trotz und mit Krebs. Der Flyer «Krebskrank – Wie sagt man es den Kindern?» gibt Eltern und Lehrpersonen Tipps zum Thema. Broschüre und Flyer sind kostenlos. Bestellmöglichkeiten unter www.krebsliga.ch

 

Autor: Sabine Jenny, Krebsliga Schweiz

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