Wenn Kinder über Kopfweh klagen

Kopfweh - ein typisches Leiden gestresster Erwachsener? Sicher. Doch wer meint, Kinder könnten nicht auch betroffen sein, liegt falsch. Kopfweh gehört mittlerweile zu den häufigsten Kinderkrankheiten. Zum Glück können Eltern viel gegen die Schmerzen ihres Kindes tun.

Dem Kind geht es nicht gut: es hat Kopfweh.

Kopfweh bei Kindern kann verschiedene Ursachen haben. Bild: iStockphoto-Thinkstock 

So sehr hatte sich Elena auf den Kindergeburtstag gefreut. Mit spannenden Spielen, verlockenden Preisen, feinem Kuchen und ein paar Freundinnen wird es tatsächlich so schön, wie Elena erwartet hat. Jedenfalls, bis der Kopf beginnt zu brummen und zu drücken. Elena hat Kopfweh – schon zum dritten Mal in dieser Woche! Sie will von ihren Eltern abgeholt werden.

So wie Elena geht es vielen Kindern. «Früher als typisches Leiden gestresster Erwachsener angesehen, gehört Kopfweh mittlerweile zu den häufigsten Kinderkrankheiten» berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Bereits im Vorschulalter leidet jedes fünfte Kind zumindest hin und wieder unter Kopfweh. Vor allem Mädchen sind betroffen.

Kopfweh: die Ursachen

Kopfweh kann verschiedene Ursachen haben. Wird das Kopfweh von Schwindel begleitet, kann eine Regulationsstörung des Kreislaufs schuld sind. Manchmal liegt dem Kopfweh auch ein niedriger Blutzuckerspiegel zugrunde. «Vor allem bei dünneren Kindern ist, wenn sie länger nicht gegessen haben, der Blutzuckerspiegel manchmal sehr niedrig, was unter anderem Kopfweh hervorrufen kann», erklärt Dr. med. Ursula Keicher in ihrem Buch «Kinderkrankheiten» (Gräfe und Unzer). Darüber hinaus lösen auch fiebrige Infektionen Kopfweh aus. Tritt Kopfweh häufig beim Lesen auf, kommt eine Fehlsichtigkeit in Frage. Eine Brille kann schnell für Abhilfe sorgen.

Spannungskopfschmerzen und Migräne

Wie ein zu enger Helm legen sich Spannungs-Kopfschmerzen um den Kopf. Die Schmerzen sind in der Regel leicht bis mittelstark. Was Spannungs-Kopfschmerzen auslöst, ist bis heute noch nicht geklärt. Klar ist jedoch, dass Stress bei dieser Art von Kopfweh eine Rolle spielt. Denn Stress verändert den Stoffwechsel im Gehirn, so dass Schmerzreize, die zum Beispiel durch verspannte Muskeln, stärker wahr genommen werden.

Migräne äussert sich im Gegensatz zu Spannungs-Kopfschmerzen durch plötzliches schweres pulsierendes Kopfweh. Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass dem Kind übel wird und es erbrechen muss. Grelles Licht und laute Geräusche empfindet es als sehr unangenehm. Spielen? Lernen? Lieber schlafen! Zum Glück ist der Spuk oft ist nach ein paar Stunden alles vorbei. «Auslöser von Migräne-Anfällen können unter anderem Angst, Überanstrengung und Müdigkeit sein», so Dr. med. Ursula. Eine Neigung zu Migräne wird oft genetisch vererbt. Aktuellen Studien zufolge sind übermässig starke erregte Nervennetze im Gehirn für Migräne-Anfälle verantwortlich.

Das können Eltern gegen Kopfweh tun

«Zum Arzt gehen, wenn das Kind länger andauernde oder wiederkehrende Kopfschmerzen hat», raten Mediziner eindringlich. So können Erkrankungen ausgeschlossen werden, die medizinisch behandelt werden müssen – wie zum Beispiel eine Infektion im Kiefer oder Hals, eine Hirnhaut-Entzündung, eine Kopfverletzung und ein Gehirntumor . «In mehr als 90 Prozent der Fälle erweisen sich die Schmerzen allerdings als medizinisch harmlos», beruhigt Jürg Lütschg vom Universitätskinderspital Basel, Spezialist für Kopfschmerzen bei Kindern, in einem Interview mit dem Tagblatt. Dennoch stehen die betroffenen Kinder unter hohem Leidensdruck. Sie ernst zu nehmen und zu versuchen, ihnen zu helfen, ist deshalb wichtig.

Kopfweh-Tagebuch

Kopfschmerzen lassen sich in den Griff kriegen. Das Gefühl, ihnen nicht willenlos ausgeliefert zu sein, hilft Kindern bereits immens. Ein erster Schritt ist es, ein Kopfweh-Tagebuch zu führen. Dort lassen sich Dauer und Stärke der Schmerzen, die Begleitsymptome und mögliche Auslöser festhalten. Ein solches Kopfweh-Tagebuch gibt dem Kinderarzt wichtige Anhaltspunkte bei der Ursachenforschung.

Weitere Informationen zum Kopfweh-Tagebuch: headache.ch

 

Einem grossen Teil des Kopfwehs lässt sich leicht vorbeugen. Täglich draussen an frischer Luft zu spielen, dort Sauerstoff zu tanken und sich auszutoben, wirkt oft Wunder. Professor Koletzko: «Kinder sollten ausserdem wenig Zeit mit Computerspielen und Fernsehen verbringen, auf geregelte Mahlzeiten und auf ausreichenden Schlaf achten. Die Einhaltung fester Zeiten des Schlafengehens und des Aufwachens und das Vermeiden von Coffein am Nachmittag – also von Cola, Kaffee und Energydrinks – haben sich in Studien als gute Hilfen gegen Kopfweh erwiesen.» Sinnvoll ist es, viel zu trinken – am besten Wasser oder Tee – um sich vor Kopfweh zu schützen.

«Entschleunigung» heisst für Kinder wie Erwachsene darüberhinaus das Zauberwort gegen Kopfweh. Weniger ist oft mehr: Weniger Lernstress, weniger Termine, weniger Fernsehen und damit weniger Reize, die verarbeitet werden müssen. Techniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga helfen ebenfalls, Anspannungen des Alltags abzubauen.

Schmerzmittel nur unter ärztlicher Kontrolle

Ob der Einsatz von Schmerzmitteln sinnvoll ist, entscheidet der Arzt im individuellen Fall. Experten raten jedenfalls dringend davon ab, ohne ärztliche Kontrolle dem Kind Schmerzmittel zu verabreichen. Der Laie kann die Nebenwirkungen der Schmerztabletten nicht beurteilen. Manchmal helfen pflanzliche Arzneien. So rät die Stiftung Kindergesundheit, bei leichtem bis mittelschweren Spannungs-Kopfscherzen eine zehnprozentige Pfefferminzöl-Lösung aus der Apotheke auf Kinderstirn und Kinderschläfen aufzutragen. «So kommt es zu einer Stimulierung von Kälte- und Druckrezeptoren in der Haut. Durch das entstehende Kältegefühl lassen die Kopfschmerzen schon nach 15 Minuten deutlich nach.»

Weiterführende Links:

  • Schweizerische Kopfweh-Gesellschaft: headache.ch
  • Wenn Kinder Kopfschmerzen haben: Informationen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: google.ch

 

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